Wohnen statt exerzieren

Auf Basis des Siegerentwurfs plädiert Bauausschuss erneut für Quartier auf GFZ-Areal

Allgemeine Zeitung, 12. April 2019, Heiko Beckert, MAINZ.

OBERSTADT. Falls die GFZ-Kaserne tatsächlich 2022 von der Bundeswehr aufgegeben wird – sicher ist das nicht –, dann will die Stadt auf dem Gelände möglichst schnell ein Wohnquartier errichten. Das betonte Baudezernentin Marianne Grosse (SPD) im Bau- und Sanierungsausschuss, der sich, trotz Widerspruch der CDU, mehrheitlich erneut hinter das Projekt stellte. 

Der neuerliche Beschluss war unter anderem notwendig geworden, weil sich im Sommer 2018 ein Entwurf der beiden Tübinger Büros „Hähnig – Gemmeke“ und Stefan Fromm in einem Architekturwettbewerb durchgesetzt hat (die AZ berichtete). 

Nun wird ein Bebauungsplanentwurf auf Basis des Siegerentwurfs erstellt. Darüber hinaus votierte das Gremium unter anderem für eine frühzeitige öffentliche Beteiligung. Einen Termin gibt es dafür aber noch nicht. 

„Das ist ein herausragender städtebaulicher Entwurf“, sagte Grosse mit Blick auf die Pläne der beiden Architekturbüros, die in der Mitte des Areals größere Gebäude vorsieht, am östlichen und südlichen Rand dagegen kleinere Häuser. Auf dem Gelände sollen 500 Wohnungen, eine neue Ortsverwaltung und ein Kindergarten Platz finden. 

Überzeugen konnten die Pläne und Grosses Plädoyer die Vertreter der CDU, die schon seit Jahren Bedenken anmelden, auch diesmal nicht. Ablehnend zeigte sich unter anderem Gerd Schreiner. „Wir bauen immer nur Sardinenbüchsen“, kritisierte er die seiner Meinung nach zu enge Bebauung. Zudem möchte er warten, bis der künftige Flächenbedarf des benachbarten Unternehmens Biontech feststeht. 

Das mochte Grosse so nicht stehen lassen. „Wir sind in guten Gesprächen mit allen Beteiligten“, betonte sie. Gerade Biontech zeige sich mit dem Vorhaben der Stadt sehr zufrieden. 

Darüber hinaus sei auf dem Gelände viel Grün geplant, und bei den Gebäudestrukturen seien sogar Wünsche der CDU aufgegriffen worden. Wichtig sei nicht zuletzt, dass in der Kaserne dringend benötigter bezahlbarer Wohnraum entstehe.

Mit Festgottesdienst in eine neue Ära

Melanchthon-Gemeinde weiht neues Zentrum mit Zeltkirche und Nebenräumen ein

Allgemeine Zeitung, 10. April 2019, Karin Weber, MAINZ.

OBERSTADT . „Das schicke Gemeindehaus nebenan ist jetzt endlich fertig“, rief Pfarrer Dr. Thomas Stahlberg der Evangelischen Melanchthongemeinde zu. Mit einem Festgottesdienst in der Melanchthonkirche weihte die 1954 gegründete Oberstadtgemeinde ihren neuen Anbau im Grüngürtel des sogenannten schlesischen Viertels ein. 

Hell und großzügig präsentiert sich das neue Zentrum. Der lichtdurchflutete Anbau hat ein helles Foyer und bildet somit eine repräsentative Eingangssituation für die quadratische Zeltkirche. Zum anderen öffnet sich zur Beuthener Straße hin der eigentliche Gemeindesaal mit den drei markanten Glasfenstern „Glaube, Liebe und Hoffnung“. Er soll künftig vielfältig genutzt werden: für Feste der Gemeinde und private Feiern, für Gemeindearbeit und die Treffen der verschiedenen Gruppen, aber auch als Bewegungsraum der angrenzenden Melanchthon-Kita. Eine „Multifunktionsbox“ mit Teeküche, Ausgabetresen und Nebenräumen teilt den quadratischen Baukörper in funktionale Zonen und bildet das praktische Herzstück des neuen Gemeindehauses. 

Mit der Einweihung ist die Planungs- und Bauphase fast abgeschlossen. Nur ein Stück des Vordachs über dem Eingang muss noch ergänzt werden. Gerd Schreiner, Vorsitzender des Kirchenvorstands, blickte zurück: „Vor drei Jahren musste das intensiv genutzte Gemeindehaus von einer Minute auf die nächste geschlossen werden.“ Denn beim Blick in den Dachstuhl habe man einen immensen Schaden entdeckt: Gleich mehrere Dachbalken waren aufgrund einer hohen Belastung gebrochen und zogen die sofortige Schließung des Gebäudes nach sich. Drei Jahre lang fehlte die Versammlungsstätte. Daher dankte der Kirchenvorsteher allen, die in dieser Zeit eng zusammenrückten, für deren Geduld. In seiner Predigt sprach Pfarrer Stahlberg von positiver Energie, aus der heraus „etwas so Schönes“ entstanden sei. Aufgrund heutiger Vorgaben musste das neue Zentrum jedoch um ein Drittel kleiner ausfallen. Denn für die 1700 Gemeindemitglieder sei der alte Saal formal zu groß gewesen. 

Architekt Christian Kleebach erläuterte die Idee des Neubaus. Er sei in seiner Kubatur der markanten Zeltkirche angepasst. Das Ensemble bilde nun eine sichtbare Einheit. Durch das Flachdach des Holzständerbaus werde zudem das „Schmuckstück“ der Gemeinde, die Kirche, wesentlich besser wahrgenommen. 

Kurze Bauzeit, die Kosten praktisch eingehalten – Dekan Andreas Klodt freute sich mit der Gemeinde und wünschte allen, dass das Haus intensiv genutzt werde. 

Schreiner wies abschließend darauf hin, dass die drei evangelischen Gemeinden der Oberstadt – Luther, Thomas und Melanchthon – gut zusammenarbeiten. Die Melanchthongemeinde werde auch künftig „ein aktiver Gestalter des Lebens in der Oberstadt sein.“

Verzögerung nach Goldfund

Landtagsbaustelle dennoch im Zeitplan / Parlament soll noch 2020 zurückziehen

Allgemeine Zeitung, 9. April 2019, Sonja Ingerl, MAINZ.

Ein Paar Arbeitshandschuhe hängt über einem staubigen Gerüst. Wenn nicht all die Bauarbeiter dem Gebäudeskelett Leben einhauchen würden, könnte man den Landtag in Mainz für einen verlassenen Ort halten. Doch das Gegenteil ist der Fall: Im zweiten Quartal 2020 seien die Bauarbeiten voraussichtlich fertig, verkündet Projektleiterin Sabine Huppert vom Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung (LBB). Die Mitarbeiter der Landtagsverwaltung können dann in der zweiten Jahreshälfte zurückziehen. Und auch der Plenarsaal wird an seinen angestammten Platz zurückkehren, allerdings mit modernem Mobiliar. Derzeit tagen die Abgeordneten in der Steinhalle des Landesmuseums. Noch 2020, so der Plan, soll die erste Landtagssitzung im neuen Saal stattfinden. 

Keine zusätzlichen Kosten bisher 

Einer, der sich auf die Rückkehr freut, ist der Mainzer Abgeordnete Gerd Schreiner (CDU). „Wir haben dann schlicht und ergreifend mehr Platz“, erklärt er. So sei dann genug Raum, sich mal auszutauschen. „Das war im Altbau doch recht eng.“ Die Sanierung des alten Landtagsgebäudes, des Deutschhauses, startete im Dezember 2015. Die Mitarbeiter der Landtagsverwaltung mussten ins Isenburg-Karree ziehen, ein früheres Gefängnis in der Nähe des Justizministeriums. „Der Umzug der Büros hat nur eine Woche gedauert. Der Umzug des Plenarsaals allerdings brauchte ein bisschen länger“, berichtet Elke Steinwand von der Abteilung Kommunikation des Landtags. Es habe rund zwei Monate gedauert, bis Stück für Stück des Saals abgebaut und in der Steinhalle des Landesmuseums wieder aufgebaut worden sei. Die Interimszeit im Landesmuseum nutzt der CDU-Politiker Schreiner auch, Besucher durch die Ausstellungen zu schicken. „Ich glaube, so viele Besucher wie zurzeit gab es noch nie.“ 

Steinwand hat gute Nachrichten: „Die Baustelle ist im Kostenplan.“ Die geplanten Gesamtkosten der Sanierung in Höhe von 60 Millionen Euro könnten voraussichtlich eingehalten werden. 

Einen Weg um das Mammutprojekt herum gab es nicht, denn das Gebäude, das im Zweiten Weltkrieg fast komplett niedergebrannt war und dann in den 1950er Jahren in nur 150 Tagen wieder hochgezogen worden war, war alles andere als zeitgemäß. Eine Generalsanierung des Deutschhauses war auch finanziell die vernünftigste Entscheidung, heißt es von den Verantwortlichen. „Der Landtag hat den Vorschriften im Hinblick auf Barrierefreiheit und Brandschutz nicht mehr entsprochen“, sagt Steinwand. Außerdem sei die technische Ausrüstung unzulänglich gewesen. Dabei habe es durchaus auch Herausforderungen gegeben, wie unvorhergesehene Fundstücke, berichtet Huppert. „Bei archäologischen Grabungen ist zum Beispiel eine byzantinische Goldmünze gefunden worden, worüber die Archäologen sehr glücklich waren, was die Bauarbeiten aber natürlich etwas verzögert hat.“ 

Status jetzt: Der Rohbau des Nebengebäudes, in dem neben einem Restaurant auch Besprechungsräume untergebracht werden, ist abgeschlossen. Auch der Übergang zur Staatskanzlei steht im Rohbau. Im entkernten Deutschhaus – dessen Fassade erhalten bleibt – befindet man sich in der Wiederaufbauphase. Für das Restaurant wird noch ein Pächter gesucht. 

KOSTENVERTEILUNG 

Die Gesamtkosten der Sanierung teilen sich laut Landesbetrieb LBB wie folgt auf: Rund 55 Prozent entfällt auf das Bauwerk (Hochbaugewerke) und zirka 35 Prozent werden für die technischen Anlagen benötigt. Der Rest sei für die Außenanlagen und die Erschließungsarbeiten vorgesehen.

„Potenzial für richtig Ärger“

An der Finther Römerquelle soll ein neues Wohngebiet entstehen / Bauausschuss kritisiert Ausführung

Allgemeine Zeitung, 6. April 2019, Heiko Beckert, MAINZ.

FINTHEN. Die Römerquelle soll ein neues Wohnquartier erhalten. Zwischen Sertoriusring und der A 60 plant ein privater Investor anstelle brach liegender Tennisplätze auf einem etwa einen Hektar großen Privatgrundstück die Errichtung von vier Wohngebäuden. Diese Planungen gefallen nicht jedem. So warnte Dr. Gerd Eckhardt (CDU) im Bauausschuss: „Das hat das Potenzial, dass es richtig Ärger gibt.“ Dennoch befürwortete der Ausschuss mehrheitlich das Konzept. 

Was ist in Finthen vorgesehen? In der Nähe der Autobahn soll ein sehr großer, U-förmiger Gebäudekomplex entstehen, der sich zum Sertoriusring öffnet. Zwischen diesem Komplex und dem Sertoriusring sollen zudem drei deutlich kleinere Punktgebäude errichtet werden. Eine zentrale Tiefgarage und möglicherweise eine Kindertagesstätte, die in einem der vier Gebäude untergebracht werden könnte, vervollständigen die Pläne. Die Häuser bestehen laut Konzept aus je vier Vollgeschossen und einem Staffelgeschoss. Insgesamt sind 120 Mietwohnungen vorgesehen, darunter auch sozial geförderte. Den zusätzlichen Verkehr muss der Sertoriusring aufnehmen. 

Baudezernentin Marianne Grosse (SPD) betonte, dass sie das Projekt angesichts der Wohnungsnot begrüße und kaum Konfliktpotenzial sehe: „Es ist wirklich ein ganz kleines Baufeld.“ Zudem solle es eine frühzeitige Bürgerbeteiligung geben, damit Anwohner Anregungen und Bedenken in den Planungsprozess einbringen könnten. Bisher habe sie auch keine Kritik aus Finthen gehört. Gerade diese letzte Aussage von Grosse verärgert Dr. Volker Bechthold. „Das ist unerhört“, schimpfte er in der Sitzung. Denn bereits 2014 als es erste Konzepte gab, die dann aber wegen Planungen an der Autobahn zurückgestellt wurden, hat Bechthold rund 150 Protest-Unterschriften bei Anwohnern gesammelt. Die Unterschriften seien auch der Dezernentin übergeben worden, ergänzt Beate Bechthold gegenüber der AZ. Dass an der Römerquelle nicht alles eitel Sonnenschein ist, hätte Grosse also wissen müssen.Eigentlich würden sich die Anwohner wünschen, dass die „grüne Lunge“ unangetastet bleibt, ist sich Volker Bechthold sicher. Da sich eine Bebauung auf der privaten Fläche wohl aber nicht verhindern lasse, sollten die geplanten Gebäude auf dem ansteigenden Gelände wenigstens kleiner ausfallen. „Das sind viereinhalb Stockwerke, da verdüstert sich der Himmel“, befürchtet der Finther. Die alten Pläne von 2014 haben ihm zufolge ein deutlich kleineres Wohngebiet vorgesehen. Die nun angedachten 120 Wohnungen seien für die Römerquelle überdimensioniert. Denn mit den Neubürgern werde auch die Verkehrsbelastung größer. Und das könnte das Gebiet überfordern, glaubt Bechthold: „Hier ist schon jetzt alles zu.“ Die in der Nähe liegenden Spielplätze seien ebenfalls schon überbelegt, sodass viele Kinder auf der Straße spielten, kritisiert Beate Bechthold. Und dass das zusätzliche Abwasser von der Kanalisation aufgenommen werden könne, sei ebenfalls unsicher – insbesondere, wenn es zu Starkregen komme. 

Kritik gab es aber auch im Bauausschuss: Für Gerd Schreiner (CDU) sind die Gebäude so nahe beieinander, dass sie sich gegenseitig verschatten werden. Und Claus Berndroth (Freie Wähler) monierte, dass die Bauwerke zu dicht an der lauten Autobahn platziert seien. Sie konnten sich aber ebenso wenig durchsetzen, wie Eckhardt, der anregte, eine kleinere Bebauung vorzuschreiben und die Bürgerbeteiligung erst dann einzuleiten, wenn derzeit noch fehlende Gutachten vorliegen.