Vie­le neue Ge­sich­ter

CDU-Frak­ti­ons­chef Hanns­georg Schö­nig ist Spit­zen­kan­di­dat für Kom­mu­nal­wahl

Allgemeine Zeitung, 19.November 2018, Ale­xan­dra Ei­sen, MAINZ.

Vie­le Hän­de, die ge­mein­sam an ei­nem Strang zie­hen – das war nicht im­mer so in der Main­zer CDU. Und des­halb soll die­ses Mo­tiv, das bei der Mit­glie­der­ver­samm­lung über der Büh­ne auf ei­ne Lein­wand pro­ji­ziert wird, ei­ne neue Ära sym­bo­li­sie­ren. Und an die­sem Sams­tag in der Gon­sen­hei­mer Jahn­turn­hal­le ge­lingt der Uni­on das har­mo­ni­sche Mit­ein­an­der. Der mit Span­nung er­war­te­te Vor­schlag der Par­tei­spit­ze für die Kan­di­da­ten­lis­te zur Kom­mu­nal­wahl 2019 wird oh­ne Dis­kuss­io­nen und Kampf­kan­di­da­tu­ren von den knapp 170 Mit­glie­dern mehr oder we­ni­ger durch­ge­wun­ken. Nur hier und da gibt die Zahl der Ja-Stim­men im Be­reich um die 60 Pro­zent ei­nen Hin­weis auf leich­ten Un­mut über be­kann­te Kan­di­da­ten oder auf Un­si­cher­heit bei neu­en Ge­sicht­ern. Wie schon bei der ver­gan­ge­nen Kom­mu­nal­wahl zieht die Main­zer CDU mit Hanns­georg Schö­nig, Frak­ti­ons­vor­sit­zen­der der Strad­trats­frak­ti­on, als Spit­zen­kan­di­dat in den Wahl­kampf. Der 54-Jäh­ri­ge er­hielt 85 Pro­zent der Stim­men. Ist die Spit­zen­kan­di­da­tur ein er­ster Hin­weis auf den OB-Wahl­kampf im Ok­to­ber? Da­rauf ge­ben Schö­nig und Par­tei­che­fin Fle­gel auch an die­sen Sams­tag kei­ne Ant­wort. Die CDU hat ih­ren Kan­di­da­ten oder ih­re Kan­di­da­tin bis­lang nicht be­nannt. Ur­su­la Gro­den-Kra­nich be­legt Platz zwei Schö­nig hat­te zu­vor in sei­nem Be­richt über die Ar­beit der Stadt­rats­frak­ti­on die Am­pel-Koa­li­ti­on im Rat­haus scharf kri­ti­siert. Die bei­den De­zer­nen­ten Ka­trin Eder (Grü­ne, Ver­kehr) und Christ­opher Sit­te (FDP, Wirt­schaft), die näch­ste Wo­che zur Wie­der­wahl ste­hen, be­zeich­ne­te er als „To­ta­laus­fall“. Er ver­mis­se in der Main­zer Po­li­tik „Vi­sio­nen, neue Ide­en und Auf­bruch“. Platz zwei be­legt die Main­zer Bun­des­tags­ab­geord­ne­te Ur­su­la Gro­den-Kra­nich (81 Pro­zent). CDU-Kreis­vor­sit­zen­de Sa­bi­ne Fle­gel geht auf Lis­ten­platz 3 in den Kom­mu­nal­wahl­kampf (87,6 Pro­zent). Die 52-jäh­ri­ge Gon­sen­hei­mer Orts­vor­ste­he­rin er­klär­te im Vor­feld des Wahl­gangs, dass die Zu­sam­men­stel­lung der Lis­te ei­ne schwe­re Auf­ga­be ge­we­sen sei. „Man will nie­man­den vor den Kopf sto­ßen, viel­leicht gibt es Ent­täu­schun­gen. Aber heu­te geht es nicht um Emp­find­lich­kei­ten und Ei­tel­kei­ten, son­dern um un­ser Ziel und um die Par­tei.“ Ei­nen klei­nen Dämp­fer gibt es für Klaus Haf­ner, der mit nur 62 Pro­zent der Stim­men ge­wählt wird. Bei der ver­gan­ge­nen Kom­mu­nal­wahl hat­te der be­lieb­te Sta­di­ons­pre­cher des 1. FSV Mainz 05 erst­mals kan­di­diert und war von den Main­zer Wäh­lern vom ur­sprüng­li­chen Lis­ten­platz 11 auf Platz 3 ka­ta­pul­tiert wor­den. Dies­mal setzt man ihn gleich auf Platz 4. Ganz an­ders das Er­geb­nis von Fast­nacht­si­ko­ne Tho­mas Ne­ger, seit zehn Jah­ren im Stadt­rat. Mit 95,8 Pro­zent Ja-Stim­men er­zielt er an die­sem Tag das be­ste Er­geb­nis. Ei­ne neu­es jun­ges Ge­sicht in der Stadt­po­li­tik ist Na­ta­scha Bau­er, die in der Gro­ßen Lang­gas­se ei­nen Fri­seur­sa­lon be­treibt und auf den aus­sichts­rei­chen Lis­ten­platz 10 ge­wählt wird (75 Pro­zent). Die 33-jäh­ri­ge Mut­ter ei­nes 14 Mo­na­te al­ten Soh­nes nennt Fa­mi­li­en­po­li­tik und die In­te­res­sen der Ge­wer­be­trei­ben­den als Schwer­punk­te ih­rer kom­mu­nal­po­li­ti­schen Ar­beit. CDU-Ur­ge­stein Wolf­gang Rei­chel, frü­he­rer Main­zer Um­welt­de­zer­nent, bis 2016 streit­ba­rer CDU-Kreis­vor­sit­zen­der und ehe­ma­li­ger Land­tags­ab­geord­ne­ter, taucht bei der Mit­glie­der­ver­samm­lung nicht auf. Bis zu­letzt wur­de spe­ku­liert, ob er sich nicht doch als Kan­di­dat prä­sen­tie­ren wird. Er wird dem neu­en Stadt­rat nun nicht mehr an­ge­hö­ren. Auch an­de­re lang­jäh­ri­ge Stadt­rats­mit­glie­der sind nicht mehr auf der Lis­te: Dr. Gerd Eck­hardt, Prof. Dr. Mi­cha­el Pietsch, Dr. Chris­ti­an Mo­er­chel, Ka­rin Traut­wein und Dr. Bar­ba­ra Both. Auf den 60 Lis­ten­plät­zen ste­hen 15 Kan­di­da­ten, die nicht äl­ter als 35 Jah­re sind, so­wie 20 Frau­en, un­ter den aus­sichts­rei­chen er­sten 20 fin­den sich 9 Frau­en. Fle­gel und Schö­nig zeig­ten sich nach der fünf­ein­halb­stün­di­gen Ver­samm­lung sicht­lich zu­frie­den – die Mit­glie­der sei­en den Weg der Er­neue­rung und Ver­jün­gung mit­ge­gan­gen. „Die Lis­te spricht al­le Schich­ten der Ge­sell­schaft an, wir ha­ben vie­le in­te­res­san­te Per­sön­lich­kei­ten. Wir ha­ben das be­ste An­ge­bot“, sagt Fle­gel.

DIE ER­STEN 20 LIS­TEN­PLÄT­ZE Hanns­georg Schö­nig (133 Ja, 23 Nein, 4 Ent­hal­tun­gen), Ur­su­la Gro­den-Kra­nich (126, 23, 8), Sa­bi­ne Fle­gel (135, 19, 2), Klaus Haf­ner (94, 57, 7), Clau­dia Sieb­ner (136, 22, 1), Tho­mas Gers­ter (134, 186), Dr. Mar­kus Rein­bold (140, 12, 3), Kars­ten Lan­ge (131, 19, 3), Nor­bert Sol­bach (117, 33, 7), Na­ta­scha Bau­er (110, 36, 9), Gerd Schrei­ner (113, 28, 9), Lud­wig Hol­le (107, 29, 11), Ma­nu­ela Matz (118, 25, 4), Tors­ten Ro­he (103, 35, 5), Tho­mas Ne­ger (137, 6, 2), Dr. Pe­ter Tress (107, 28, 11), An­et­te Oden­wel­ler (115, 22, 5), Me­lis­sa En­ders (95, 36, 9).

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