Verzögerung nach Goldfund

Landtagsbaustelle dennoch im Zeitplan / Parlament soll noch 2020 zurückziehen

Allgemeine Zeitung, 9. April 2019, Sonja Ingerl, MAINZ.

Ein Paar Arbeitshandschuhe hängt über einem staubigen Gerüst. Wenn nicht all die Bauarbeiter dem Gebäudeskelett Leben einhauchen würden, könnte man den Landtag in Mainz für einen verlassenen Ort halten. Doch das Gegenteil ist der Fall: Im zweiten Quartal 2020 seien die Bauarbeiten voraussichtlich fertig, verkündet Projektleiterin Sabine Huppert vom Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung (LBB). Die Mitarbeiter der Landtagsverwaltung können dann in der zweiten Jahreshälfte zurückziehen. Und auch der Plenarsaal wird an seinen angestammten Platz zurückkehren, allerdings mit modernem Mobiliar. Derzeit tagen die Abgeordneten in der Steinhalle des Landesmuseums. Noch 2020, so der Plan, soll die erste Landtagssitzung im neuen Saal stattfinden. 

Keine zusätzlichen Kosten bisher 

Einer, der sich auf die Rückkehr freut, ist der Mainzer Abgeordnete Gerd Schreiner (CDU). „Wir haben dann schlicht und ergreifend mehr Platz“, erklärt er. So sei dann genug Raum, sich mal auszutauschen. „Das war im Altbau doch recht eng.“ Die Sanierung des alten Landtagsgebäudes, des Deutschhauses, startete im Dezember 2015. Die Mitarbeiter der Landtagsverwaltung mussten ins Isenburg-Karree ziehen, ein früheres Gefängnis in der Nähe des Justizministeriums. „Der Umzug der Büros hat nur eine Woche gedauert. Der Umzug des Plenarsaals allerdings brauchte ein bisschen länger“, berichtet Elke Steinwand von der Abteilung Kommunikation des Landtags. Es habe rund zwei Monate gedauert, bis Stück für Stück des Saals abgebaut und in der Steinhalle des Landesmuseums wieder aufgebaut worden sei. Die Interimszeit im Landesmuseum nutzt der CDU-Politiker Schreiner auch, Besucher durch die Ausstellungen zu schicken. „Ich glaube, so viele Besucher wie zurzeit gab es noch nie.“ 

Steinwand hat gute Nachrichten: „Die Baustelle ist im Kostenplan.“ Die geplanten Gesamtkosten der Sanierung in Höhe von 60 Millionen Euro könnten voraussichtlich eingehalten werden. 

Einen Weg um das Mammutprojekt herum gab es nicht, denn das Gebäude, das im Zweiten Weltkrieg fast komplett niedergebrannt war und dann in den 1950er Jahren in nur 150 Tagen wieder hochgezogen worden war, war alles andere als zeitgemäß. Eine Generalsanierung des Deutschhauses war auch finanziell die vernünftigste Entscheidung, heißt es von den Verantwortlichen. „Der Landtag hat den Vorschriften im Hinblick auf Barrierefreiheit und Brandschutz nicht mehr entsprochen“, sagt Steinwand. Außerdem sei die technische Ausrüstung unzulänglich gewesen. Dabei habe es durchaus auch Herausforderungen gegeben, wie unvorhergesehene Fundstücke, berichtet Huppert. „Bei archäologischen Grabungen ist zum Beispiel eine byzantinische Goldmünze gefunden worden, worüber die Archäologen sehr glücklich waren, was die Bauarbeiten aber natürlich etwas verzögert hat.“ 

Status jetzt: Der Rohbau des Nebengebäudes, in dem neben einem Restaurant auch Besprechungsräume untergebracht werden, ist abgeschlossen. Auch der Übergang zur Staatskanzlei steht im Rohbau. Im entkernten Deutschhaus – dessen Fassade erhalten bleibt – befindet man sich in der Wiederaufbauphase. Für das Restaurant wird noch ein Pächter gesucht. 

KOSTENVERTEILUNG 

Die Gesamtkosten der Sanierung teilen sich laut Landesbetrieb LBB wie folgt auf: Rund 55 Prozent entfällt auf das Bauwerk (Hochbaugewerke) und zirka 35 Prozent werden für die technischen Anlagen benötigt. Der Rest sei für die Außenanlagen und die Erschließungsarbeiten vorgesehen.

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