CDU will neue Rheinquerung

Kommunal Wahl

Mögliche Standorte werden gezeigt / Klarer Favorit: stromabwärts parallel zur Kaiserbrücke 

Allgemeine Zeitung, 20. Mai 2019, Carina Schmidt, MAINZ.

MAINZ. Eberhard Seidensticker hat einen Traum: In seiner dritten Amtszeit als Oberbürgermeister von Wiesbaden möchte er auf der neuen Rheinbrücke seinem möglichen Mainzer Pendant – Nino Haase – die Hand schütteln und einen Schoppen trinken. Beide Männer sind noch keine Oberbürgermeister, beide wollen es aber werden. Der Kandidat aus Wiesbaden hat ein CDU-Parteibuch, der Mainzer kandidiert parteilos für die Christdemokraten. 

Es ist eine Schifffahrt mit der MS Möwe, bei der Seidensticker seine Vision verrät und dafür Applaus erhält. Knapp 130 Teilnehmer verbringen zweieinhalb Stunden auf dem Rhein. Initiiert wurde die Fahrt von der Mainzer CDU. Vom Mainzer Fischtorplatz geht es in Richtung Wiesbaden-Schierstein, einmal um die Rettbergsaue und dann zurück zum Startpunkt. Unterwegs werden mögliche Standorte für eine neue Rheinbrücke gezeigt. 

Zur Veranschaulichung soll eine riesige Karte dienen. Vor dem Start der Schifffahrt ist diese noch auf ein Metallgerüst gespannt. Nachdem das Teil mit vielen helfenden Händen akrobatisch über den Rundbogen des Anlegers bis zum Schiffseingang transportiert wird, stellt sich jedoch heraus: Es ist viel zu groß für die Tür und für den Innenraum sowieso. Improvisation ist alles. Die Karte wird also wieder abgezogen, eingerollt und im Schiff von den Protagonisten im Wechsel hochgehalten. 

Der Mainzer Landtagsabgeordnete Gerd Schreiner und der Wiesbadener Baudezernent Hans-Martin Kessler (beide CDU) haben einen klaren Brücken-Favoriten: stromabwärts parallel zur Kaiserbrücke über die Petersaue. Diese Variante wurde auch im Städteausschuss von Mainz und Wiesbaden als sinnvollste Möglichkeit eingestuft. Umfassende Prüfungsergebnisse eines Ingenieurbüros sollen im Sommer vorliegen. 

Aus Kesslers Sicht sei die Brücke für Wiesbaden unter anderem deshalb so wichtig, weil oberhalb von Mainz-Kastel ein neuer Stadtteil unter dem Arbeitstitel Ostfeld mit 8000 bis 10 000 Einwohnern entstehen soll. Die CDU-Kreisvorsitzende Sabine Flegel möchte durch die Brücke gewährleisten, dass Unternehmensmitarbeiter von beiden Rheinseiten nicht mehr ständig im Stau stehen müssen. 

Wie die weitere Anbindung verlaufen könnte, erklärt Schreiner: entweder bis zur sanierungsbedürftigen Hochstraße Mombacher Straße oder über ein Grundstück des Entsorgungsbetriebs in Richtung Hattenbergstraße bis zur Mombacher Straße. OB-Kandidat Haase hält die Variante über die Hochstraße für „die Intelligenteste und Effizienteste“. Bei der Frage nach der Finanzierung, macht Schreiner deutlich, dass die Städte Mainz und Wiesbaden das nicht allein schaffen würden. „Wir werden dazu unsere Länder und den Bund brauchen.“ Und er schließe auch nicht aus, dass sich private Dritte an dem Bauprojekt beteiligen könnten. Baudezernent Kessler meint jedenfalls, die Vorbedingungen für eine Realisierung des Projekts seien noch nie so günstig gewesen, weil auf beiden Seiten des Rheins ernsthaft darüber nachgedacht werde. „Und das ist nicht nur Spielerei.“ OB-Kandidat Haase ist überzeugt: „Eins haben die Städte gemeinsam. Und das ist eine Infrastruktur am Limit.“ 

Was die Verkehrsart angehe, müsse die neue Brücke flexibel sein, betont Schreiner. Aus dem Publikum kommt die Frage auf, ob man nicht zunächst abwarten solle, was die neue Schiersteiner Brücke nach der Fertigstellung an Verkehr schlucke, bevor die neue Brücke ebenfalls für den motorisierten Verkehr frei gegeben werden soll. Denkbar wäre doch auch, sie nur für den Rad- und Fußverkehr freizugeben. „Wir würden uns unsere neue Eigentumswohnung nicht gerne an der sechsspurigen Straße kaufen wollen“, gibt die Frau zu bedenken. Baudezernent Kessler bezweifelt indes, dass eine solche Brücke förderfähig wäre. Er stelle sich vielmehr eine zweispurige Stadtbrücke vor, die für alle Verkehrsträger attraktiv sein sollte. 

Teilnehmer Gerhard Danner sagt im Anschluss: „Die Veranstaltung war interessant, aber auch enttäuschend, weil die Finanzierung der Brücke unsicher ist. Ob der Bund sich an einem kommunalen Projekt beteiligt, ist fraglich.“ Gertrud Wolf hofft indes, „dass die Politik das irgendwie gebacken bekommt“: „Eine weitere Brücke muss kommen, um den täglichen Rückstau zu vermeiden.“ 

STANDORTE 

Standort 1: „Erweiterung der Theodor-Heuss-Brücke“: aus Denkmalschutzgründen kein Favorit 

Standort 2 : „Brücke vom Rathenauplatz in Mainz-Kastel bis zum Kaisertor in der Mainzer Neustadt“: kein Favorit, um die geschützte Gesamtanlage des Eleonorenparks in Kastel zu erhalten 

Standort 3 : „Brücke stromaufwärts parallel zur Kaiserbrücke über Petersaue“: kein Favorit, weil sie den Verkehr über den Kaiser-Karl-Ring in die Neustadt lenken würde 

Standort 4 : „Brücke stromabwärts parallel zu Kaiserbrücke über die Petersaue“: der Favorit – in Verbindung mit dem Wunsch, die Hochbrücke zu erhalten 

Standort 5: „Brücke von Albertstraße in Wiesbaden-Amöneburg, über Petersaue, Ingelheimer Aue, Rheinallee Mainz-Neustadt“: kein Favorit 

Standort 6 : „Brücke von der Glarusstraße in Wiesbaden-Biebrich, Ingelheimer Aue bis zur Rheinallee“: kein Favorit

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.