„Potenzial für richtig Ärger“

An der Finther Römerquelle soll ein neues Wohngebiet entstehen / Bauausschuss kritisiert Ausführung

Allgemeine Zeitung, 6. April 2019, Heiko Beckert, MAINZ.

FINTHEN. Die Römerquelle soll ein neues Wohnquartier erhalten. Zwischen Sertoriusring und der A 60 plant ein privater Investor anstelle brach liegender Tennisplätze auf einem etwa einen Hektar großen Privatgrundstück die Errichtung von vier Wohngebäuden. Diese Planungen gefallen nicht jedem. So warnte Dr. Gerd Eckhardt (CDU) im Bauausschuss: „Das hat das Potenzial, dass es richtig Ärger gibt.“ Dennoch befürwortete der Ausschuss mehrheitlich das Konzept. 

Was ist in Finthen vorgesehen? In der Nähe der Autobahn soll ein sehr großer, U-förmiger Gebäudekomplex entstehen, der sich zum Sertoriusring öffnet. Zwischen diesem Komplex und dem Sertoriusring sollen zudem drei deutlich kleinere Punktgebäude errichtet werden. Eine zentrale Tiefgarage und möglicherweise eine Kindertagesstätte, die in einem der vier Gebäude untergebracht werden könnte, vervollständigen die Pläne. Die Häuser bestehen laut Konzept aus je vier Vollgeschossen und einem Staffelgeschoss. Insgesamt sind 120 Mietwohnungen vorgesehen, darunter auch sozial geförderte. Den zusätzlichen Verkehr muss der Sertoriusring aufnehmen. 

Baudezernentin Marianne Grosse (SPD) betonte, dass sie das Projekt angesichts der Wohnungsnot begrüße und kaum Konfliktpotenzial sehe: „Es ist wirklich ein ganz kleines Baufeld.“ Zudem solle es eine frühzeitige Bürgerbeteiligung geben, damit Anwohner Anregungen und Bedenken in den Planungsprozess einbringen könnten. Bisher habe sie auch keine Kritik aus Finthen gehört. Gerade diese letzte Aussage von Grosse verärgert Dr. Volker Bechthold. „Das ist unerhört“, schimpfte er in der Sitzung. Denn bereits 2014 als es erste Konzepte gab, die dann aber wegen Planungen an der Autobahn zurückgestellt wurden, hat Bechthold rund 150 Protest-Unterschriften bei Anwohnern gesammelt. Die Unterschriften seien auch der Dezernentin übergeben worden, ergänzt Beate Bechthold gegenüber der AZ. Dass an der Römerquelle nicht alles eitel Sonnenschein ist, hätte Grosse also wissen müssen.Eigentlich würden sich die Anwohner wünschen, dass die „grüne Lunge“ unangetastet bleibt, ist sich Volker Bechthold sicher. Da sich eine Bebauung auf der privaten Fläche wohl aber nicht verhindern lasse, sollten die geplanten Gebäude auf dem ansteigenden Gelände wenigstens kleiner ausfallen. „Das sind viereinhalb Stockwerke, da verdüstert sich der Himmel“, befürchtet der Finther. Die alten Pläne von 2014 haben ihm zufolge ein deutlich kleineres Wohngebiet vorgesehen. Die nun angedachten 120 Wohnungen seien für die Römerquelle überdimensioniert. Denn mit den Neubürgern werde auch die Verkehrsbelastung größer. Und das könnte das Gebiet überfordern, glaubt Bechthold: „Hier ist schon jetzt alles zu.“ Die in der Nähe liegenden Spielplätze seien ebenfalls schon überbelegt, sodass viele Kinder auf der Straße spielten, kritisiert Beate Bechthold. Und dass das zusätzliche Abwasser von der Kanalisation aufgenommen werden könne, sei ebenfalls unsicher – insbesondere, wenn es zu Starkregen komme. 

Kritik gab es aber auch im Bauausschuss: Für Gerd Schreiner (CDU) sind die Gebäude so nahe beieinander, dass sie sich gegenseitig verschatten werden. Und Claus Berndroth (Freie Wähler) monierte, dass die Bauwerke zu dicht an der lauten Autobahn platziert seien. Sie konnten sich aber ebenso wenig durchsetzen, wie Eckhardt, der anregte, eine kleinere Bebauung vorzuschreiben und die Bürgerbeteiligung erst dann einzuleiten, wenn derzeit noch fehlende Gutachten vorliegen.

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