Un­ter­stüt­zung für „AKK“

Gro­den-Kra­nich will Kramp-Kar­ren­bau­er bei Par­tei­tag am Frei­tag als neue CDU-Par­tei­vor­sit­zen­de wäh­len / Zwei De­le­gier­te aus Mainz in Ham­burg

Allgemeine Zeitung, 6. Dezember 2018, Mi­cha­el Er­furth, MAINZ.

Auch bei den Main­zer Christ­de­mo­kra­ten steigt die Span­nung: Wer wird am Frei­tag beim Bun­des­par­tei­tag in Ham­burg als Nach­folg­erin oder Nach­fol­ger von CDU-Par­tei­che­fin An­ge­la Mer­kel ge­wählt? Zwei der 1001 De­le­gier­ten, die dort ab­stim­mungs­be­rech­tigt sind, kom­men aus Mainz: die Bun­des­tags­ab­geord­ne­te Ur­su­la Gro­den-Kra­nich und der Land­tags­ab­geord­ne­te Gerd Schrei­ner. Auch die Main­zer CDU-Vor­sit­zen­de Sa­bi­ne Fle­gel steht auf der De­le­gier­ten­lis­te des CDU-Lan­des­ver­ban­des. Sie kann al­ler­dings aus be­ruf­li­chen Grün­den beim drei­tä­gi­gen Par­tei­tag nicht da­bei sein. Fle­gel und Gro­den-Kra­nich ha­ben ei­ne kla­re Fa­vor­itin: An­neg­ret Kramp-Kar­ren­bau­er. Sie wür­de Kamp-Kar­ren­bau­er ih­re Stim­me ge­ben, sagt Sa­bi­ne Fle­gel im AZ-Ge­spräch. Aber auch Fried­rich Merz kön­ne sie sich gut als Par­tei­vor­sit­zen­den vor­stel­len. „Jens Spahn ist noch jung. Der wird sei­nen Weg noch ma­chen“. Bei der CDU-Re­gio­nal­kon­fe­renz in Idar-Ober­stein, bei der sich die drei Kan­di­da­ten vor­ge­stellt hat­ten, war Fle­gel vor Ort. Dort sei sie in ih­rer po­si­ti­ven Mei­nung zu „AKK“, wie An­neg­ret Kramp-Kar­ren­bau­er oft ge­nant wird, be­stärkt wor­den. „Sie ist sehr schlag­fer­tig, durch­set­zungs­fä­hig, hat kla­re Vor­stel­lun­gen und wä­re ei­ne gu­te Par­tei­vor­sit­zen­de“, so Fle­gel. „Den Vor­wurf, Kramp-Kar­ren­bau­er sei ein Du­pli­kat von An­ge­la Mer­kel, kann ich nicht nach­voll­zie­hen“. Die Loya­li­tät der CDU-Ge­ne­ral­se­kre­tä­rin ge­gen­über der Bun­des­kanz­le­rin ha­be nichts da­mit zu tun, dass sie kei­ne ei­ge­nen Vor­stel­lun­gen und Zie­le ha­be. Auch bei ih­rer „Zu­hör-Tour“ durch Deutsch­land als neue Ge­ne­ral­se­kre­tä­rin ha­be sie in Mainz über­zeugt, sagt die Main­zer CDU-Che­fin. Da Fle­gel nicht zum Bun­des­par­tei­tag fah­ren kann, wird ei­ne CDU-Po­li­ti­ke­rin aus der Pfalz auf der De­le­gier­ten­lis­te nach­rü­cken. Mit die­ser Par­teif­reun­din ha­be sie ge­spro­chen, be­rich­tet Fle­gel: „Sie wird An­neg­ret Kamp-Kar­ren­bau­er wäh­len.“ Auch Ur­su­la Gro­den-Kra­nich wird ih­re Stim­me Kramp-Kar­ren­bau­er ge­ben. Die po­li­ti­schen Er­fah­run­gen als In­nen­mi­nis­te­rin und Mi­nis­ter­prä­si­den­tin des Saar­lan­des wie auch als CDU-Ge­ne­ral­se­kre­tä­rin sprä­chen für die Kan­di­da­tin. „Und sie hat ge­zeigt, wie man Wah­len ge­winnt“, ver­weist Gro­den-Kra­nich auf die Er­fol­ge im Bun­des­land. „AKK“ ha­be auch be­wie­sen, dass sie an­de­re in­te­grie­ren kön­ne und nicht po­la­ri­sie­re. „Das ist in der CDU als breit auf­ge­stell­ter Volks­par­tei wich­tig.“ Kramp-Kar­ren­bau­er sei ei­ne gu­te Zu­hö­re­rin, die An­re­gun­gen der Ba­sis ge­wiss­en­haft auf­neh­men wür­de. Dass es drei Be­wer­ber für den Par­tei­vor­sitz gibt und die­se sich der Ba­sis vor­ge­stellt hat­ten, sei sehr po­si­tiv. Da­rin sind sich Fle­gel, Gro­den-Kra­nich und auch Schrei­ner ei­nig. „An­de­re Par­tei­en wä­ren froh, wenn sie solch star­ke Kan­di­da­ten hät­ten“, sagt Schrei­ner. Der Main­zer Land­tags­ab­geord­ne­te in­des will nicht ver­ra­ten, wem er sei­ne Stim­me bei der ge­hei­men Wahl in Ham­burg ge­ben wird.

CDU will Ab­schie­bung wei­ter­hin zen­tra­li­sie­ren

Flücht­lin­ge nur bei Blei­be­per­spek­ti­ve zu Kom­mu­nen

Allgemeine Zeitung, 5. Dezember 2018, Mar­kus Lach­mann, MAINZ.

Die CDU in Rhein­land-Pfalz hält an ih­rem Kon­zept ei­ner zen­tra­len Ein­rich­tung für die Ab­schie­bung ab­ge­lehn­ter Asyl­be­wer­ber fest. In ei­nem An­trag zum ak­tu­el­len Dop­pel­haus­halt heißt es: „Um ei­ne ef­fek­ti­ve Rück­füh­rung ga­ran­tie­ren zu kön­nen, müs­sen die Or­ga­ni­sa­ti­on von Ab­schie­bung, Ab­schie­be­haft und frei­wil­li­ger Rück­füh­rung lan­des­weit zen­tral ge­bün­delt wer­den.“ Auch die Fests­tel­lung von Iden­ti­tät und Al­ter der Flücht­lin­ge sol­le zen­tral er­fol­gen. Die Asyl­su­chen­den wür­den erst dann auf die Kom­mu­nen ver­teilt, wenn auch klar sei, dass sie in Deutsch­land ei­ne Blei­be­per­spek­ti­ve ha­ben. Horst See­ho­fer und Co. hat­ten das Gan­ze mal „An­ker­zen­trum“ ge­nannt – die CDU-Land­tags­frak­ti­on spricht nun von der „Zen­tral­stel­le zur Auf­nah­me und Rück­füh­rung von Asyl­su­chen­den“. Frak­ti­ons­chef Chris­ti­an Bal­dauf sag­te am Diens­tag, sei­ne Frak­ti­on schla­ge da­für 18 Mil­lio­nen Eu­ro im Lan­des­haus­halt vor. Asyl­be­wer­ber soll­ten nicht mehr sechs, son­dern bis zu 18 Mo­na­te in der Er­stauf­nah­me blei­ben. 145 Än­de­rungs­an­trä­ge zum Lan­des­haus­halt 145 Än­de­rungs­an­trä­ge zum Haus­halt, der näch­ste Wo­che vom Land­tag be­schlos­sen wer­den soll, hat die CDU ein­ge­bracht. Sie schlägt fast 500 Mil­lio­nen Eu­ro mehr an In­ves­ti­tio­nen als die Re­gie­rung vor. So soll mehr Geld in Stra­ßen­bau, Kran­ken­häu­ser, Po­li­zei, Ki­tas, Hoch­schu­len, Mo­bil­funk-Aus­bau und Leh­rer­stel­len flie­ßen. Auch will die CDU stär­ker Schul­den ab­bau­en. Wie der haus­halt­spo­li­ti­sche Spre­cher Gerd Schrei­ner sag­te, sol­len zur Ge­gen­fi­nan­zie­rung Haus­halt­san­sät­ze der Re­gie­rung von mehr als 900 Mil­lio­nen Eu­ro ge­kürzt wer­den. Un­ter an­de­rem will sie die Mit­tel für Bürg­er­bü­ro und PR in der Staats­kanz­lei strei­chen. Die CDU will die En­er­giea­gen­tur und das grü­ne In­teg­ra­ti­ons­mi­nis­te­ri­um auf­lö­sen. Des­sen Auf­ga­ben sol­len wie­der von So­zi­al-, In­nen- und Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um über­nom­men wer­den.

„13 Jah­re Dau­er­frust der Au­to­fah­rer“ In­ter­view: Statt schon im Jahr 2005 den Aus­bau der A643 vor­an­zu­trei­ben, wur­de den Um­welt­schüt­zern et­was vor­ge­macht – sagt der CDU-Po­li­ti­ker Gerd Schrei­ner

Allgemeine Zeitung, 1. Dezember 2018, Interview mit Markus Lachmann, WIES­BA­DEN/MAINZ. 

Hes­sen baut, Rhein­land-Pfalz schaut: Wäh­rend die neue Schiers­tei­ner Brü­cke mit sechs Spu­ren in Hes­sen schon in we­ni­gen Jah­ren fix und fer­tig sein wird, hat das Land Rhein­land-Pfalz so­eben erst den Bau­an­trag für die sechs­spu­ri­ge A643 ein­ge­reicht. Es könn­te noch ein Jahr­zehnt dau­ern, bis hier die er­sten Au­tos auf der aus­ge­bau­ten Au­to­bahn fah­ren wer­den. Wir spra­chen da­zu mit dem Main­zer CDU-Ab­ge­ord­ne­ten Gerd Schrei­ner.

Herr Schrei­ner, der Ver­kehrs­mi­nis­ter hat jetzt den An­trag für Plan­fests­tel­lung zum sechs­spu­ri­gen Aus­bau der A643 bei Mainz ein­ge­reicht. Freu­en Sie sich? 

Wir wis­sen seit 2005, dass die Vor­land­brü­cke bei Mainz ab­ge­ris­sen und neu ge­baut wer­den muss. Die Re­gie­rung hat jetzt 13 Jah­re ge­braucht, nur um die Un­ter­la­gen zu­sam­men­zu­stel­len. Wir ha­ben seit 13 Jah­ren Dau­er­frust der Au­to­fah­rer und ei­ne schwie­ri­ge Si­tua­ti­on für die Wirt­schaft auf bei­den Rhein­sei­ten. Das ist wahr­lich kein Grund zur Freu­de. Auch wur­de der Ter­min im­mer wie­der ver­scho­ben. 

Der am­tie­ren­de Ver­kehrs­mi­nis­ter Vol­ker Wiss­ing ist doch nicht der rich­ti­ge Adres­sat der Kri­tik. Er darf ja nur aus­löf­feln, was ihm an­de­re ein­ge­brockt ha­ben… 

Die ge­sam­te Lan­des­re­gie­rung steht in der Kri­tik. In Hes­sen hat man es ge­schafft, trotz Vo­gel- und Na­tur­schutz­ge­biet ei­ne neue Brü­cke samt Vor­land­brü­cke zu bau­en. Dort wur­de vom er­sten Tag an kons­truk­tiv das Ge­spräch mit den Um­welt­schüt­zern ge­sucht. In Gei­sen­heim wird ein Rhei­narm als Aus­gleich re­na­tu­riert. Des­halb hat man es in Hes­sen oh­ne Kla­gen ge­schafft. Auf rhein­land-pfäl­zi­scher Sei­te hat man den Um­welt­schutz­ver­bän­den mit run­den Ti­schen über Jah­re et­was vor­ge­macht, an­statt klar die Kar­ten auf den Tisch zu le­gen. So führt kein Weg da­ran vor­bei, dass ne­ben der al­ten Vor­land­brü­cke ei­ne neue ge­baut wer­den muss. Statt­des­sen wur­de so ge­tan, als kön­ne man mit ei­ner „4+2-Lö­sung“ mit dem be­ste­hen­den Brü­cken­bau­werk et­was ma­chen. Es war aber vom er­sten Tag an klar, das funk­tio­niert nicht. Der Brü­cken­trä­ger ist ka­putt. Das ist üb­ri­gens kein Vor­wurf an die Um­welt­schüt­zer, die ma­chen nur ih­ren Job. 

Was ist Ih­re Ein­schät­zung: Wann wer­den die er­sten Au­tos auf der sechs­spu­ri­gen A643 bei Mainz fah­ren kön­nen? 

Das wird um 2030 sein. Bis zu die­sem Zeit­punkt wer­den Au­to­fah­rer aus Hes­sen nur über ei­ne S-Kur­ve mit Tem­po­re­du­zie­rung nach Rhein­land-Pfalz kom­men. Wenn man be­denkt, dass der Neu­bau der Schiers­tei­ner Brü­cke und der Aus­bau der A643 die wich­tigs­ten Bau­vor­ha­ben hier in der Re­gi­on sind, dann kann man das nur noch als Ar­muts­zeug­nis der SPD-ge­führ­ten Lan­des­re­gie­rung wer­ten. 

Ist nicht die Quin­tes­senz die­ses Brü­cken­cha­os, dass man künf­tig Pla­nung und Bau aus ei­nem Guss braucht, auch län­der­über­grei­fend? 

Es gab ja ei­nen Ver­trag zwi­schen Hes­sen und Rhein­land-Pfalz für die­ses Pro­jekt. Al­ler­dings woll­te Rhein­land-Pfalz von dem Ver­trag dann nichts mehr wis­sen. 

Hät­te der Bau­un­fall 2015 ei­gent­lich ver­hin­dert wer­den kön­nen? 

Statt ei­ne neue Vor­land­brü­cke zu pla­nen und zu bau­en, wur­de ver­sucht, die al­te an der Ver­bin­dung zur neu­en Schiers­tei­ner Brü­cke zu er­tüch­ti­gen. Da­zu hat man Un­men­gen von Ze­ment­mör­tel in den Bo­den hin­ein­ge­presst, um dann kopf­schüt­telnd da­vor zu ste­hen, wa­rum denn so viel da­von im Bo­den ver­schwin­det. Und an­statt dann mal in­ne­zu­hal­ten, kam die An­wei­sung: Wei­ter­ma­chen. Dann darf man sich doch nicht wun­dern. Wir kön­nen nur froh sein, dass nie­mand zu Scha­den ge­kom­men ist. Das Kern­pro­blem ist das Jahr 2005. Da hät­te man die Pla­nun­gen zum Neu­bau der Brü­cke be­gin­nen müs­sen. 

Das In­ter­view führ­te Mar­kus Lach­mann. 

ZUR PER­SON 

Gerd Schrei­ner, 48, ge­bür­ti­ger Main­zer, Ar­chi­tekt . Ver­hei­ra­tet, drei Kin­der. 

Seit 1987 in der CDU, seit 1997 Ab­geord­ne­ter im rhein­land-pfäl­zi­schen Land­tag . Im Land­tag ist er haus­halts- und fi­nanz­po­li­ti­scher Spre­cher und Be­auf­trag­ter für Bar­rie­ref­rei­heit, In­klu­si­on und Teil­ha­be der CDU-Frak­ti­on. Von 1999 bis 2014 war er Mit­glied im Main­zer Stadt­rat.