Lan­des­haus­halt: Spa­ren war ge­stern

ETAT Weil die Steu­ern spru­deln, er­lebt Rhein­land-Pfalz ei­nen Rück­fall in die Fi­nanz­po­li­tik frü­he­rer Jah­re

Allgemeine Zeitung, 25. August 2018, Markus Lachmann, MAINZ.

Da­go­bert Duck, je­ner ver­knorz­te Mil­li­ar­där aus En­ten­hau­sen, schwimmt im Geld. Schaut man sich die fi­nanz­iel­le La­ge in Rhein­land-Pfalz an, so nimmt die Re­gie­rung zwar nicht je­den Tag ein Bad im Lan­des­ver­mö­gen. Aber aus der Du­sche pras­seln den­noch ein paar Gold­ta­ler.

Die Bun­des­län­der land­auf, lan­dab, freu­en sich über nach­hal­ti­gen Steu­er­se­gen. Zer­bra­chen sich die Po­li­ti­ker noch vor Jah­ren den Kopf, wie sie die Schul­den brem­sen könn­ten – Stich­wort Schul­den­brem­se – so fah­ren nun die meis­ten Fi­nanz­mi­nis­ter ih­re Schul­den so­gar zu­rück. Die lie­gen in Rhein­land-Pfalz noch im­mer bei mehr als 30 Mil­li­ar­den Eu­ro. Als Re­gie­rungs­che­fin Ma­lu Drey­er und ih­re Fi­nanz­mi­nis­te­rin Do­ris Ah­nen (bei­de SPD) vor we­ni­gen Ta­gen den Haus­halts­ent­wurf für die kom­men­den bei­den Jah­re vor­stell­ten, be­müh­ten sie die His­to­rie – zu Recht: Erst­mals seit 1969 macht das Land kei­ne neu­en Schul­den. Es wer­den so­gar al­te Schul­den ab­ge­tra­gen. 2019 bei­spiels­wei­se wird das Land vor­aus­sicht­lich 240 Mil­lio­nen Eu­ro mehr ein­neh­men als aus­ge­ge­ben.

Zu­rück zum Bad in den Gold­ta­lern: In­ner­halb von zwei Jah­ren stei­gen die Steu­er­ein­nah­men um un­glau­bli­che 1,7 Mil­li­ar­den Eu­ro an. Auf­grund der spru­deln­den Ein­nah­men kann das Land so­gar Geld auf die ho­he Kan­te le­gen. Für schnel­les In­ter­net, für die Be­am­ten­pen­sio­nen und zur Ab­si­che­rung zu­künf­ti­ger Ri­si­ken. Doch wo wird ge­spart? Das kann nie­mand in der Am­pel-Re­gie­rung so recht sa­gen. „Es wird nicht ge­spart, son­dern im­mer mehr Geld aus­ge­ge­ben“, sagt der haus­halt­spo­li­ti­sche Spre­cher der CDU-Op­po­si­ti­on im Land­tag, Gerd Schrei­ner.

Und so schöpft man in Mainz aus den Vol­len. Ge­gen­über 2017 (16,4 Mil­li­ar­den Eu­ro) wer­den die Aus­ga­ben 2020 um fast zwei Mil­li­ar­den Eu­ro (18,3 Mil­li­ar­den Eu­ro) stei­gen. In der Fi­nanz­wis­sen­schaft ist man sich re­la­tiv ei­nig: In fet­ten Jah­ren muss die öf­fent­li­che Hand kräf­tig in­ves­tie­ren. Auch um beim tech­no­lo­gi­schen Wan­del nicht den An­schluss zu ver­pas­sen. So weit, so gut. Geld fließt in Bil­dung, in­ne­re Si­cher­heit und Jus­tiz. Ge­ra­de die FDP hat hart ge­run­gen, um ih­re zu­sätz­li­chen Stel­len in Ge­rich­ten und bei Staats­an­walt­schaf­ten al­les­amt durch­zu­be­kom­men.

Re­né Quan­te vom Bund der Steu­er­zah­ler Rhein­land-Pfalz weist al­ler­dings da­rauf hin, dass – ge­mes­sen an dem Steu­er­auf­wuchs – die zu­sätz­li­chen In­ves­ti­tio­nen mit rund 160 Mil­lio­nen Eu­ro in zwei Jah­ren ver­gleichs­wei­se be­schei­den da­her­kä­men. Das sei­en ge­ra­de mal zehn Pro­zent. Wa­rum? Vie­les fließt in lau­fen­de Aus­ga­ben. In er­ster Li­nie in Per­so­nal. Auf der ei­nen Sei­te hat­te sich die Re­gie­rung vor­ge­nom­men, 1650 Stel­len ab­zu­bau­en, auf der an­de­ren Sei­te wer­den nun 1500 Stel­len neu ge­schaf­fen. Es wird al­so nur um­ge­schich­tet. Spa­ren war ge­stern. Auch die Be­am­ten er­hal­ten fet­te Zu­schlä­ge. „Die Ver­sor­gungs­aus­ga­ben ex­plo­die­ren“, so Quan­te. So ste­he bei den Ver­sor­gungs­aus­ga­ben ein sat­tes Plus von 15 Pro­zent von 2017 bis 2020 zu Bu­che. Oh­ne Re­for­men, sagt der Steu­er­zah­ler­bund, wer­den die Zah­len wei­ter mas­siv in die Hö­he schnel­len. „Will die Am­pel den Kampf um die be­sten Köp­fe wirk­lich auch bei den Pen­sio­nä­ren füh­ren?“, ätzt Quan­te. Aus sei­ner Sicht geht der Haus­halt zwar grund­sätz­lich in die rich­ti­ge Rich­tung, aber es gibt Op­ti­mie­rungs­be­darf. So for­dert er bei­spiels­wei­se die Ab­schaf­fung der Stra­ßen­aus­bau­ge­büh­ren oder die Sen­kung der Grund­steu­er. „Gebt den Bürg­ern ihr Geld zu­rück“, sagt der Steu­er­zah­ler­bund. Das kann man sich bei Da­go­bert Duck nur schwer­lich vor­stel­len.

Land: Un­se­re Brü­cken sind si­cher

VER­KEHR: Mi­nis­ter Wiss­ing: Sa­nie­rung ei­ne „Jahr­hun­dert­auf­ga­be“ / Op­po­si­ti­on: Wann wird Aus­bau der A 643 be­an­tragt?

Allgemeine Zeitung, 24. August 2018, Mar­kus Lach­mann, MAINZ.

Noch ist nicht klar, was ge­nau die Brü­cke bei Ge­nua zum Ein­sturz ge­bracht hat. Al­ler­dings stam­men auch in Rhein­land-Pfalz, ähn­lich wie die ita­lie­ni­sche Au­to­bahn­brü­cke, vie­le Bau­wer­ke aus den 60er- oder 70er-Jah­ren. Ver­kehrs­mi­nis­ter Vol­ker Wiss­ing (FDP) sag­te am Don­ners­tag im Land­tag, es sei ei­ne „Jahr­hun­dert­auf­ga­be“, die Brü­cken für die künf­ti­gen Her­aus­for­de­run­gen fit zu ma­chen. Und er gab Ent­war­nung: „Al­le Brü­cken in Rhein­land-Pfalz sind für den Ver­kehr ge­eig­net, stand­fest und ge­nü­gen den An­for­de­run­gen.“

Al­ler­dings hat nicht je­de der rund 7500 Brü­cken, über die der Lan­des­be­trieb Mo­bi­li­tät wacht (Bun­des-, Lan­des-, und Kreis­brü­cken), ei­ne gu­te No­te. 376 da­von sind in ei­nem nicht aus­rei­chen­den oder un­ge­nü­gen­den Zu­stand. Wiss­ing be­ton­te al­ler­dings, dass ei­ne schlech­te No­te nicht au­to­ma­tisch Rück­schlüs­se auf die Si­cher­heit der Brü­cke zu­las­se. So kön­ne auch ein schlech­ter Zu­stand des Brü­cken­ge­län­ders zu ei­ner schlech­ten Be­wer­tung füh­ren.

Un­ter­sucht wer­den die Bau­wer­ke von sie­ben Brü­cken­prüf­trupps des Lan­des­be­triebs mit ins­ge­samt 17 Mit­ar­bei­tern. Bei Be­darf wer­den auch ex­ter­ne Spe­zi­a­lis­ten hin­zu­ge­holt. Al­le drei Jah­re wird ei­ne Brü­cke un­ter­sucht. Ei­ne gro­ße In­spek­ti­on er­folgt al­le sechs Jah­re. CDU-Land­tags­frak­ti­ons­chef Chris­ti­an Bal­dauf for­der­te die Re­gie­rung auf, vor­aus­schau­en­der zu pla­nen: „Wir brau­chen ei­ne Prio­ri­tä­ten­lis­te für Brü­cken­sa­nie­run­gen.“ Frak­ti­ons­kol­le­ge Gerd Schrei­ner (CDU) hin­ter­frag­te den ge­plan­ten Stra­ßen­bau­etat der Lan­des­re­gie­rung. Die­ser soll von der­zeit 121 Mil­lio­nen Eu­ro auf 124 Mil­lio­nen im kom­men­den und 126 Mil­lio­nen im da­rauf­fol­gen­den Jahr stei­gen. Setzt man die Bau­preis­stei­ge­run­gen der ver­gan­ge­nen Jah­re an (et­was mehr als fünf Pro­zent), wächst der Etat prak­tisch nicht. Wiss­ing sag­te in­des, der von der Re­gie­rung vor­ge­schlag­ene Be­trag sei aus­rei­chend und wer­de dem „Be­darf voll ge­recht“.

Mi­nis­ter: Wir ar­bei­ten mit Hoch­druck am A643-Aus­bau

Auch zum sechs­spu­ri­gen Aus­bau der Au­to­bahn 643 zwi­schen Mainz-Mom­bach und -Gon­sen­heim hat die Op­po­si­ti­on Fra­gen an den Mi­nis­ter. Hat­te des­sen Sprech­erin vor we­ni­gen Wo­chen noch er­klärt, der An­trag für die Plan­fests­tel­lung wer­de vor­aus­sicht­lich noch in die­sem Jahr ein­ge­reicht, so woll­te sich Wiss­ing nun nicht mehr auf ei­nen kon­kre­ten Zeit­punkt fest­le­gen. Er wies al­ler­dings Kri­tik zu­rück, in sei­nem Mi­nis­te­ri­um wür­de nicht Tem­po ge­macht. „Es wird mit Hoch­druck da­ran ge­ar­bei­tet.“ Dem CDU-Ab­ge­ord­ne­ten Gerd Schrei­ner reicht das nicht. „Herr Wiss­ing muss auf­hö­ren, Wor­te zu drech­seln, son­dern er muss end­lich mal lie­fern.“

Schon seit 2005 war klar, dass die Schiers­tei­ner Brü­cke neu ge­baut wer­den muss. 2015 ver­sprach der da­ma­li­ge Ver­kehrs­mi­nis­ter Ro­ger Le­wentz (SPD), 2016 die Plan­fests­tel­lung für die A 643 zu be­an­tra­gen. Nun be­fin­den wir uns in der zwei­ten Jah­res­hälf­te 2018.

ZAH­LEN

Der Zu­stand der Lan­des- und Kreis­brü­cken in Rhein­land-Pfalz ist laut Re­gie­rung in et­wa mit an­de­ren Bun­des­län­dern ver­gleich­bar. So lie­ge die Durch­schnitts­no­te der Lan­des­brü­cken, be­zo­gen auf die Flä­che, in Rhein­land-Pfalz bei 2,25. In Ba­den-Würt­tem­berg bei 2,34.


Aus den Mie­sen: Land legt Etat vor

HAUS­HALT: Schwer­punk­te Jus­tiz und Si­cher­heit

Allgemiene Zeitung, 21. August 2018, MAINZ.

Kei­ne neu­en Kre­di­te, die Schul­den­brem­se schon ein Jahr vor­her er­füllt und mehr Geld für Di­gi­ta­li­sie­rung, Si­cher­heit und Bil­dung – die Lan­des­re­gie­rung hat am Mon­tag ih­ren Ent­wurf für den Haus­halt der bei­den näch­sten Jah­re vor­ge­legt. Da­bei pro­fi­tiert sie von an­hal­tend ho­hen Steu­er­ein­nah­men und dem nie­dri­gen Zins­ni­veau, wie Fi­nanz­mi­nis­te­rin Do­ris Ah­nen (SPD) er­klär­te. Der erst­mals seit 1969 struk­tu­rell (al­so be­son­de­re Kon­junk­tu­rein­flüs­se her­aus­ge­rech­net) aus­ge­gli­che­ne Haus­halt sei das „Er­geb­nis ei­nes zehn­jäh­ri­gen Kon­so­li­die­rungs­pro­zes­ses – und ich ver­ra­te kein Ge­heim­nis: Der war nicht ein­fach.“

Der Ent­wurf für die Aus­ga­ben des Lan­des zei­ge, „dass wir kräf­tig in die Zu­kunfts­fä­hig­keit un­se­res Lan­des in­ves­tie­ren“, sag­te Mi­nis­ter­prä­si­den­tin Ma­lu Drey­er (SPD). Als Schwer­punk­te für In­ves­ti­tio­nen nann­te sie schnel­le In­ter­net-Ver­bin­dun­gen mit ei­nem Gi­ga­bit pro Se­kun­de, in­ne­re Si­cher­heit so­wie ge­büh­ren­freie Bil­dung von der Ki­ta bis zur Hoch­schu­le.

Der fi­nanz­po­li­ti­sche Spre­cher der CDU-Land­tags­frak­ti­on, Gerd Schrei­ner, sprach von ei­nem Haus­halts­ent­wurf, mit dem das Land nur mit­tel­mä­ßig ver­wal­tet wer­de. „Be­son­ders be­sorg­nis­er­re­gend ist die viel zu nie­dri­ge In­ves­ti­ti­ons­quo­te. Stra­ßen, Brü­cken und Au­to­bah­nen sind in ei­nem schlech­ten Zu­stand.“ AfD-Frak­ti­ons­chef Uwe Jun­ge kri­ti­sier­te, dass es in vie­len Be­rei­chen zu ei­ner Aus­ga­ben­stei­ge­rung kom­me. „Die Lan­des­re­gie­rung zockt mit der Wet­te auf gu­te Rah­men­be­din­gun­gen um ei­nen sta­bi­len Haus­halt, oh­ne ei­ge­ne er­kenn­ba­ren Kon­so­li­die­rungs­maß­nah­men vor­zu­neh­men.“