3324 Eu­ro pro Qua­drat­me­ter

BI­BEL­TURM: Stadt legt Be­rech­nung der Bau­kos­ten vor / Plau­si­ble Zah­len laut Ar­chi­tek­ten

Allgemeine Zeitung, 11. April 2018, Paul Lassay, MAINZ.

Nach wie­der­hol­ten For­de­run­gen un­ter an­de­rem durch Ver­tre­ter der Geg­ner-BI und der ÖDP hat die Stadt die Kos­ten­be­rech­nung für den Bi­bel­turm nach DIN 276 des Ar­chi­tek­tur­bü­ros DFZ nun den Stadt­rats­frak­tio­nen vor­ge­legt. Auf­ge­führt sind dort die Kos­ten für das Bau­werk so­wie für die tech­ni­schen An­la­gen. Ins­ge­samt kom­men die DFZ-Ar­chi­tek­ten so in­klu­si­ve der Brands­chutz­maß­nah­men auf Ge­samt­kos­ten von 5,2 Mil­lio­nen Eu­ro brut­to – al­ler­dings oh­ne die Kos­ten für die Au­ßen­an­la­gen, da die­se nicht Teil der Hoch­baum­aß­nah­men sei­en, wie es im Be­gleit­schrei­ben des Ober­bürg­er­meis­ters heißt.

Bei der Ar­chi­tek­ten­kam­mer Rhein­land-Pfalz hält man die Kos­ten­be­rech­nung für den er­sten Bau­ab­schnitt un­ter Vor­be­halt auf­grund nicht be­kann­ter Mas­sen für so­li­de. „Das passt“, sagt Ge­schäfts­füh­re­rin An­net­te Mül­ler, die in der Pro-Bi­bel­turm-Ini­tia­ti­ve ak­tiv ist. Nach den Da­ten des Deut­schen Bau­kos­ten­in­for­ma­ti­ons­zen­trums lie­gen die durch­schnitt­li­chen Kos­ten bei kul­tu­rel­len Bau­ten wie Mu­se­en bei 2230 Eu­ro pro Qua­drat­me­ter. Der Bi­bel­turm wür­de laut den Be­rech­nun­gen von DFZ mit 3324 Eu­ro pro Qua­drat­me­ter Brut­to­ge­schoss­flä­che am obe­ren En­de der Span­ne lie­gen, in der sich die Bau­ten üb­li­cher­wei­se be­we­gen.

Auch Ar­chi­tek­ten, die dem Bau­pro­jekt kri­tisch ge­gen­über­ste­hen, hal­ten die Be­rech­nun­gen durch­aus für plau­si­bel – auch wenn das Feh­len der Kos­ten für die Um­le­gung von Lei­tun­gen im Un­ter­grund so­wie je­ne für die Her­stel­lung der Au­ßen­flä­chen mo­niert wird. Der Ar­chi­tekt Gerd Schrei­ner bleibt der­weil skep­tisch, ob man den ar­chi­tek­to­ni­schen An­spruch, der for­mu­liert und durch die Vi­su­ali­sie­run­gen trans­por­tiert wer­de, mit den zur Ver­fü­gung ste­hen­den Mit­teln rea­li­sie­ren kön­ne. Schließ­lich blei­be un­ter an­de­rem die Fra­ge des Fass­aden-Ma­te­ri­als wei­ter un­ge­klärt.

„Um je­de Stim­me kämp­fen“

BI­BEL­TURM: Be­für­wor­ter-BI läu­tet End­spurt ein / Neue Pla­ka­te und Turm-Slam

Allgemeine Zeitung, 5. April, 2018, Paul Lassay, MAINZ.

Hoff­nung. Das Wort schwebt über der Pres­se­kon­fe­renz des Freun­des­krei­ses für Gu­ten­berg. Hoff­nung da­rauf, dass das Kon­zept des Bi­bel­turms auf­geht, sich Spen­den, För­der­gel­der und ei­ne neue Trä­ger­schaft für das Gu­ten­berg-Mu­se­um fin­den las­sen. Hoff­nung da­rauf, dass die Ar­gu­men­te ver­fan­gen und Hoff­nung, dass es am 15. April reicht. Dass ge­nug Main­zer mit „Ja“ stim­men. Sie­ges­ge­wiss­heit sucht man da­ge­gen ver­ge­bens. „Es ist klar, dass wir um je­de Stim­me kämp­fen müs­sen“, sagt Hen­ning von Vier­eg­ge, der Spre­cher der Bürg­er­ini­tia­ti­ve für den Bi­bel­turm. „Es wird sehr eng.“

Ar­gu­men­te in 15 Fak­ten­checks ge­bün­delt

Ein gro­ßes Pro­blem des Bau­pro­jekts sei, dass „je­de Sün­de der Stadt Mainz“ an den Turm ge­hängt wer­de – und dies von den Geg­nern „gna­den­los aus­ge­nutzt“ wer­de. „Da gibt es ei­nen Auf­marsch des Po­pu­lis­mus“, sagt von Vier­eg­ge. Die Be­für­wor­ter hät­ten die bes­se­ren Ar­gu­men­te, ge­wän­nen an den Stän­den an Zu­stim­mung, aber es sei nicht klar, wie vie­le Men­schen sie da­mit er­reich­ten. Ne­ben den Sach­ar­gu­men­ten, die sie in Fak­ten­checks zu 15 The­men von „Bäu­men“ über „Platz­ge­stal­tung“ bis „Fi­nan­zie­rung“ und „Fass­ade“ ge­bün­delt ha­ben, wol­len die Turm­freun­de im End­spurt aber auch auf der emo­tio­na­len Ebe­ne im Stadt­bild wer­ben. Pla­ka­te mit Fo­tos be­kann­ter und we­ni­ger be­kann­ter Main­zer, die ein Mo­dell des Bi­bel­turms in die Ka­me­ra hal­ten, sol­len der Turm-Un­ter­stüt­zung Ge­sich­ter ge­ben. 150 Por­träts hat Mar­kus Kohz da­für seit Ja­nu­ar be­reits an­ge­fer­tigt, die zu­nächst nur für die Kam­pag­ne im In­ter­net ge­dacht wa­ren. Nun ha­be man sich aber ent­schlos­sen, sie auch auf der Stra­ße zu prä­sen­tie­ren. Für den Wahl­kampf im Netz gibt es der­weil ei­nen neu­en Er­klär­film, der die Grund­zü­ge des Bi­bel­turm-Pro­jekts dar­le­gen soll.

Die Hoff­nungs­lo­sig­keit, wie sie von den Geg­nern kom­mu­ni­ziert wer­de, sei kei­ne Per­spek­ti­ve, sagt von Vier­eg­ge. „Wir set­zen auf Hoff­nung und ei­ne Po­li­tik, die ih­ren Job macht.“ Dass es ih­nen von­sei­ten der Geg­ner zum Vor­wurf ge­macht wür­de, dass sie Kom­pe­tenz und Ex­per­ten in ih­ren Rei­hen hät­ten, fin­de er hoch­pro­ble­ma­tisch.

Die Bürg­er­ini­tia­ti­ve ge­hö­re zur Zi­vil­ge­sell­schaft und müs­se sich auf die Zu­sa­gen der Po­li­tik ver­las­sen. Und doch wer­de man auch nach dem 15. April „nicht in Tief­schlaf fal­len. Wenn der Turm ge­baut wird, wer­den wir wei­ter Druck ma­chen.“

Deut­li­che Kri­tik an Kos­ten­rech­nung der Geg­ner

Ein Pro­blem in der Aus­ein­an­der­set­zung sei, dass „al­les, was das Mu­se­um oder die Stadt sa­gen, an­ge­zwei­felt wird“, kri­ti­siert Tho­mas Dang. Im­mer wie­der wür­den die Kos­ten des er­sten Bi­bel­turms an­ge­zwei­felt, ob­wohl es ei­ne Kos­ten­auf­stel­lung ge­be, wie es an die­sem Punkt in ei­nem Bau­ver­fah­ren üb­lich sei. „Ich weiß nicht, was die Stadt noch ma­chen soll.“ Den Schät­zun­gen des Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten Gerd Schrei­ner (CDU), der die Fi­nan­zie­rung jüngst deut­lich in Zwei­fel ge­zo­gen hat­te, wi­der­spricht der Ar­chi­tekt ent­schie­den. Die Bau­kos­ten, die der fi­nanz­po­li­ti­sche Spre­cher der CDU-Frak­ti­on ge­nannt ha­be, sei­en mehr als dop­pelt so hoch wie üb­lich. Aus sei­ner ei­ge­nen Er­fah­rung, un­ter an­de­rem mit dem Bau der Kunst­hal­le am Zoll­ha­fen, hal­te er die Kos­ten­be­rech­nung sei­ner Ham­bur­ger Kol­le­gen für rea­lis­tisch. „Man kann sich von der Ver­wal­tung nicht je­den Fe­ders­trich vor­le­gen las­sen“, er­gänzt An­net­te Mül­ler. Die­je­ni­gen, die das Pro­jekt ge­tra­gen hät­ten, müss­ten sich am En­de auch po­li­tisch da­für ver­ant­wor­ten. An­ge­sichts der Ge­rüch­te von stän­dig stei­gen­den Bau­kos­ten bei öf­fent­li­chen Pro­jek­ten ge­he zu­dem un­ter, dass die Stadt zu­letzt Ki­tas und Schu­len für 240 Mil­lio­nen Eu­ro ge­baut ha­be und da­bei voll im Kos­ten- und Ter­min­rah­men ge­blie­ben sei.

In den letz­ten Ta­gen vor dem Bürg­er­ent­scheid ge­he es nun da­rum, ei­ne Bla­ma­ge für die Stadt zu ver­hin­dern, fasst Jo­han­nes Stru­gal­la, ei­ner der Spre­cher der BI, die Ge­fühls­la­ge zu­sam­men. „Wenn die­se Chan­ce ver­passt wird, wird das Mu­se­um um Jahr­zehn­te zu­rück­ge­wor­fen.“

BI­BEL­TURM-SLAM

Am Mon­tag, 9. April, lädt die Bürg­er­ini­tia­ti­ve Mainz für Gu­ten­berg um 19 Uhr zu ei­nem Bi­bel­turm-Slam in den Frank­fur­ter Hof. Nach ei­ner Ein­füh­rung des Ka­bar­et­tis­ten Lars Rei­chow und ei­nem kur­zen Vor­trag des Main­zer Ar­chi­tek­tur-Pro­fes­sors Mat­thi­as Mül­ler wer­den die Di­rekt­orin des Gu­ten­berg-Mu­se­ums, Dr. An­net­te Lud­wig, De­zer­nen­tin Ma­ri­an­ne Gros­se, der Ar­chi­tekt des Bi­bel­turm-Ent­wurfs Ste­phen Kausch und Hans-Pe­ter Betz in sechs­mi­nü­ti­gen Slams er­klä­ren, wa­rum der Bi­bel­turm aus ih­rer Sicht ge­baut wer­den soll­te. Ein­lass ist be­reits ab 17.45 Uhr.

„Das Ding ist nicht ent­schei­dungs­reif“

BI­BEL­TURM: Bei In­fo-Ver­an­stal­tung der Turm-Geg­ner nimmt Fi­nanz­po­li­ti­ker Gerd Schrei­ner das Fi­nanz­kon­zept ins Vi­sier

Allgemeine Zeitung, 31. März 2018, Paul Las­say, MAINZ.

Am An­fang ver­zieht Gerd Schrei­ner ein­mal das Ge­sicht. Als ei­ner der „Stars“ des Abends wird er von Mo­de­ra­tor Vol­ker An­gres an­ge­kün­digt. Das scheint ihm dann doch et­was viel. Aber mit sei­nem Auf­tritt als Ex­per­te wird der CDU-Land­tags­ab­geord­ne­te zu ei­ner wich­ti­gen Stim­me in den letz­ten Wo­chen vor der Bi­bel­turm-Ab­stim­mung. Bis­her eher am Rand der De­bat­te, drängt er nun ins Zen­trum.

Als Ar­chi­tekt kann Schrei­ner dem Turm et­was ab­ge­win­nen

Da­bei ist Schrei­ners Ab­leh­nung des Turms nicht so ab­so­lut, wie die der an­de­ren Ex­per­ten auf dem Po­di­um. Ne­ben ihm sit­zen dort CDU-Ur­ge­stein Jo­han­nes Gers­ter, Clau­di­us Mo­se­ler von der ÖDP und Hart­mut Fi­scher vom Rhei­ni­schen Ver­ein für Denk­mal­pfle­ge und Land­schafts­schutz. Wäh­rend die drei den Turm mehr oder we­ni­ger kom­plett ab­leh­nen, hat Schrei­ner als Ar­chi­tekt durch­aus et­was für ihn üb­rig. „Das kann man schon so ma­chen, wenn man das Mu­se­um aus sei­ner E­cke ho­len möch­te“, kom­men­tiert er ein Bild des Bi­bel­turm-Ent­wurfs aus dem Wett­be­werb. Doch sei nun ja nicht mehr ein Bü­cher­turm aus dem Wett­be­werb ge­plant, son­dern der ge­schloss­ene Bi­bel­turm. Und über­haupt be­zweif­le er, dass es ne­ben dem Rö­mi­schen Kai­ser ei­nen „Eye Cat­cher“, wie es im Aus­schrei­bungs­text heißt, eben ei­nen Blick­fang brau­che. Rich­tig in Fahrt kommt der haus­halt­spo­li­ti­sche Spre­cher der CDU-Land­tags­frak­ti­on aber erst, wenn es um Zah­len geht, um Kos­ten­rech­nun­gen – oder ge­nau­er: das Feh­len der­sel­ben. Ei­ne de­tail­lier­te Auf­stel­lung der Kos­ten ha­be er noch nicht ge­se­hen. „Als Ar­chi­tekt spre­che ich nur von durch­fi­nan­ziert, wenn ich Kos­ten­be­rech­nun­gen ha­be für die ein­zel­nen Bau­tei­le und Maß­nah­men.“ Al­les, was es beim Bi­bel­turm ge­be, sei die Ga­ran­tie der Ar­chi­tek­ten, dass sie ih­ren Ent­wurf für das zur Ver­fü­gung ste­hen­de Geld rea­li­sie­ren könn­ten. Dies hät­ten sie im Rah­men des Wett­be­werbs mit ih­rer Un­ter­schrift ver­si­chert. „Aber sie ha­ben die Kos­ten für et­was ga­ran­tiert, das gar nicht ge­baut wird“, kri­ti­siert Schrei­ner. Schließ­lich ha­be sich der Ent­wurf deut­lich ver­än­dert. Au­ßer­dem spre­che man beim Bi­bel­turm von et­wa 5000 Ku­bik­me­tern um­bau­tem Raum mit ei­ner so­ge­nann­ten wei­ßen Wan­ne, al­so ei­ner was­ser­un­durch­läs­si­gen un­ter­ir­di­schen Kons­truk­ti­on, und ei­ner be­son­de­ren Fass­ade. Neh­me man an, es stün­den fünf Mil­lio­nen Eu­ro für den rei­nen Bi­bel­turm zur Ver­fü­gung, hät­te man 1000 Eu­ro pro Ku­bik­me­ter. „Da­für kön­nen Sie ein Ein­fa­mi­li­en­haus bau­en – aber nicht un­ter­ir­disch und nicht mit hoch­wer­ti­ger Fass­ade.“ Ins­be­son­de­re bei letz­te­rer sei voll­kom­men un­klar, aus wel­chem Ma­te­ri­al und zu wel­chen Kos­ten sie ge­stal­tet wer­den soll­te.

Zu­dem sei es nicht so, dass das Land nur da­rauf war­te, der Stadt Mainz wei­te­res Geld für ein Mu­se­um zu be­wil­li­gen, wäh­rend ge­ra­de für 44 Mil­lio­nen das Ar­chäo­lo­gi­sche Zen­trum ge­baut wer­de. Part­ner wie den Bund oder das Land müs­se man ein­bin­den, be­vor man an­fan­ge zu bau­en, nicht hin­ter­her. Auch das Ar­chäo­lo­gi­sche Zen­trum se­he nach der Ein­bin­dung des Lan­des deut­lich an­ders aus, als zu­nächst ge­plant. „Das Ding ist ein­fach nicht ent­schei­dungs­reif. Be­vor man nicht die Fi­nan­zie­rung hat, kann man nicht bau­en“, schließt Schrei­ner sei­nen Vor­trag ab.

„Jetzt müs­sen wir erst­mal durch­at­men“, sagt Mo­de­ra­tor An­gres. Und das gilt auch für die Bi­bel­turm-Be­für­wor­ter, die mit ih­ren But­tons gut er­kenn­bar auch zahl­reich im Haus am Dom ver­tre­ten sind. Im­mer wie­der stel­len sie kri­ti­sche Zwi­schen­fra­gen. Wa­rum sind kei­ne Ex­per­ten der Be­für­wor­ter-Sei­te ge­la­den wor­den? Macht der Turm nicht nur ei­nen klei­nen Teil des Lieb­frau­en­plat­zes aus? Funk­tio­niert mo­der­ne Ar­chi­tek­tur an an­de­ren Stel­len nicht auch ganz wun­der­bar ne­ben al­ten Bau­wer­ken? Zwi­schen­zeit­lich kocht die Dis­kuss­ion da­durch ziem­lich hoch, wo­bei mit Jo­han­nes Stru­gal­la auch ein Spre­cher der BI für den Bi­bel­turm die In­for­ma­ti­ons­po­li­tik der Stadt kri­ti­siert. Das Kon­zept des ZDF-Mo­de­ra­tors, die Be­su­cher mit vier The­sen zu den un­ter­schied­li­chen The­men­blö­cken „raus in die Wein­stu­ben“ zu schi­cken, geht nicht auf. Der Ver­such, für den Punkt Ar­chi­tek­tur das Stich­wort „Zu­sam­men­spiel“ all­ge­mein fest­zu­hal­ten, geht mehr oder we­ni­ger un­ter – in Ge­grum­mel und un­zu­frie­de­nen Wort­mel­dun­gen.

Der Riss durch die CDU

BI­BEL­TURM: Rat­haus-Frak­ti­on da­für, vie­le an Ba­sis da­ge­gen / Alts­tadt-CDU und JU sa­gen Nein

Allgemeine Zeitung, 23. März 2018, Ca­ri­na Schmidt, Paul Las­say und Mi­cha­el Ber­mei­tin­ger, MAINZ.

Die Mei­nung der CDU zum Bi­bel­turm scheint klar. Zu­min­dest die der Stadt­rats­frak­ti­on. Sie will, dass er ge­baut wird.

Doch au­ßer­halb der Rat­haus-CDU wa­ckelt die Front: Der Stadt­be­zirk Alts­tadt er­klär­te, dass er den Bau ab­lehnt, und eben­so sagt die Jun­ge Uni­on „Nein“ zum Turm. Auch ei­ne vom Kreis­ver­band mit den Am­pel-Par­tei­en ver­ein­bar­te Fly­er-Ak­ti­on soll an der Ba­sis auf we­nig Ge­gen­lie­be ge­sto­ßen sein, heißt es aus In­si­der-Krei­sen. Auf ei­ne An­fra­ge an die Stadt­be­zir­ke, wer wie vie­le Pro-Bi­bel­turm-Zet­tel in die Brief­käs­ten ste­cken will, ha­be nur Hart­en­berg-Münch­feld ei­ne po­si­ti­ve Rück­mel­dung ge­ge­ben.

Skep­ti­sche Kom­men­ta­re und Bei­fall für die Turm-Geg­ner

Das Bild vom Riss durch die Par­tei wird da­durch ab­ge­run­det, dass CDU-Leu­te in den so­zia­len Netz­wer­ken skep­ti­sche Kom­men­ta­re ab­ge­ben oder den Geg­nern mehr oder min­der of­fen ap­plau­die­ren. Und es sind nicht die Un­wich­tigs­ten.

„Cha­pe­au!“ schrieb et­wa Kreis­vor­sit­zen­de Sa­bi­ne Fle­gel auf der Fa­ce­book-Sei­te der Bi­bel­turm-Geg­ner un­ter ei­nen Film, in dem vie­le Main­zer Po­si­ti­on ge­gen den Turm er­grei­fen. „Cha­pe­au!“, al­so so viel wie „Hut ab!“ – aber da­mit will sie nicht die BI-Po­si­ti­on ge­meint ha­ben, son­dern nur die Ma­chart des Films. „Er ist be­ein­druckend gut ge­macht, ob­wohl Lai­en am Werk wa­ren“, so die CDU-Che­fin, die im Stadt­rat dem Turm ihr „Ja“ ge­ge­ben hat. Zwei­fel am Be­schluss? Kei­nes­falls.

Da­zu, dass nur Hart­en­berg-Münch­feld be­reit ge­we­sen sein soll, Pro-Fly­er zu ver­tei­len, sagt sie: „Das stimmt so nicht“ – oh­ne zu sa­gen, wer mit­ma­chen will. Dass es we­gen der Fly­er-Ak­ti­on Un­mut ge­be, be­stä­tigt sie aber. Zur Alts­tadt-CDU meint Fle­gel: „Die Stadt­tei­le sind au­to­nom zu be­trach­ten.“ Im Ge­gen­satz zur SPD hät­ten die Christ­de­mo­kra­ten kei­nen Par­tei­tags­be­schluss über den Bi­bel­turm ge­fasst. Die Alts­tadt sei in be­son­de­rem Ma­ße be­trof­fen. In­so­fern kön­ne sie mit der Ab­leh­nung le­ben.

Stadt­rats­frak­ti­ons­chef Hanns­georg Schö­nig hebt eben­falls die Au­to­no­mie der Stadt­tei­le her­vor, zeigt sich aber auch zerk­nirscht: „Ich hät­te mir ei­ne brei­ter an­ge­leg­te Dis­kuss­ion ge­wünscht. Die Zu­kunft des Gu­ten­berg-Mu­se­ums be­schäf­tigt ja nicht nur die Alts­tadt.“ Dass es in sei­nen Rei­hen nicht nur Bi­bel­turm-Be­für­wor­ter ge­be, sei kei­ne Neu­ig­keit. „Der Be­schluss in der Frak­ti­on wur­de mehr­heit­lich ge­fasst, nicht ein­stim­mig.“ In­so­fern ha­be es von An­fang an Geg­ner ge­ge­ben, die of­fen Flag­ge ge­zeigt hät­ten.

Ei­ner ist Stadt­rats­mit­glied Tho­mas Gers­ter, Vor­sit­zen­der der Alts­tadt-CDU, die bei nur ei­ner Ge­gen­stim­me „Nein“ ge­sagt hat; eben­so sein Va­ter Jo­han­nes, kämp­fe­ri­sches CDU-Ur­ge­stein mit be­stem Zu­gang zur Ba­sis. Die Frak­ti­on sei „in et­was hin­ein­ge­ris­sen wor­den, das nicht über­schau­bar war“, ver­mu­tet der lang­jäh­ri­ge Bun­des­tags­ab­geord­ne­te und lauts­tar­ke Bi­bel­turm-Geg­ner. Nun wol­le die Frak­ti­on öf­fent­lich nicht mehr da­von ab­rü­cken. Sei­ner Mei­nung nach hiel­ten sich un­ter den CDU-Mit­glie­dern Be­für­wor­ter und Geg­ner in et­wa die Waa­ge.

Auch Fe­lix Lei­de­cker, stell­ver­tre­ten­der CDU-Chef und lang­jäh­ri­ger Vor­sit­zen­der der Jun­gen Uni­on, hält nicht hin­ter dem Berg. Er quit­tiert bei Fa­ce­book auf der Sei­te der Bi­bel­turm­geg­ner den Film-Post mit Zu­stim­mung. Ge­nau­so sein Nach­fol­ger an der JU-Spit­ze, Tors­ten Ro­he. Kein Wun­der al­so, dass sich die Jung­uni­onis­ten nun klar po­si­tio­niert ha­ben. Sie for­dern die Stadt auf, „ei­ne ver­nünf­ti­ge Fi­nan­zie­rung auf­zu­stel­len“, denn „wir se­hen es kom­men, dass die Stadt am En­de für die an­de­ren Bau­ab­schnit­te Geld auf­brin­gen muss, das sie nicht hat.“ Am be­sten wä­re es, wenn das Gu­ten­berg-Mu­se­um Lan­des­mu­se­um wür­de.

Auch Land­tags­ab­geord­ne­ter Gerd Schrei­ner, der bei Twit­ter die Stadt-Bro­schü­re zur Bürg­er­bef­ra­gung (12 Sei­ten, da­von ein­ein­halb für die Geg­ner, we­ni­ge Zei­len zur Fi­nan­zie­rung) iro­nisch als „to­tal neu­tral“ be­zeich­net hat­te, sieht die Geld-Fra­ge kri­tisch. Und da hat die Stim­me des haus­halt­spo­li­ti­schen Spre­chers der Land­tags-CDU Ge­wicht: „Wenn es mein Haus und mein Geld wä­re, hät­te ich ein Ge­samt­kon­zept oh­ne Fra­ge­zei­chen hin­ter der Ge­samt­fi­nan­zie­rung, be­vor ich an­fan­ge …“, twit­tert er. Die Rats­frak­ti­on kri­ti­siert er nicht. „Sie muss­te sich po­si­tio­nie­ren und hat sich po­si­tio­niert.“

Hat die CDU das The­ma schlicht un­ter­schätzt?

Nichts­de­sto­trotz sind sich Be­ob­ach­ter si­cher, dass zu­min­dest Tei­le der Stadt­rats-CDU ins „Ja“ zum Turm mehr hin­ein­ge­schlit­tert sind, denn aus ech­ter Hin­ga­be zu­ge­stimmt ha­ben.

Auf die Fra­ge, wa­rum man mit „Ja“ vo­tiert ha­be, sag­te ein In­si­der ein­mal: „Man woll­te die Leu­te, die in den Aus­schüs­sen da­ran mit­ge­ar­bei­tet ha­ben, nicht im Re­gen ste­hen las­sen.“ Au­ßer­dem füh­le sich die CDU der Stadt­rä­son, dem Wohl der Stadt ver­pflich­tet. Al­ler­dings heißt es auch, man ha­be das The­ma schlicht un­ter­schätzt.

CDU kri­ti­siert Wett­be­werb

GFZ-KA­SER­NE: Bau- und Sa­nie­rungs­aus­schuss dis­ku­tiert über neu­es Wohn­ge­biet

Allgemeine Zeitung, 3. März 2018, Tor­ben Schrö­der, MAINZ.

Wie wird das neue Wohn­ge­biet auf dem Ge­län­de der GFZ-Ka­ser­ne in der Ober­stadt ein­mal aus­se­hen? Das ist noch im­mer un­klar und hat im städ­ti­schen Bau- und Sa­nie­rungs­aus­schuss für Dis­kuss­io­nen ge­sorgt.

In ei­nem Wett­be­werb soll die städ­te­bau­li­che Struk­tur des Are­als an der Frei­lig­raths­tra­ße ent­wi­ckelt wer­den. „Wir hof­fen auf ei­ne Ju­ry­sit­zung im Som­mer“, kün­dig­te der Ab­tei­lungs­lei­ter Stadt­pla­nung, Axel Stro­bach, an. Ide­al­er­wei­se könn­ten, so Bau­de­zer­nen­tin Ma­ri­an­ne Gros­se (SPD), die Ar­bei­ten di­rekt im An­schluss an die für 2019 ge­plan­te Räu­mung des Ge­län­des be­gin­nen, das die Bun­des­wehr im Zu­ge ih­rer Um­struk­tu­rie­rung ver­las­sen wird. Ak­tu­ell sind noch das Lan­des­kom­man­do Rhein­land-Pfalz, ein Feld­jä­ger­re­gi­ment so­wie das Sa­ni­täts­ver­sor­gungs­zen­trum Mainz mit rund 200 Sol­da­ten und zi­vi­len Mit­ar­bei­tern sta­tio­niert.

Mög­lichst viel so­zia­ler Woh­nungs­bau

Die CDU kri­ti­sier­te das Vor­ge­hen. „Gro­ßen Ein­fluss ha­ben wir durch die Ju­ry nicht mehr“, sah Tho­mas Gers­ter die Mit­wir­kungs­mög­lich­kei­ten des Aus­schus­ses ein­ge­schränkt, „der Wett­be­werb setzt den Zug aufs Gleis“. Gerd Schrei­ner kri­ti­sier­te, dass durch die en­gen Rah­men­be­din­gun­gen die Krea­ti­vi­tät im Wett­be­werb ein­ge­schränkt wer­de.

Aber ge­nau das, näm­lich die Re­geln vor­ge­ben, sei Auf­ga­be von De­zer­nat und Aus­schuss, hielt Gros­se ent­ge­gen. „Die Wett­be­wer­be brin­gen gu­te Er­geb­nis­se“, sag­te Dr. Bri­an Huck (Grü­ne), Orts­vor­ste­her der Alts­tadt. Für Hen­ning Franz (SPD) tau­ge die von der CDU an­ge­sto­ße­ne Dis­kuss­ion nur da­zu, das Er­geb­nis zu dis­kre­di­tie­ren. Christ­ine Zim­mer (SPD) ge­stand die „Krux“ ein, auf ei­nem „Fi­lets­tück“ mög­lichst viel so­zia­len Woh­nungs­bau un­ter­zu­brin­gen. Doch der Rah­men­plan, der dem Wett­be­werb zu­grun­de liegt, sei mit de­mo­kra­ti­scher Mehr­heit be­schlos­sen wor­den. Am Ziel des So­zi­al­baus wol­le un­ter­des­sen auch die CDU nicht rüt­teln. Schrei­ner kri­ti­sier­te aber die aus sei­ner Sicht zu ho­he Ver­dich­tung des Are­als.

Um den wer­be­ge­stal­te­ri­schen Wild­wuchs im Be­reich der Rö­mer­pass­age und der Lot­hars­tra­ße ein­zu­däm­men, hat die Stadt Mainz vor drei Jah­ren ei­ne Wer­be­an­la­gen­sat­zung er­las­sen – die­se soll nun un­be­fri­stet gel­ten.

Groß­flä­chi­ge Wer­be­an­la­gen und voll be­kleb­te Schau­fens­ter soll­ten mit der Sat­zung ver­mie­den wer­den, um die­sen Be­reich der In­nens­tadt at­trak­ti­ver zu ma­chen. Und das hat funk­tio­niert. So lau­tet zu­min­dest das Fa­zit, das Axel Stro­bach im Aus­schuss zog. Bis­lang war die Sat­zung auf drei Jah­re be­fri­stet, um ih­re Wirk­sam­keit zu tes­ten. „Aus dem Be­reich der Ein­zel­händ­ler kam kei­ne Kri­tik“, hielt Stro­bach fest. Das be­stä­tigt auch Orts­vor­ste­her Bri­an Huck. Die ent­spre­chen­de Be­schluss­emp­feh­lung des Aus­schus­ses an den Stadt­rat für ei­ne un­be­fri­ste­te Gül­tig­keit er­ging ein­stim­mig.

Als Re­gi­on auf Ge­samt­kon­zept ei­ni­gen

RHEIN­HES­SENS­TRAS­SE: Land­rä­tin Do­ro­thea Schä­fer dis­ku­tiert mit CDU-Ver­bän­den ak­tu­el­le Ver­kehrs­si­tua­ti­on auf L 425

Allgemeine Zeitung, 2. März 2018, Mi­cha­el Hein­ze, NIEDER-OLM.

„Ein Dia­log und ei­ne ge­mein­sa­me Stra­te­gie sind drin­gend not­wen­dig“, be­ton­te Land­rä­tin und CDU-Kreis­vor­sit­zen­de Do­ro­thea Schä­fer bei der In­for­ma­ti­ons­ver­an­stal­tung „Quo Va­dis Rhein­hes­sens­tra­ße“ zur ak­tu­el­len und künf­ti­gen Si­tua­ti­on der wich­ti­gen Ver­kehrs­ader zwi­schen Kön­gern­heim und Hechts­heim, zu der der CDU-Ge­mein­de­ver­band Nie­der-Olm und die CDU-Stadt­be­zir­ke Ebers­heim und Hechts­heim in die Lud­wig-Eckes-Hal­le ge­la­den hat­ten. „Wir müs­sen uns als kom­plet­te Re­gi­on auf klu­ge Lö­sun­gen und ein Ge­samt­kon­zept ei­ni­gen.“ Das größ­te Pro­blem sei, „dass der In­di­vi­du­al­ver­kehr mit dem Bus­ver­kehr gleich­er­ma­ßen hin­ter­ein­an­der im Stau seht“, sag­te Schä­fer den 80 Zu­hö­rern. „Ich bin schon vor 35 Jah­ren zwei Bus­se frü­her in die Stadt ge­fah­ren, da­mit ich pünkt­lich in der Schu­le war“, är­ger­te sich VG-Bürg­er­meis­ter­kan­di­dat Ste­fan Kneib.

Stra­ße „ele­men­tar wich­tig“ für VG Nie­der-Olm

Für die VG Nie­der-Olm sei die Rhein­hes­sens­tra­ße „ele­men­tar wich­tig“. Für die Main­zer Stadt­rä­tin An­et­te Oden­wel­ler aus Ebers­heim („Die Ka­pa­zi­tä­ten sind schon lan­ge aus­ge­schöpft“) ist es ein Un­ding, dass nie­mand an die Be­rufs­pend­ler den­ke. „Die Pla­nun­gen hät­ten schon vor zehn Jah­ren um­ge­setzt wer­den müs­sen“, ap­pel­lier­te sie für „groß­flä­chi­ges Den­ken“. Ge­nau­so wie der Hechts­hei­mer Orts­vor­ste­her Franz Jung: „Wir dis­ku­tie­ren und dis­ku­tie­ren – und die Si­tua­ti­on wird im­mer schlim­mer.“ Das Ge­fühl lässt sich mit den Zah­len des Lan­des­be­triebs Mo­bi­li­tät be­le­gen. Je nä­her man dem Au­to­bahn­ring kommt, um­so grö­ßer sei die Be­la­stung – 22 000 Au­tos in 24 Stun­den zwi­schen Ebers­heim und Hechts­heim. „Ein Rie­sen­pro­blem“ sei dies auch für die Orts­ker­ne. Span­nend sei die Prog­no­se, wo­nach zwi­schen Wirt­schafts­park Süd und A 60 bis 2030 das Ver­kehrs­auf­kom­men um 206 Pro­zent stei­gen wer­de. In Ebers­heim, Harx­heim und Gau-Bi­schofs­heim wür­den sechs bis 20 Pro­zent mehr er­war­tet.

Von den dis­ku­tier­ten Va­ri­an­ten sei ein­zig der vier­spu­ri­ge Aus­bau plus Wirt­schafts­weg mit ei­ner Stra­ßen­brei­te von 21 Me­tern sinn­voll. Kos­ten­punkt: 7,3 Mil­lio­nen Eu­ro. „Wo­bei das teu­rer wer­den wird“, weiß der Land­tags­ab­geord­ne­te Gerd Schrei­ner. Doch das Geld sei gut in­ves­tiert. Bei der güns­tigs­ten Lö­sung spa­re man ein paar Mil­lio­nen. „Aber das bringt nicht die Leis­tungs­fä­hig­keit, die man braucht. Wäh­rend der Bau­zeit gä­be es ein Cha­os, da­nach wä­re die Si­tua­ti­on ge­nau­so wie bis­her.“ Fa­zit des Ar­chi­tek­ten: „Wenn wir et­was ma­chen, müs­sen wir es rich­tig ma­chen und Platz schaf­fen für ei­nen Kor­ri­dor der In­fras­truk­tur. Die­se Stra­ße ist das Rück­grat für ei­ne ge­sun­de Ent­wi­cklung ins Rhein­hes­si­sche hin­ein.“ In der Dis­kuss­ion mit den Po­li­ti­kern nann­te es ein Mann ei­nen „Schild­bür­gers­treich er­ster Sor­te, auf ei­nem Ki­lo­me­ter drei Am­peln zu in­stal­lie­ren“. Die Lö­sung sei ein in­tel­li­gen­ter Kreis­ver­kehr. „Da wird der Ver­kehr lang­sa­mer – aber er fließt.“ An­de­re sag­ten, dass auch Krei­sel kei­ne Pa­tent­lö­sung sei­en. In den Au­gen der Klein-Win­tern­hei­mer Orts­bürg­er­meis­te­rin Ute Gra­nold kann „nur der Druck von der Ba­sis hel­fen“, um den Ent­schei­dungs­trä­gern „Dampf zu ma­chen“. Der Land­tags­ab­geord­ne­te Tho­mas Barth be­kräf­tig­te zu­dem: „Der Auf­ruf zum Auf­ruhr ist ab­so­lut nach­voll­zieh­bar.“ Land­kreis und Stadt Mainz müss­ten sich end­lich ei­ni­gen. Der Ebers­hei­mer CDU-Vor­sit­zen­de Karl-Heinz Fried­rich kün­dig­te ei­ne „Bürg­er­ini­tia­ti­ve Rhein­hes­sens­tra­ße“ an, von der „ein Im­puls an die Po­li­tik“ aus­ge­hen sol­le.

Sü­ßes in Mainz statt Sau­res in Ber­lin

RO­SEN­MON­TAGS­ZUG: Mi­nis­ter­prä­si­den­tin Ma­lu Drey­er und OB Mi­cha­el Ebling neh­men när­ri­sches De­fi­lee ab

Allgemeine Zeitung, 13. Februar 2018, Pe­tra Jung und Mi­cha­el Ber­mei­tin­ger, MAINZ.

Es gibt in die­sen Ta­gen wahr­lich Schlim­me­res für ei­ne stell­ver­tre­ten­de Bun­des­vor­sit­zen­de der SPD, als bei über­wie­gend son­ni­gem Wet­ter auf der Tri­bü­ne vorm Thea­ter zu ste­hen und aus dem He­lau-Ru­fen gar nicht her­aus zu kom­men – die Gro­Ko-Ge­sprä­che in Ber­lin sind dann weit, weit weg.

Hier in Mainz gab es prak­tisch nur fröh­li­che Ge­sich­ter, die Lau­ne war be­stens, und nach­dem am Mor­gen die Wet­ters­tim­mung noch nass-grau war, lach­te ab 13 Uhr die Son­ne über dem 116. Main­zer Ro­sen­mon­tags­zug. Welch ein Se­gen für die 8800 Teil­neh­mer, die sich um 11.11 Uhr in der Neus­tadt auf die 7,2 Ki­lo­me­ter lan­ge Stre­cke ge­macht hat­ten. Hö­he­punkt wie im­mer: der Vor­bei­marsch an der Pro­mi­tri­bü­ne auf dem Gu­ten­berg­latz.

Dort nahm Mi­nis­ter­prä­si­den­tin Ma­lu Drey­er, be­vor sie sich am Diens­tag wie­der ins Wil­ly-Brandt-Haus in der Bun­des­haupt­stadt auf­macht, mit vier­farb­bun­ter Schlei­fe im Haar ge­mein­sam mit Ober­bürg­er­meis­ter Mi­cha­el Ebling das när­ri­sche De­fi­lee ab. Und fei­er­te da­bei lie­ber die deutsch-fran­zö­si­sche Freund­schaft als die neu­er­li­che „Ver­nunf­te­he“ mit der Uni­on.

60 Jah­re währt nun schon die Part­ner­schaft zwi­schen der rhein­land-pfäl­zi­schen Haupt­stadt Mainz und Di­jon, Haupt­stadt der ost­fran­zö­si­schen Re­gi­on Burg­und. Sicht­ba­res Zei­chen die­ser Ver­bun­den­heit war der Be­such der fran­zö­si­schen Bot­schaf­te­rin An­ne-Ma­rie De­scô­tes, die ge­mein­sam mit Ali­ne Os­wald, Di­rekt­orin des In­sti­tut fran­çais in Mainz, zu den zahl­rei­chen Eh­ren­gäs­ten ge­hör­te, die Drey­er (für das Land) und Ebling (für die Stadt) vor dem Zug zum Emp­fang im Foy­er des Staats­thea­ters ein­ge­la­den hat­ten.

Dass der Mo­tiv­wa­gen mit der Zug­num­mer acht, den fran­zö­si­schen Prä­si­den­ten Ma­cron zeigt, der un­ter dem Mot­to „En mar­che“ mit ei­ner lä­dier­ten Ka­ros­se zu kämp­fen hat, spä­ter wäh­rend des Zu­ges be­son­ders lan­ge vor der Eh­ren­tri­bü­ne ver­weil­te und des­we­gen be­son­ders aus­gie­big be­gut­ach­tet wer­den konn­te, war in­des si­cher ein Zu­fall.

Zu den Eh­ren­gäs­ten auf der Tri­bü­ne – dort, wo un­ter den „Au­gen“ der Fern­seh­ka­me­ras die meis­ten Sü­ßig­kei­ten und Gim­micks aufs när­ri­sche Volk nie­der­pras­seln – zähl­ten un­ter an­de­ren die Ge­ne­ral­kon­suln von Chi­na, Ja­pan, Is­ra­el, Kroa­tien und An­ge­hö­ri­ge der ame­ri­ka­ni­schen Streit­kräf­te so­wie Po­li­ti­ker, da­run­ter Fi­nanz­mi­nis­te­rin Do­ris Ah­nen, Bil­dungs­mi­nis­te­rin Ste­fa­nie Hu­big so­wie Kul­tur­mi­nis­ter Kon­rad Wolf (al­le SPD).

De­ren Land­tags­kol­le­gen Ju­lia Klöck­ner und Gerd Schrei­ner (bei­de CDU) mar­schier­ten stram­men Schrit­tes bei der Ran­zen­gar­de mit – und be­ka­men da­für ein „Ex­tra“-He­lau von der Tri­bü­ne. Das konn­ten die­se zur Auf­mun­te­rung gut ge­brau­chen, war es doch bis zum End­punkt des Zu­ges am Schil­ler­platz noch ei­ne or­dent­li­che Stre­cke.

Lo­bes­hym­nen auf die Fern­seh­fast­nacht gab es vom Ober­bürg­er­meis­ter. Als der MCC-Wa­gen mit Flo­ri­an Sit­te ali­as An­ge­la Mer­kel an ihm vor­bei­roll­te, rief Mi­cha­el Ebling den Ak­ti­ven zu: „Ihr habt uns ei­ne wun­der­ba­re Fast­nacht ge­bracht.“ Ein Wunsch des OB er­füll­te sich der­weil nicht. Vor dem Zug hat­te er al­le Eh­ren­gäs­te ein­dring­lich ge­be­ten: „Blei­ben Sie bit­te wäh­rend des gan­zen Zu­ges auf der Tri­bü­ne – sonst be­kom­men wir wie­der Är­ger we­gen der Fern­seh­über­tra­gung …“

IN ZAH­LEN

Es gab 139 Zug­num­mern , Ge­samt­teil­neh­mer-Zahl: 8800 . Es mar­schier­ten 70 Mu­sik­grup­pen (mit ins­ge­samt 2124 Mu­sik­ern ) so­wie 92 Fah­nen- und Schwell­kopp­trä­ger mit. 161 när­ri­sche Wa­gen , Mo­tiv- und Ko­mit­ee­wa­gen, so­wie 113 Trak­to­ren und Zug­ma­schi­nen roll­ten am när­ri­schen Volk vor­bei.

Am­pel­koa­li­ti­on steht zur Sa­nie­rung

RAT­HAUS­UM­BAU: CDU kri­ti­siert Kos­ten / SPD-Frak­ti­ons­che­fin: „Es gibt kei­ne Al­ter­na­ti­ve“

Allgemeine Zeitung, 7. Februar 2018, Michael Er­furth, MAINZ.

Der Be­schluss zur Sa­nie­rung des Rat­hau­ses er­fol­ge durch die Am­pel­koa­li­ti­on nur mit ge­brems­ten Schaum, mein­te der CDU-Po­li­ti­ker Gerd Schrei­ner. Denn ne­ben der Fra­ge, ob die Sa­nie­rungs­kos­ten „von den der­zeit an­ge­ge­be­nen 65 Mil­lio­nen Eu­ro plus X“ nicht aus dem Ru­der lau­fen wer­den, ge­be es zwei wei­te­re, nicht lös­ba­re Pro­ble­me: Bei der Sa­nie­rung der denk­mal­ge­schütz­ten Fass­ade könn­ten die Vor­ga­ben der En­er­gie­ein­spar­ver­ord­nung nicht ein­ge­hal­ten wer­den. Und bei Rhein­hoch­was­ser wer­de wei­ter­hin Was­ser ins Kel­ler­ge­schoss ein­drin­gen, so der CDU-Po­li­ti­ker.

Die Ar­gu­men­te Schrei­ners än­der­ten aber nichts an der Ab­stim­mung. Mit den Stim­men der Ver­tre­ter von SPD, Grü­nen, FDP, Lin­ken und ÖDP gab es ein­deu­ti­ge Mehr­hei­ten bei der ge­mein­sa­men Sit­zung von drei Stadt­rats­aus­schüs­sen und des Ort­bei­ra­tes Alts­tadt: Die Sa­nie­rung soll um­ge­setzt wer­den.

Ober­bürg­er­meis­ter Mi­cha­el Ebling (SPD) ent­geg­ne­te dem CDU-Po­li­ti­ker, es sei zwar rich­tig, dass laut Gut­ach­ten von AGN Nie­der­berg­haus und Part­ner ei­ne Däm­mung hin­ter der zu er­neu­ern­den Na­tur­stein­fass­ade nicht ge­mäß die­ser Ver­ord­nung mög­lich sei. Im Ge­bäu­de in­des wer­de es vie­le Ver­än­de­run­gen ge­ben, die zu ei­ner Ver­bes­se­rung der der­zeit sehr schlech­ten En­er­gie­bi­lanz füh­ren wür­den. Das rei­che von der Kli­ma­ti­sie­rung der Räu­me bis hin zur Be­leuch­tung.

Bei Hoch­was­ser wird der Kel­ler feucht

Ebling be­ton­te zu­dem, AGN emp­feh­le, aus Kos­ten­grün­den da­mit zu le­ben, dass bei star­kem Hoch­was­ser der Kel­ler feucht wer­den könn­te. „Je­der Haus­be­sit­zer am Rhei­nu­fer kennt das.“ Ei­ne Ver­sie­ge­lung kä­me sehr teu­er. „Dann stel­len wir halt nicht die al­ler­wich­tigs­ten Ak­ten in den Kel­ler“, sag­te Ebling süf­fi­sant.

Der OB wi­der­sprach auch dem Vor­wurf von CDU-Frak­ti­ons­chef Hanns­georg Schö­nig, die Ver­wal­tung ha­be Al­ter­na­ti­ven nicht or­dent­lich ge­prüft. Die von der CDU vor­ge­schlag­ene Va­ri­an­te, die re­prä­sen­ta­ti­ven Räu­me ins Schloss zu ver­le­gen und auf dem Are­al des ehe­ma­li­gen All­ianz­hau­ses an der Gro­ßen Blei­che ein Ver­wal­tungs­ge­bäu­de zu er­rich­ten, sei auch aus fi­nanz­iel­len Grün­den nicht sinn­voll. Zu­dem kä­me laut AGN-Gut­ach­ten der Neu­bau ei­nes Rat­hau­ses an ei­ner an­de­ren Stel­le in der In­nens­tadt teu­rer als die Sa­nie­rung des Ar­ne-Ja­cob­sen-Baus. AZ-In­for­ma­tio­nen zu­fol­ge war ein Are­al, das da­für in Fra­ge ge­kom­men wä­re, das Eck­grund­stück der dem­nächst an den Zoll­ha­fen zie­hen­den Lan­des­bank im Be­reich Gro­ße Blei­che/Flachs­markt­stra­ße. Al­lein der Ver­kaufs­preis für die­ses Grund­stück, auf dem nun Woh­nun­gen ent­ste­hen sol­len, hat mit knapp 70 Mil­lio­nen Eu­ro in der Grö­ßen­ord­nung ge­le­gen, die für die Rat­haus­sa­nie­rung ver­an­schlagt ist.

Po­li­ti­ker der Am­pel­koa­li­ti­on, von ÖDP und Lin­ken un­ter­mau­er­ten ih­re Zu­stim­mung zur Ver­wal­tungs­vor­la­ge, mit der jetzt Bau­recht für die Sa­nie­rung ge­schaf­fen wer­den soll. „Es gibt kei­ne Al­ter­na­ti­ve“, sag­te SPD-Frak­ti­ons­che­fin Ale­xan­dra Gill-Gehrs. In Zei­ten nie­dri­ger Zin­sen sei dies mach­bar. Au­ßer­dem kön­ne die Stadt wäh­rend der Bau­pha­se das West-Im­mo-Ge­bäu­de an der Gro­ßen Blei­che als Aus­weich­stät­te an­mie­ten. Für die Mit­ar­bei­ter soll es mo­der­ne Bü­ros ge­ben, für die Bür­ger die Öff­nung des Rat­hau­ses zum Rhei­nu­fer hin und die Be­geh­bar­keit des Da­ches, so Gill-Gehrs.

„Rat­haus ist ei­ne En­er­giesch­leu­der“

Syl­via Kö­bler-Gross (Grü­ne) ver­wies auf die im Er­gän­zungs­an­trag der Am­pel­koa­li­ti­on ge­for­der­te und in der Sit­zung auch be­schloss­ene früh­zei­ti­ge Be­tei­li­gung des Denk­mal­schut­zes an den wei­te­ren Pla­nun­gen. Wal­ter Kop­pi­us (FDP) be­ton­te, sei­ne Frak­ti­on und die Par­tei ste­he nach ei­ni­gen Dis­kuss­io­nen zu dem Sa­nie­rungs­be­schluss. „Das Fi­lets­tück Rat­haus muss in der Hand der Stadt Mainz blei­ben“, so Tu­pac Orel­la­na (Lin­ke). Und Dr. Clau­di­us Mo­se­ler (ÖDP) sag­te: „Das Rat­haus ist der­zeit ei­ne En­er­giesch­leu­der. Jähr­lich fal­len da­für Kos­ten von 1,2 Mil­lio­nen Eu­ro an.“

CDU will Ci­ty-Bahn und neue Brü­cke

MIT­GLIE­DER­DIA­LOG: Main­zer Christ­de­mo­kra­ten su­chen Schul­ter­schluss mit Wies­ba­de­ner Kol­le­gen

Allgemeine Zeitung, 2. Februar 2018, Tor­ben Schrö­der, MAINZ.

Die Main­zer CDU will sich für ei­ne „Ci­ty-Bahn Plus“ ein­set­zen, die mit ei­ner wei­te­ren Rhein­brü­cke ein­her­geht. Ih­re Über­le­gun­gen stell­ten die Par­tei-Vor­de­ren im Rah­men ei­nes Mit­glie­der­dia­logs vor, bei dem es kon­tro­vers und durch­aus auch emo­tio­nal zu­ging. Das Stim­mungs­bild der Ba­sis ist viel­fäl­tig. „Wir ha­ben kei­ne Mehr­heit im Stadt­vor­stand und im Stadt­rat“, be­ton­te Frak­ti­ons­chef Hanns­georg Schö­nig. Des­halb ha­be man sich in den Wies­ba­de­ner Christ­de­mo­kra­ten ei­nen Bünd­ni­spart­ner ge­sucht – und sei nun auf die Mit­glie­der an­ge­wie­sen, die im Rah­men der Bürg­er­be­tei­li­gung die Vor­ha­ben der CDU un­ter­stüt­zen. „Wir soll­ten al­le Kräf­te da­rauf aus­rich­ten, dass wir ei­ne Brü­cke be­kom­men“, for­der­te Schö­nig.

„Die Ci­ty-Bahn ist erst mal ei­ne gu­te Idee“, hielt der ver­kehrs­po­li­ti­sche Spre­cher Tho­mas Gers­ter fest. Da­mit, dass sie über die Theo­dor-Heuss-Brü­cke ver­lau­fen soll, müs­se man sich ab­fin­den. Doch es dür­fe die Stra­ßen­bahn­ver­bin­dung zwi­schen Mainz und Wies­ba­den, wie der Land­tags­ab­geord­ne­te Gerd Schrei­ner be­ton­te, nur in Kom­bi­na­ti­on mit ei­ner zu­sätz­li­chen Rhein­brü­cke ge­ben. Vor­ge­schla­gen wird ei­ne zu­sätz­li­che Tras­sen­füh­rung über die Pe­ter­saue, die auch für Au­tos und Fahr­rä­der zu be­fah­ren sein soll. Da­mit las­se sich ein wei­te­rer Ver­kehrs­ring ent­wi­ckeln, der die In­nens­tadt ent­la­stet. „Meh­re­re Schwach­punk­te“ sieht Gers­ter bei der an­ge­dach­ten Tras­sen­füh­rung ent­lang der Gro­ßen Blei­che. Der In­di­vi­du­al­ver­kehr wür­de lei­den, Park­plät­ze in gro­ßer Zahl weg­fal­len, ei­ne Rei­he Park­häu­ser wä­re kaum noch zu er­rei­chen. Statt­des­sen schlägt Gers­ter ei­ne Stre­cke von der Theo­dor-Heuss-Brü­cke aus Rich­tung Sü­den die Rheins­tra­ße ent­lang vor, bis in die Quin­tinss­tra­ße, Rich­tung Höf­chen und über die Lud­wigss­tra­ße bis zum Schil­ler­platz. An­dern­falls „wird es die Gro­ße Blei­che, wie wir sie ken­nen, nicht mehr ge­ben“, warn­te Schrei­ner: „Es wä­re dann kei­ne In­di­vi­du­al­ver­kehrs­stra­ße mehr, und da­mit hät­ten wir ein Pro­blem.“ Ei­ne „Fuß­gän­ger­zo­ne in der Gro­ßen Blei­che“ fän­de Ver­kehrs­de­zer­nen­tin Ka­trin Eder „wun­der­bar, wir fin­den das furcht­bar“.

Als „Zu­kunfts­pro­jekt“ und „ein­ma­li­ge Chan­ce“ sieht der frü­he­re CDU-Bürg­er­meis­ter Nor­bert Schü­ler die Ci­ty­bahn an – und be­merk­te, oh­ne wei­te­re Brü­cke kön­ne er sich die Um­set­zung nicht vor­stel­len. Auch die Wies­ba­de­ner CDU ste­he hin­ter die­sem Vor­schlag, un­ter­strich Schö­nig. Un­ter den Main­zer Mit­glie­dern herrscht durch­aus Skep­sis ge­gen­über dem Ci­ty-Bahn-Pro­jekt ge­ne­rell. Vor al­lem Bret­zen­hei­mer CDU­ler ver­wei­sen auf Ne­ga­tiv-Er­fah­run­gen mit der Main­zel­bahn.

Nach der De­cke ge­streckt

KOM­MU­NEN: Vor al­lem die Städ­te im Land sind hoch ver­schul­det / Land will künf­tig stär­ker hel­fen

Allgemeine Zeitung, 11. Januar 2018, MAINZ.

Die rhein­land-pfäl­zi­schen Kom­mu­nen sind laut Lan­des­rech­nungs­hof mit 6,6 Mil­li­ar­den Eu­ro ver­schul­det. Da­bei han­delt es sich um „Li­qui­di­täts­kre­di­te“. Das heißt: Das Geld wur­de nicht für In­ves­ti­tio­nen in Schu­len, Stra­ßen oder Bau­ge­bie­te aus­ge­ge­ben, son­dern weil die Städ­te und Ge­mein­den Ge­häl­ter und an­de­re Pflicht­aus­ga­ben nicht be­zah­len konn­ten.

Das Land tue ei­ni­ges, um die­se Si­tua­ti­on in den Griff zu krie­gen, sagt Fi­nanz­mi­nis­te­rin Do­ris Ah­nen (SPD). „Das reicht nicht“, hält der haus­halt­spo­li­ti­sche Spre­cher der CDU, Gerd Schrei­ner, im Fi­nanz­aus­schuss des Land­tags ge­gen. In die­sem hat­te sei­ne Frak­ti­on ei­nen Be­richt der Lan­des­re­gie­rung zu den Kom­mu­nal­fi­nan­zen be­an­tragt.

2,93 Mil­li­ar­den Eu­ro im Jahr ver­teilt das Land laut Ah­nen im Fi­nanz­aus­gleich an die Kom­mu­nen. Das sei­en 17 Pro­zent der Ge­samt­aus­ga­ben des Lan­des und ei­ne Mil­li­ar­de mehr als noch 2013. In kei­nem an­de­ren Haus­halt­spos­ten des Lan­des ge­be es ei­nen solch star­ken An­stieg. Der Zu­wachs lie­ge noch über der In­fla­ti­on. „Das Land hat sich in der Ver­gan­gen­heit nach der De­cke ge­streckt“, sagt Ah­nen. In den näch­sten drei Jah­ren wol­le das Land den Pos­ten um zu­sätz­li­che 425 Mil­lio­nen Eu­ro auf­sto­cken.

Hof­fen auf hö­he­re Steu­er­ein­nah­men

Die Kom­mu­nen pro­fi­tie­ren laut Ah­nen von wei­te­ren Ef­fek­ten: So ha­be das Land ih­nen 1,4 Mil­li­ar­den Eu­ro über den Ent­schul­dungs­fonds zu­kom­men las­sen. Zu­dem wür­den hö­he­re Steu­er­ein­nah­men vor­her­ge­sagt: Dem­nach näh­me das Land die­ses Jahr 192 Mil­lio­nen Eu­ro mehr ein, 2019 noch­mal wei­te­re 84 Mil­lio­nen Eu­ro zu­sätz­lich. Au­ßer­dem ent­la­ste das Land die Kom­mu­nen in der Ge­wer­be­steu­er. Al­les in al­lem sei­en al­so bis 2021 mit 1,9 Mil­li­ar­den zu­sätz­li­chen Ein­nah­men für die Kom­mu­nen zu rech­nen: „Das ist echt ein Wort.“

Schrei­ner aber warnt: „Die zu­sätz­li­chen Ein­nah­men und die stark stei­gen­den Aus­ga­ben he­ben sich ge­gen­sei­tig auf.“ Vom Land for­dert der CDU-Mann, dass es die Kom­mu­nen fi­nanz­iell so aus­stat­te, dass sie ih­re Auf­ga­ben er­fül­len kön­nen und von ih­rem ho­hen Schul­den­berg run­ter­kä­men. Und ei­ne Fra­ge müs­se Ah­nen ihm be­ant­wor­ten: „Wo kom­men die über sechs Mil­li­ar­den Eu­ro an Über­zie­hungs­schul­den her?“

Ei­ne Mit­schuld der Kom­mu­nen

Die­se Fra­ge be­ant­wort­ete Ah­nen in­des nicht. Sie sel­ber ist seit 2014 im Amt und ver­weist da­rauf, dass seit­dem das Land ver­su­che, die Fi­nan­zen der Kom­mu­nen zu ver­bes­sern. Da­zu zäh­le ein Zins­si­che­rungs­schirm, über den sie dem­nächst mit den Ver­tre­tun­gen der Kom­mu­nen ver­han­deln will. Die­ser soll den Kom­mu­nen dann hel­fen, wenn die Pha­se der all­ge­mein nie­dri­gen Zin­sen en­det – und die über­schul­de­ten Haus­hal­te durch hö­he­re Zin­sen ent­spre­chend be­la­stet wer­den.

Die SPD-Ab­geord­ne­te An­na Köb­ber­ling weist da­rauf hin, dass die He­be­sät­ze der Kom­mu­nen oft zu ge­ring sei­en, die­se al­so Steu­ern et­wa auf Grund­be­sitz noch an­he­ben könn­ten. Au­ßer­dem sei die Kom­mu­nals­truk­tur zu klein­tei­lig. Sprich: Es ge­be zu vie­le klei­ne Kom­mu­nen, was die Kos­ten für die Ver­wal­tung in die Hö­he treibt.

Auch der grü­ne Ab­geord­ne­te Da­ni­el Kö­bler er­in­nert an ei­ne Mit­schuld der Kom­mu­nen: So leis­te sich die Stadt Kai­sers­lau­tern, die laut Stu­di­en zu Deutsch­lands zehn am stärk­sten ver­schul­de­ten Kom­mu­nen ge­hört, un­sin­nig ho­he Aus­ga­ben für das Fritz-Wal­ter-Sta­di­on. Zu­dem ha­be das Land in der Ver­gan­gen­heit die Land­krei­se zu stark aus­ge­stat­tet – und die Städ­te ver­nach­läs­sigt. Wes­halb es vor al­lem die rhein­land-pfäl­zi­schen Städ­te sei­en, die in Fi­nanz­not ge­ra­ten sind. Zum künf­ti­gen Fi­nanz­aus­gleich ge­hört, wie Ah­nen an­kün­digt, dass die Pro­ble­me der Städ­te, vor al­lem ih­re über­durch­schnitt­lich ho­hen So­zi­al­aus­ga­ben, be­rück­sich­tigt wür­den – und sie al­so ei­nen grö­ße­ren An­teil des Gel­des er­hal­ten als bis­her.