Neujahrsempfang der CDU Mainz

Sabine Flegel lädt ein: Meine Lieblingswirtschaftsdezernentin Manuela Matz und mein LieblingsOB-Kandidat Nino Haase beim Neujahrsempfang der CDU Mainz.

Wir unterstützen Nino Haase

CDU Mainz und Sabine Flegel stoßen die Fenster in Mainz weit auf und lassen frischen Wind rein. Wir unterstützen Nino Haase als unabhängigen OB-Kandidaten für Mainz.

Auf den Punkt: CDU setzt auf Ru­di Car­rell

Allgemeine Zeitung, 19. Januar 2019, Mai­ke Hes­se­denz

Lass dich über­ra­schen …“ Wäh­rend CDU-Frak­ti­ons­chef Hanns­georg Schö­nig es mit Ru­di Car­rell hält und sich sin­gend im hol­län­di­schen Ak­zent übt, hat sich Par­tei­che­fin Sa­bi­ne Fle­gel in den Win­ter­ur­laub ver­ab­schie­det, um Nach­fra­gen zu ent­ge­hen. Könn­te sein, dass es ei­ne der span­nend­sten Per­so­na­li­en des Jah­res ist: die Fra­ge, wen die CDU als Ge­gen­kan­di­dat(in) zu Mi­cha­el Ebling für die OB-Wahl no­mi­niert. An­fang der Wo­che wol­len die Christ­de­mo­kra­ten das Ge­heim­nis lüf­ten, vor­her herrscht Schwei­gen. Spe­ku­lie­ren darf man ja trotz­dem: Da ist zum ei­nen Schö­nig selbst. Der al­ler­dings ko­ket­tiert ger­ne da­mit, dass er mit sei­nem Job als Frak­ti­ons­chef ganz zu­frie­den ist. Oft fällt der Na­me Sa­bi­ne Fle­gel. Frag­lich, ob sie ihr ge­lieb­tes Gon­sen­heim ge­gen den Fuchs­bau tau­schen wol­len wür­de. Bun­des­tags­ab­geord­ne­te Ur­su­la Gro­den-Kra­nich hat be­kann­ter­ma­ßen die Ber­li­ner Sze­ne­rie für sich ent­deckt; eben­falls frag­lich, ob ihr die Haupt­stadt­luft nicht in­zwi­schen auch ganz gut ge­fällt. Der Land­tags­ab­geord­ne­te Gerd Schrei­ner wur­de eben­falls schon ge­nannt. Ein Na­me, der im po­li­ti­schen Mainz erst seit Kur­zem, da­für aber um­so in­ten­si­ver kur­si­ert, wenn es um die CDU-OB-Kan­di­da­tur geht, ist der von Ma­nu­ela Matz. Die wä­re schließ­lich als Wirt­schafts­de­zer­nen­tin in ei­ner höchst kom­fort­ab­len Si­tua­ti­on, um von sich re­den zu ma­chen. Zu ver­lie­ren hat die Wirt­schafts­ju­ris­tin qua­si nichts, po­li­ti­sche Am­bi­tio­nen hat sie aber al­le­mal. Und Ru­di Car­rell hat schließ­lich schon mal Recht be­hal­ten: „… schnell kann es ge­sche­hen, dass auch dei­ne Wün­sche in Er­fül­lung ge­hen.“

Vie­le neue Ge­sich­ter

CDU-Frak­ti­ons­chef Hanns­georg Schö­nig ist Spit­zen­kan­di­dat für Kom­mu­nal­wahl

Allgemeine Zeitung, 19.November 2018, Ale­xan­dra Ei­sen, MAINZ.

Vie­le Hän­de, die ge­mein­sam an ei­nem Strang zie­hen – das war nicht im­mer so in der Main­zer CDU. Und des­halb soll die­ses Mo­tiv, das bei der Mit­glie­der­ver­samm­lung über der Büh­ne auf ei­ne Lein­wand pro­ji­ziert wird, ei­ne neue Ära sym­bo­li­sie­ren. Und an die­sem Sams­tag in der Gon­sen­hei­mer Jahn­turn­hal­le ge­lingt der Uni­on das har­mo­ni­sche Mit­ein­an­der. Der mit Span­nung er­war­te­te Vor­schlag der Par­tei­spit­ze für die Kan­di­da­ten­lis­te zur Kom­mu­nal­wahl 2019 wird oh­ne Dis­kuss­io­nen und Kampf­kan­di­da­tu­ren von den knapp 170 Mit­glie­dern mehr oder we­ni­ger durch­ge­wun­ken. Nur hier und da gibt die Zahl der Ja-Stim­men im Be­reich um die 60 Pro­zent ei­nen Hin­weis auf leich­ten Un­mut über be­kann­te Kan­di­da­ten oder auf Un­si­cher­heit bei neu­en Ge­sicht­ern. Wie schon bei der ver­gan­ge­nen Kom­mu­nal­wahl zieht die Main­zer CDU mit Hanns­georg Schö­nig, Frak­ti­ons­vor­sit­zen­der der Strad­trats­frak­ti­on, als Spit­zen­kan­di­dat in den Wahl­kampf. Der 54-Jäh­ri­ge er­hielt 85 Pro­zent der Stim­men. Ist die Spit­zen­kan­di­da­tur ein er­ster Hin­weis auf den OB-Wahl­kampf im Ok­to­ber? Da­rauf ge­ben Schö­nig und Par­tei­che­fin Fle­gel auch an die­sen Sams­tag kei­ne Ant­wort. Die CDU hat ih­ren Kan­di­da­ten oder ih­re Kan­di­da­tin bis­lang nicht be­nannt. Ur­su­la Gro­den-Kra­nich be­legt Platz zwei Schö­nig hat­te zu­vor in sei­nem Be­richt über die Ar­beit der Stadt­rats­frak­ti­on die Am­pel-Koa­li­ti­on im Rat­haus scharf kri­ti­siert. Die bei­den De­zer­nen­ten Ka­trin Eder (Grü­ne, Ver­kehr) und Christ­opher Sit­te (FDP, Wirt­schaft), die näch­ste Wo­che zur Wie­der­wahl ste­hen, be­zeich­ne­te er als „To­ta­laus­fall“. Er ver­mis­se in der Main­zer Po­li­tik „Vi­sio­nen, neue Ide­en und Auf­bruch“. Platz zwei be­legt die Main­zer Bun­des­tags­ab­geord­ne­te Ur­su­la Gro­den-Kra­nich (81 Pro­zent). CDU-Kreis­vor­sit­zen­de Sa­bi­ne Fle­gel geht auf Lis­ten­platz 3 in den Kom­mu­nal­wahl­kampf (87,6 Pro­zent). Die 52-jäh­ri­ge Gon­sen­hei­mer Orts­vor­ste­he­rin er­klär­te im Vor­feld des Wahl­gangs, dass die Zu­sam­men­stel­lung der Lis­te ei­ne schwe­re Auf­ga­be ge­we­sen sei. „Man will nie­man­den vor den Kopf sto­ßen, viel­leicht gibt es Ent­täu­schun­gen. Aber heu­te geht es nicht um Emp­find­lich­kei­ten und Ei­tel­kei­ten, son­dern um un­ser Ziel und um die Par­tei.“ Ei­nen klei­nen Dämp­fer gibt es für Klaus Haf­ner, der mit nur 62 Pro­zent der Stim­men ge­wählt wird. Bei der ver­gan­ge­nen Kom­mu­nal­wahl hat­te der be­lieb­te Sta­di­ons­pre­cher des 1. FSV Mainz 05 erst­mals kan­di­diert und war von den Main­zer Wäh­lern vom ur­sprüng­li­chen Lis­ten­platz 11 auf Platz 3 ka­ta­pul­tiert wor­den. Dies­mal setzt man ihn gleich auf Platz 4. Ganz an­ders das Er­geb­nis von Fast­nacht­si­ko­ne Tho­mas Ne­ger, seit zehn Jah­ren im Stadt­rat. Mit 95,8 Pro­zent Ja-Stim­men er­zielt er an die­sem Tag das be­ste Er­geb­nis. Ei­ne neu­es jun­ges Ge­sicht in der Stadt­po­li­tik ist Na­ta­scha Bau­er, die in der Gro­ßen Lang­gas­se ei­nen Fri­seur­sa­lon be­treibt und auf den aus­sichts­rei­chen Lis­ten­platz 10 ge­wählt wird (75 Pro­zent). Die 33-jäh­ri­ge Mut­ter ei­nes 14 Mo­na­te al­ten Soh­nes nennt Fa­mi­li­en­po­li­tik und die In­te­res­sen der Ge­wer­be­trei­ben­den als Schwer­punk­te ih­rer kom­mu­nal­po­li­ti­schen Ar­beit. CDU-Ur­ge­stein Wolf­gang Rei­chel, frü­he­rer Main­zer Um­welt­de­zer­nent, bis 2016 streit­ba­rer CDU-Kreis­vor­sit­zen­der und ehe­ma­li­ger Land­tags­ab­geord­ne­ter, taucht bei der Mit­glie­der­ver­samm­lung nicht auf. Bis zu­letzt wur­de spe­ku­liert, ob er sich nicht doch als Kan­di­dat prä­sen­tie­ren wird. Er wird dem neu­en Stadt­rat nun nicht mehr an­ge­hö­ren. Auch an­de­re lang­jäh­ri­ge Stadt­rats­mit­glie­der sind nicht mehr auf der Lis­te: Dr. Gerd Eck­hardt, Prof. Dr. Mi­cha­el Pietsch, Dr. Chris­ti­an Mo­er­chel, Ka­rin Traut­wein und Dr. Bar­ba­ra Both. Auf den 60 Lis­ten­plät­zen ste­hen 15 Kan­di­da­ten, die nicht äl­ter als 35 Jah­re sind, so­wie 20 Frau­en, un­ter den aus­sichts­rei­chen er­sten 20 fin­den sich 9 Frau­en. Fle­gel und Schö­nig zeig­ten sich nach der fünf­ein­halb­stün­di­gen Ver­samm­lung sicht­lich zu­frie­den – die Mit­glie­der sei­en den Weg der Er­neue­rung und Ver­jün­gung mit­ge­gan­gen. „Die Lis­te spricht al­le Schich­ten der Ge­sell­schaft an, wir ha­ben vie­le in­te­res­san­te Per­sön­lich­kei­ten. Wir ha­ben das be­ste An­ge­bot“, sagt Fle­gel.

DIE ER­STEN 20 LIS­TEN­PLÄT­ZE Hanns­georg Schö­nig (133 Ja, 23 Nein, 4 Ent­hal­tun­gen), Ur­su­la Gro­den-Kra­nich (126, 23, 8), Sa­bi­ne Fle­gel (135, 19, 2), Klaus Haf­ner (94, 57, 7), Clau­dia Sieb­ner (136, 22, 1), Tho­mas Gers­ter (134, 186), Dr. Mar­kus Rein­bold (140, 12, 3), Kars­ten Lan­ge (131, 19, 3), Nor­bert Sol­bach (117, 33, 7), Na­ta­scha Bau­er (110, 36, 9), Gerd Schrei­ner (113, 28, 9), Lud­wig Hol­le (107, 29, 11), Ma­nu­ela Matz (118, 25, 4), Tors­ten Ro­he (103, 35, 5), Tho­mas Ne­ger (137, 6, 2), Dr. Pe­ter Tress (107, 28, 11), An­et­te Oden­wel­ler (115, 22, 5), Me­lis­sa En­ders (95, 36, 9).

Vor der Fes­tung

Von Gau­tor bis Fich­te­platz: Hier wur­de Main­zer Sport­ge­schich­te ge­schrie­ben

Allgemeine Zeitung, 29.Oktober 2018, Mi­cha­el Ber­mei­tin­ger, MAINZ .

Von Mi­cha­el Ber­mei­tin­ger MAINZ . Mit Grö­ße und bar­ocker Schön­heit be­ein­druckt das Gau­tor auch heu­te noch sei­ne Be­trach­ter, und doch se­hen sie nur den Ab­glanz des ein­sti­gen Fes­tungs­bau­werks. Wer durch die To­röff­nung geht und glaubt, er ha­be „das Gau­tor“ durch­schrit­ten, der irrt. Er pas­siert le­dig­lich die Schmuck­fass­ade des äu­ße­ren To­rein­gangs, die Ge­samt­an­la­ge ist einst un­gleich mäch­ti­ger. Der Weg führt un­term Wall hin­durch, ist al­so mehr ein Tun­nel, denn ein Tor. Die An­la­ge aus dem 17. Jahr­hun­dert hat 200 Jah­re spä­ter aus­ge­dient. 1896 wird sie ab­ge­tra­gen, aber Bürg­er­wil­le be­wahrt be­sag­te Schau­fass­ade vorm Ab­riss. Erst steht sie im Hof des heu­ti­gen Frau­en­lob-Gym­na­si­ums, ab 1962 dis­kret im Park am Fich­te­platz, be­vor das Tor 1998 in et­wa an den al­ten Stand­ort zu­rück­kehrt. Kaum vor­stell­bar, dass hier einst die Stadt zu En­de ist. Vorm Tor ein Gra­ben­sys­tem, da­vor das Gla­cis – ein frei­es Schuss­feld, das nicht be­baut wer­den darf. Dort wird um 1850 die er­ste gro­ße Frei­zeit­ein­rich­tung im Grü­nen an­ge­legt – der „Pro­me­na­den­weg“ – und nach der Fes­tungs­zeit der An­la­gen­ring; je­ner Park­strei­fen, durch den man vom Rö­mer­wall ober­halb des Bahn­hofs bis zur Sal­va­tors­tra­ße spa­zie­ren kann. Die al­te Fahr­stra­ße, der „Weg um die Stadt“, ist zwi­schen Dru­sus­wall und Rö­mer­wall er­hal­ten. Einst las­sen sich hier die bes­se­ren Herr­schaf­ten im Land­au­er oder im Cou­pé kut­schie­ren, im März 1945 ras­seln die Ket­ten der ame­ri­ka­ni­schen Sher­man-Pan­zer und heu­te sind hier Rad­ler un­ter­wegs. So schön die Ober­stadt­parks sind, so sehr ha­ben sie ge­lit­ten. Vie­le Trep­pen, Mäu­er­chen und Ein­fas­sun­gen sind be­schä­digt, die We­ge löch­rig. Seit 2018 läuft nun die mil­lio­nen­teu­re Er­neue­rung. Auch wenn der Fes­tungs­ring in den 20ern längst auf­ge­ho­ben ist, le­ben die Main­zer in der Alts­tadt (bis zur Gro­ßen Blei­che) ein­ge­zwängt im oft licht­lo­sen und gar nicht ro­man­ti­schen Ge­wirr von Gäs­schen, Hö­fen und Hin­ter­hö­fen. Welch Se­gen ist da das En­de der 20er zwi­schen Fort Eli­sa­beth und Dru­sus­wall ge­bau­te Frei­zeit­ge­län­de mit Turn­platz, Lie­ge­wie­sen, Gär­ten – und rie­si­gem Plansch­be­cken. Som­mers pil­gern einst die Alts­tadt-Kin­der hoch zum „Plan­schi“, wie die Ki­osk-Knei­pe noch heißt, to­ben durchs Was­ser, ge­nie­ßen die Son­ne – auf ei­nem der wich­tigs­ten Or­te Main­zer Sport­ge­schich­te. Denn be­vor das Plan­schi, heu­te Sprüh­feld mit Spiel­platz, ge­baut wird, steht da ei­ne Ra­drenn­bahn, die von ei­ner Sport­le­gen­de be­trie­ben wird: 88er-Mit­be­grün­der Georg Dre­scher (1870-1938), ein Welt­re­kord-Ge­wicht­he­ber, Rin­ger, Schwim­mer und na­tür­lich Rad­sport­ler. Auf dem Zwei­rad wird er Deut­scher und Eu­ro­pa­meis­ter und nimmt an den Olym­pi­schen Spie­len 1900 in Pa­ris teil. Be­ruf­lich han­delt er mit Opel-Fahr­rä­dern, -Näh­ma­schi­nen und -Au­tos in der Rheins­tra­ße 29. Da­zu hat Dre­scher noch Zeit fürs Prä­si­den­ten­amt der Prin­zen­gar­de und ist MCV-Sit­zungs­prä­si­dent. Sport­his­to­risch be­son­ders wich­tig: Im In­nen­raum der Be­ton-Ra­drenn­bahn, de­ren Steil­kur­ven noch in der Bö­schung zu er­ken­nen sein sol­len, spielt bis 1910 auch Mainz 05. Dort holt sich die er­folg­rei­che Elf des Kreuz­ers „Gnei­se­nau“ ei­ne 6:2-Klat­sche ab. 1200 Main­zer fei­ern, aber der war­me Re­gen für die 05er-Kas­se wird zur kal­ten Du­sche: Der Kas­sie­rer brennt mit den Ein­nah­men durch. Fast gleich­zei­tig zum Plansch­be­cken ent­steht am Fich­te­platz die größ­te ein­heit­lich ge­plan­te Wohn­an­la­ge in Mainz. Die Woh­nungs­not ist groß, weil die fran­zö­si­schen Be­sat­zer vie­le Woh­nun­gen brau­chen und die Bau­ka­pa­zi­tä­ten ab­schöp­fen, wäh­rend die Ein­woh­ner­zahl wächst. So strö­men vie­le El­säs­ser und Lo­thrin­ger nach Mainz, auch Ei­sen­bah­ner, die die Reichs­bahn­di­rekt­ion auf­neh­men muss. Die baut da­her ge­mein­sam mit der städ­ti­schen „GmbH zur Er­rich­tung von Klein­woh­nun­gen“ (1962 Wohn­bau) die An­la­ge. Zum Fich­te­platz hin mit ih­ren 27 Ach­sen ei­ne im­po­nie­ren­de An­la­ge, in ih­rem In­ne­ren sehr har­mo­nisch, licht und mit gro­ßen grü­nen Hö­fen. Der Bau­schmuck ist zu­rück­hal­tend, aber mit sehr schö­nen Ak­zen­ten. Der Blick aufs De­tail lohnt. Sehr schön die in­nen lie­gen­de Kreu­zung, de­ren Ge­bäu­de Ni­ko­laus-Be­cker 7/9 und 8/10 so­wie Schne­cken­bur­ger 8 und 10 von den Main­zer Ar­chi­tek­ten Rein­hold Weis­se und Rein­hold Schrei­ner ge­baut wur­den – letz­te­rer Groß­va­ter des Main­zer Ar­chi­tek­ten und CDU-Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten Gerd Schrei­ner. Die Wohn­bau wird ih­re Woh­nun­gen dort sa­nie­ren, wo­bei Alt­mie­ter ge­gen ge­rin­ge Mie­ter­hö­hung woh­nen blei­ben kön­nen. Zie­hen sie aus, wird’s dort teu­er, 12 Eu­ro je Qua­drat­me­ter. Ein­mal mehr ein schö­nes, stadt­na­hes Vier­tel, in dem Leu­te, die güns­ti­ge Mie­ten brau­chen, kei­nen Platz mehr ha­ben wer­den – da­für die neue Main­zer Ha­fen-Mi­schung (Win­ter- und Zoll­ha­fen) aus Selb­stän­di­gen, hö­he­ren An­ge­stell­ten und hö­he­ren Be­am­ten. Dann ist es auch kein Vier­tel mehr, son­dern ein Quar­tier … Wir wen­den uns kopf­schüt­telnd ab und ge­hen zu­rück zum Gau­tor.

 Von Mi­cha­el Ber­mei­tin­ger MAINZ . Mit Grö­ße und bar­ocker Schön­heit be­ein­druckt das Gau­tor auch heu­te noch sei­ne Be­trach­ter, und doch se­hen sie nur den Ab­glanz des ein­sti­gen Fes­tungs­bau­werks. Wer durch die To­röff­nung geht und glaubt, er ha­be „das Gau­tor“ durch­schrit­ten, der irrt. Er pas­siert le­dig­lich die Schmuck­fass­ade des äu­ße­ren To­rein­gangs, die Ge­samt­an­la­ge ist einst un­gleich mäch­ti­ger. Der Weg führt un­term Wall hin­durch, ist al­so mehr ein Tun­nel, denn ein Tor. Die An­la­ge aus dem 17. Jahr­hun­dert hat 200 Jah­re spä­ter aus­ge­dient. 1896 wird sie ab­ge­tra­gen, aber Bürg­er­wil­le be­wahrt be­sag­te Schau­fass­ade vorm Ab­riss. Erst steht sie im Hof des heu­ti­gen Frau­en­lob-Gym­na­si­ums, ab 1962 dis­kret im Park am Fich­te­platz, be­vor das Tor 1998 in et­wa an den al­ten Stand­ort zu­rück­kehrt. Kaum vor­stell­bar, dass hier einst die Stadt zu En­de ist. Vorm Tor ein Gra­ben­sys­tem, da­vor das Gla­cis – ein frei­es Schuss­feld, das nicht be­baut wer­den darf. Dort wird um 1850 die er­ste gro­ße Frei­zeit­ein­rich­tung im Grü­nen an­ge­legt – der „Pro­me­na­den­weg“ – und nach der Fes­tungs­zeit der An­la­gen­ring; je­ner Park­strei­fen, durch den man vom Rö­mer­wall ober­halb des Bahn­hofs bis zur Sal­va­tors­tra­ße spa­zie­ren kann. Die al­te Fahr­stra­ße, der „Weg um die Stadt“, ist zwi­schen Dru­sus­wall und Rö­mer­wall er­hal­ten. Einst las­sen sich hier die bes­se­ren Herr­schaf­ten im Land­au­er oder im Cou­pé kut­schie­ren, im März 1945 ras­seln die Ket­ten der ame­ri­ka­ni­schen Sher­man-Pan­zer und heu­te sind hier Rad­ler un­ter­wegs. So schön die Ober­stadt­parks sind, so sehr ha­ben sie ge­lit­ten. Vie­le Trep­pen, Mäu­er­chen und Ein­fas­sun­gen sind be­schä­digt, die We­ge löch­rig. Seit 2018 läuft nun die mil­lio­nen­teu­re Er­neue­rung. Auch wenn der Fes­tungs­ring in den 20ern längst auf­ge­ho­ben ist, le­ben die Main­zer in der Alts­tadt (bis zur Gro­ßen Blei­che) ein­ge­zwängt im oft licht­lo­sen und gar nicht ro­man­ti­schen Ge­wirr von Gäs­schen, Hö­fen und Hin­ter­hö­fen. Welch Se­gen ist da das En­de der 20er zwi­schen Fort Eli­sa­beth und Dru­sus­wall ge­bau­te Frei­zeit­ge­län­de mit Turn­platz, Lie­ge­wie­sen, Gär­ten – und rie­si­gem Plansch­be­cken. Som­mers pil­gern einst die Alts­tadt-Kin­der hoch zum „Plan­schi“, wie die Ki­osk-Knei­pe noch heißt, to­ben durchs Was­ser, ge­nie­ßen die Son­ne – auf ei­nem der wich­tigs­ten Or­te Main­zer Sport­ge­schich­te. Denn be­vor das Plan­schi, heu­te Sprüh­feld mit Spiel­platz, ge­baut wird, steht da ei­ne Ra­drenn­bahn, die von ei­ner Sport­le­gen­de be­trie­ben wird: 88er-Mit­be­grün­der Georg Dre­scher (1870-1938), ein Welt­re­kord-Ge­wicht­he­ber, Rin­ger, Schwim­mer und na­tür­lich Rad­sport­ler. Auf dem Zwei­rad wird er Deut­scher und Eu­ro­pa­meis­ter und nimmt an den Olym­pi­schen Spie­len 1900 in Pa­ris teil. Be­ruf­lich han­delt er mit Opel-Fahr­rä­dern, -Näh­ma­schi­nen und -Au­tos in der Rheins­tra­ße 29. Da­zu hat Dre­scher noch Zeit fürs Prä­si­den­ten­amt der Prin­zen­gar­de und ist MCV-Sit­zungs­prä­si­dent. Sport­his­to­risch be­son­ders wich­tig: Im In­nen­raum der Be­ton-Ra­drenn­bahn, de­ren Steil­kur­ven noch in der Bö­schung zu er­ken­nen sein sol­len, spielt bis 1910 auch Mainz 05. Dort holt sich die er­folg­rei­che Elf des Kreuz­ers „Gnei­se­nau“ ei­ne 6:2-Klat­sche ab. 1200 Main­zer fei­ern, aber der war­me Re­gen für die 05er-Kas­se wird zur kal­ten Du­sche: Der Kas­sie­rer brennt mit den Ein­nah­men durch. Fast gleich­zei­tig zum Plansch­be­cken ent­steht am Fich­te­platz die größ­te ein­heit­lich ge­plan­te Wohn­an­la­ge in Mainz. Die Woh­nungs­not ist groß, weil die fran­zö­si­schen Be­sat­zer vie­le Woh­nun­gen brau­chen und die Bau­ka­pa­zi­tä­ten ab­schöp­fen, wäh­rend die Ein­woh­ner­zahl wächst. So strö­men vie­le El­säs­ser und Lo­thrin­ger nach Mainz, auch Ei­sen­bah­ner, die die Reichs­bahn­di­rekt­ion auf­neh­men muss. Die baut da­her ge­mein­sam mit der städ­ti­schen „GmbH zur Er­rich­tung von Klein­woh­nun­gen“ (1962 Wohn­bau) die An­la­ge. Zum Fich­te­platz hin mit ih­ren 27 Ach­sen ei­ne im­po­nie­ren­de An­la­ge, in ih­rem In­ne­ren sehr har­mo­nisch, licht und mit gro­ßen grü­nen Hö­fen. Der Bau­schmuck ist zu­rück­hal­tend, aber mit sehr schö­nen Ak­zen­ten. Der Blick aufs De­tail lohnt. Sehr schön die in­nen lie­gen­de Kreu­zung, de­ren Ge­bäu­de Ni­ko­laus-Be­cker 7/9 und 8/10 so­wie Schne­cken­bur­ger 8 und 10 von den Main­zer Ar­chi­tek­ten Rein­hold Weis­se und Rein­hold Schrei­ner ge­baut wur­den – letz­te­rer Groß­va­ter des Main­zer Ar­chi­tek­ten und CDU-Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten Gerd Schrei­ner. Die Wohn­bau wird ih­re Woh­nun­gen dort sa­nie­ren, wo­bei Alt­mie­ter ge­gen ge­rin­ge Mie­ter­hö­hung woh­nen blei­ben kön­nen. Zie­hen sie aus, wird’s dort teu­er, 12 Eu­ro je Qua­drat­me­ter. Ein­mal mehr ein schö­nes, stadt­na­hes Vier­tel, in dem Leu­te, die güns­ti­ge Mie­ten brau­chen, kei­nen Platz mehr ha­ben wer­den – da­für die neue Main­zer Ha­fen-Mi­schung (Win­ter- und Zoll­ha­fen) aus Selb­stän­di­gen, hö­he­ren An­ge­stell­ten und hö­he­ren Be­am­ten. Dann ist es auch kein Vier­tel mehr, son­dern ein Quar­tier … Wir wen­den uns kopf­schüt­telnd ab und ge­hen zu­rück zum Gau­tor.

„Stadt wird we­ni­ger at­trak­tiv für Main­zer“

Ober­stadt-CDU kri­ti­siert Be­bau­ungs­kon­zept der GFZ-Ka­ser­ne – „per­ma­nen­te Ver­dich­tung“

Allgemeine Zeitung, 12. September 2018, OBERSTADT.

Die Ober­staadt-CDU kri­ti­siert das Be­bau­ungs­kon­zept für das Ge­län­de der GFZ-Ka­ser­ne. Der Sie­ger­ent­wurf aus dem Wett­be­werb (die AZ be­rich­te­te) be­deu­te „ei­ne zu star­ke Be­la­stung der Ober­stadt“. Die An­zahl der ge­plan­ten Woh­nun­gen sieht die CDU als zu viel zu hoch an. CDU-Orts­vor­ste­her­kan­di­dat Lud­wig Hol­le macht sich Sor­gen um die kon­ti­nui­er­li­che Ver­dich­tung in Mainz: „Mit der per­ma­nen­ten Ver­dich­tung ma­chen wir die Stadt we­ni­ger at­trak­tiv für die Main­zer, die hier schon le­ben und zwin­gen Neu­bür­ger in Wohn­ge­bie­te, die nicht den Wün­schen der Men­schen ent­spre­chen.“ Der Sie­ger­ent­wurf ent­hal­te aber auch ei­ni­ge gu­te und wich­ti­ge Ge­dan­ken. So sei es zu be­grü­ßen, dass die Bü­ro- und For­schungs­ge­bäu­de ent­lang der Stra­ße lie­gen und das Wohn­ge­biet vom Lärm ab­schirm­ten. Auch sei es gut, ei­nen zen­tra­len Quar­tier­splatz und auch end­lich ei­ne neue Orts­ver­wal­tung vor­zu­se­hen. Doch be­fürch­tet Frak­ti­ons­che­fin Ale­xan­dra Ge­urts, dass „auch mit die­sem Kon­zept die Fa­mi­li­en wie­der zu kurz kom­men wer­den“. Denn an­spre­chen­de Grund­stü­cke für Haus und Gar­ten zu be­zahl­ba­ren Prei­sen wer­de es nicht ge­ben. CDU-Land­tags­ab­geord­ne­ter Gerd Schrei­ner er­gänz­te: „Ich fah­re an dem Ge­län­de täg­lich vor­bei und fän­de es viel sinn­vol­ler, wenn die Grund­stü­cke di­rekt an die Men­schen ver­kauft wür­den, die dort spä­ter woh­nen wol­len. Aber jetzt wer­den sie wohl erst noch durch die Hän­de meh­re­rer städ­ti­scher Ge­sell­schaf­ten und In­ves­to­ren ge­hen, die da­bei auch noch Geld ver­die­nen wol­len und die Prei­se in die Hö­he trei­ben.“ Die CDU ver­weist auch auf die In­te­res­sen des Bio­tech­no­lo­gie­un­ter­neh­mens Bi­oN­Tech, das in dem Vier­tel be­hei­ma­tet ist und wei­ter ex­pan­die­ren wol­le.

Land: Un­se­re Brü­cken sind si­cher

VER­KEHR: Mi­nis­ter Wiss­ing: Sa­nie­rung ei­ne „Jahr­hun­dert­auf­ga­be“ / Op­po­si­ti­on: Wann wird Aus­bau der A 643 be­an­tragt?

Allgemeine Zeitung, 24. August 2018, Mar­kus Lach­mann, MAINZ.

Noch ist nicht klar, was ge­nau die Brü­cke bei Ge­nua zum Ein­sturz ge­bracht hat. Al­ler­dings stam­men auch in Rhein­land-Pfalz, ähn­lich wie die ita­lie­ni­sche Au­to­bahn­brü­cke, vie­le Bau­wer­ke aus den 60er- oder 70er-Jah­ren. Ver­kehrs­mi­nis­ter Vol­ker Wiss­ing (FDP) sag­te am Don­ners­tag im Land­tag, es sei ei­ne „Jahr­hun­dert­auf­ga­be“, die Brü­cken für die künf­ti­gen Her­aus­for­de­run­gen fit zu ma­chen. Und er gab Ent­war­nung: „Al­le Brü­cken in Rhein­land-Pfalz sind für den Ver­kehr ge­eig­net, stand­fest und ge­nü­gen den An­for­de­run­gen.“

Al­ler­dings hat nicht je­de der rund 7500 Brü­cken, über die der Lan­des­be­trieb Mo­bi­li­tät wacht (Bun­des-, Lan­des-, und Kreis­brü­cken), ei­ne gu­te No­te. 376 da­von sind in ei­nem nicht aus­rei­chen­den oder un­ge­nü­gen­den Zu­stand. Wiss­ing be­ton­te al­ler­dings, dass ei­ne schlech­te No­te nicht au­to­ma­tisch Rück­schlüs­se auf die Si­cher­heit der Brü­cke zu­las­se. So kön­ne auch ein schlech­ter Zu­stand des Brü­cken­ge­län­ders zu ei­ner schlech­ten Be­wer­tung füh­ren.

Un­ter­sucht wer­den die Bau­wer­ke von sie­ben Brü­cken­prüf­trupps des Lan­des­be­triebs mit ins­ge­samt 17 Mit­ar­bei­tern. Bei Be­darf wer­den auch ex­ter­ne Spe­zi­a­lis­ten hin­zu­ge­holt. Al­le drei Jah­re wird ei­ne Brü­cke un­ter­sucht. Ei­ne gro­ße In­spek­ti­on er­folgt al­le sechs Jah­re. CDU-Land­tags­frak­ti­ons­chef Chris­ti­an Bal­dauf for­der­te die Re­gie­rung auf, vor­aus­schau­en­der zu pla­nen: „Wir brau­chen ei­ne Prio­ri­tä­ten­lis­te für Brü­cken­sa­nie­run­gen.“ Frak­ti­ons­kol­le­ge Gerd Schrei­ner (CDU) hin­ter­frag­te den ge­plan­ten Stra­ßen­bau­etat der Lan­des­re­gie­rung. Die­ser soll von der­zeit 121 Mil­lio­nen Eu­ro auf 124 Mil­lio­nen im kom­men­den und 126 Mil­lio­nen im da­rauf­fol­gen­den Jahr stei­gen. Setzt man die Bau­preis­stei­ge­run­gen der ver­gan­ge­nen Jah­re an (et­was mehr als fünf Pro­zent), wächst der Etat prak­tisch nicht. Wiss­ing sag­te in­des, der von der Re­gie­rung vor­ge­schlag­ene Be­trag sei aus­rei­chend und wer­de dem „Be­darf voll ge­recht“.

Mi­nis­ter: Wir ar­bei­ten mit Hoch­druck am A643-Aus­bau

Auch zum sechs­spu­ri­gen Aus­bau der Au­to­bahn 643 zwi­schen Mainz-Mom­bach und -Gon­sen­heim hat die Op­po­si­ti­on Fra­gen an den Mi­nis­ter. Hat­te des­sen Sprech­erin vor we­ni­gen Wo­chen noch er­klärt, der An­trag für die Plan­fests­tel­lung wer­de vor­aus­sicht­lich noch in die­sem Jahr ein­ge­reicht, so woll­te sich Wiss­ing nun nicht mehr auf ei­nen kon­kre­ten Zeit­punkt fest­le­gen. Er wies al­ler­dings Kri­tik zu­rück, in sei­nem Mi­nis­te­ri­um wür­de nicht Tem­po ge­macht. „Es wird mit Hoch­druck da­ran ge­ar­bei­tet.“ Dem CDU-Ab­ge­ord­ne­ten Gerd Schrei­ner reicht das nicht. „Herr Wiss­ing muss auf­hö­ren, Wor­te zu drech­seln, son­dern er muss end­lich mal lie­fern.“

Schon seit 2005 war klar, dass die Schiers­tei­ner Brü­cke neu ge­baut wer­den muss. 2015 ver­sprach der da­ma­li­ge Ver­kehrs­mi­nis­ter Ro­ger Le­wentz (SPD), 2016 die Plan­fests­tel­lung für die A 643 zu be­an­tra­gen. Nun be­fin­den wir uns in der zwei­ten Jah­res­hälf­te 2018.

ZAH­LEN

Der Zu­stand der Lan­des- und Kreis­brü­cken in Rhein­land-Pfalz ist laut Re­gie­rung in et­wa mit an­de­ren Bun­des­län­dern ver­gleich­bar. So lie­ge die Durch­schnitts­no­te der Lan­des­brü­cken, be­zo­gen auf die Flä­che, in Rhein­land-Pfalz bei 2,25. In Ba­den-Würt­tem­berg bei 2,34.


Ver­zö­ge­rung we­gen Per­so­nal­man­gels?

GFZ-KA­SER­NE: Gro­den-Kra­nich kon­tert Kö­bler

Allgemeine Zeitung, 16. Juli 2018, MAINZ.

Die Main­zer Bun­des­tags­ab­geord­ne­te Ur­su­la Gro­den-Kra­nich (CDU) re­la­ti­viert die Aus­sa­gen von Da­ni­el Kö­bler (Grü­ne) zur GFZ-Ka­ser­ne: Die­se sei­en „mehr als lü­cken­haft und es ist kein gu­ter Po­li­tik­stil, nur Tei­le der Aus­sa­gen der Lan­des­re­gie­rung zu zi­tie­ren“, er­klärt sie. Auch sie ha­be ei­nen Brief von Fi­nanz­mi­nis­te­rin Do­ris Ah­nen zum ak­tu­el­len Sach­stand er­hal­ten. „Hier räumt Frau Ah­nen ein, dass es aus ver­schie­de­nen Grün­den zwi­schen En­de 2014 bis 2016 zu per­so­nel­len Eng­päs­sen und da­mit zu ei­ner da­raus re­sul­tie­ren­den Ver­zö­ge­rung in den Pro­jek­ten der Bun­des­wehr ge­kom­men ist“, so Gro­den-Kra­nich. Hier­durch hät­ten erst zwi­schen Au­gust und De­zem­ber 2017 dem Bund die Bau­un­ter­la­gen zur Prü­fung und Ge­neh­mi­gung vor­ge­legt wer­den kön­nen. Ah­nen ver­wei­se da­rauf, „dass die nun durch­zu­füh­ren­den mehrs­tu­fi­gen Prüf- und Ge­neh­mi­gungs­ver­fah­ren sei­tens des Bun­des ent­spre­chen­de Prüf­zei­ten in An­spruch neh­men und dass noch nicht zu al­len gro­ßen Baum­aß­nah­men ab­schlie­ßen­de Prüf­ver­mer­ke vor­lie­gen.“

Auch der Main­zer Land­tags­ab­geord­ne­te Gerd Schrei­ner (CDU) be­stä­tigt das: „In der Ant­wort auf mei­ne An­fra­ge an die Lan­des­re­gie­rung ver­weist das Mi­nis­te­ri­um der Fi­nan­zen bei fast je­dem Bau­vor­ha­ben auf ei­nen ,ge­plan­ten Bau­be­ginn bei stö­rungs­frei­em Pro­jekt­ver­lauf’.“ Auch müss­ten bei öf­fent­li­chen Ver­ga­ben durch den Lan­des­be­trieb Lie­gen­schafts- und Bau­be­treu­ung (LBB) ent­spre­chen­de Fri­sten ein­ge­hal­ten wer­den. Staats­se­kre­tär Dr. Ste­phan Wein­berg er­klär­te au­ßer­dem, dass auch auf­grund der gu­ten Bau­kon­junk­tur Pro­ble­me da­bei auf­tre­ten kön­nen, über­haupt ge­eig­ne­te Bau­un­ter­neh­men für die Durch­füh­rung der Ar­bei­ten zu fin­den.

„Un­ter die­sen bei­den Ge­sichts­punk­ten ist nicht ver­wun­der­lich, dass die Bun­des­wehr spä­te­re Pla­nun­gen für den Um­zug in die Kur­mainz­ka­ser­ne an­ge­setzt hat“, zei­gen die bei­den Ab­ge­ord­ne­ten Ver­ständ­nis.

CDU in Kampf­lau­ne

Allgemeine Zeitung, 9. Juni 2018, MAINZ.


Gue­ril­la-Ak­ti­on der CDU

GOLD­GRU­BE: Wie die Christ­de­mo­kra­ten früh­mor­gens auf ih­re Sicht in der Rad­weg-De­bat­te auf­merk­sam ma­chen

Allgemeine Zeitung, 6. Juni 2018, Mi­ka En­gel­hardt und Ale­xan­dra Ei­sen, OBERSTADT.

Kurz nach 8 Uhr herrscht am Mon­tag auf der Kreu­zung An der Gold­gru­be/Hechts­hei­mer Stra­ße re­ger Be­rufs­ver­kehr. Au­tos, Bus­se und Rad­ler kämp­fen sich vor­wärts. Und mit­ten­drin ei­ni­ge Män­ner in ne­on-oran­ge­nen Warn­wes­ten mit ei­ner Mis­si­on. Sie schie­ben am Rand der Fahr­bahn ei­nen Krei­de­wa­gen hin und her und zie­hen auf bei­den Sei­ten ih­re ei­ge­nen Li­ni­en.

Es ist ei­ne Gue­ril­la-Ak­ti­on in Sa­chen „Kampf ge­gen den ge­plan­ten Fahr­rad-Schutz­strei­fen“. Mit­glie­der der CDU Ober­stadt wol­len zei­gen, dass die­ser Plan von Ver­kehrs­de­zer­nen­tin Ka­trin Eder (Grü­ne) nicht funk­tio­nie­ren kann und vor al­lem für die Rad­ler ge­fähr­lich ist.

Die Christ­de­mo­kra­ten Gerd Schrei­ner und Lud­wig Hol­le ha­ben die Brei­te des Fahr­rads­trei­fens ex­akt mit dem Zoll­stock ab­ge­mes­sen. 1,5 Me­ter plus 0,5 Me­ter Ab­stand zum Bord­stein. Dann kommt das Krei­de­wä­gel­chen ins Spiel, das ih­nen ein rhein­hes­si­scher Sport­ver­ein zur Ver­fü­gung ge­stellt hat. Knapp 40 Me­ter Rads­trei­fen le­gen sie so zu bei­den Sei­ten der Gold­gru­be zwi­schen Welsch- und Ernst-Neeb-Stra­ße an.

So sehr man den Män­nern auch den Spaß an die­ser un­ge­wöhn­li­chen Ak­ti­on an­merkt, so ernst ist für sie doch der Hin­ter­grund. „Wir hof­fen, dass sich die Stadt noch ein­mal Ge­dan­ken macht über ihr Kon­zept und Al­ter­na­ti­ven prüft, da­mit es si­che­rer wird für die Rad­fah­rer“, sagt Hol­le. Denn die ge­plan­te Ver­le­gung des Rad­ver­kehrs auf die Stra­ße mit­tels Schutz­strei­fen ist für die CDU ei­ne Va­ri­an­te, die Rad­ler ge­fähr­det (die AZ be­rich­te­te mehr­fach).

Der al­te Fahr­rad­weg zwi­schen Ebers­hei­mer Weg und Hechts­hei­mer Stra­ße ist auf­grund von Baum­wur­zeln nicht mehr be­fahr­bar. Vor­schlag der Christ­de­mo­kra­ten: Den al­ten Rad­weg er­hal­ten und ver­brei­tern. Da­mit blie­be für Au­tos und Bus­se auf der Fahr­bahn mehr Platz. Bei dem von der Stadt be­vor­zug­ten Schutz­strei­fen kä­men Au­tos und Bus­se kaum an­ein­an­der vor­bei, so­bald ein Rad­ler den Strei­fen nutzt. Die Fahr­bahn hät­te dann nur noch ein Brei­te von fünf Me­tern. „Be­son­ders die Bus­se müss­ten bei die­sem Plan weit über den Mit­tel­strei­fen fah­ren, um den Rad­fahr­ern nicht in die Que­re zu kom­men – der Ver­kehr wird blo­ckiert“, be­fürch­tet Hol­le.

Der Pra­xis­test am Mor­gen mit dem Krei­de­strich zeigt: Die meis­ten Au­to­fah­rer ig­no­rie­ren ihn. Aber ei­ni­ge Bus­se be­ach­ten den „il­le­ga­len“ Rad­weg und fah­ren tat­säch­lich über den Mit­tel­strei­fen. Die Ak­ti­on hat­te aber noch ein wei­te­res Er­geb­nis: „Uns ist erst heu­te be­wusst ge­wor­den, dass die von der Stadt au­ßer­dem ge­plan­ten Park­ta­schen zwi­schen Bür­gers­teig und Schutz­strei­fen die Sicht be­hin­dern wür­den, wenn Au­tos in die Gold­gru­be ein­fah­ren woll­ten“, sagt Gerd Schrei­ner. Auch dies sei ei­ne Ge­fahr für die Rad­ler.

Die Gue­ril­la-Ak­ti­on, die im Vor­aus nicht bei der Stadt an­ge­mel­det war, hat­te für Schrei­ner und Hol­le den er­wünsch­ten Ef­fekt. Der Krei­de­strich wird spä­tes­tens mit dem näch­sten Re­gen wie­der ver­schwun­den sein. Aber die Dis­kuss­ion in der Ober­stadt wird wei­ter­ge­hen.