„Das Land hat 250 Mil­lio­nen in­ves­tiert“

UNI­ME­DI­ZIN: Staats­se­kre­tär Bar­ba­ro kon­tert Vor­wür­fe, das Land un­ter­stüt­ze Kli­ni­kum zu we­nig

Allgemeine Zeitung, 3. Juli 2018, Mi­cha­el Ber­mei­tin­ger, MAINZ.

Das 33-Mil­lio­nen-Mi­nus der Uni­me­di­zin in 2017 hat auch die CDU-Op­po­si­ti­on im Land­tag auf den Plan ge­ru­fen. Der Main­zer Ab­geord­ne­te und fi­nanz­po­li­ti­sche Spre­cher sei­ner Frak­ti­on, Gerd Schrei­ner, warf der Lan­des­re­gie­rung vor, das Kli­ni­kum nicht aus­rei­chend zu un­ter­stüt­zen. Pro­fes­sor Sal­va­to­re Bar­ba­ro, Wis­sen­schafts­staats­se­kre­tär und Auf­sichts­rat­schef der Uni­me­di­zin, weist ge­gen­über un­se­rer Zei­tung die Vor­wür­fe zu­rück.

Ei­ner der Haupt­vor­wür­fe war, dass der jähr­li­che Lan­des­zu­schuss für For­schung und Leh­re, seit 1996 stag­nie­re. „Das ist falsch“, so Bar­ba­ro, „Ein Ver­gleich zum da­ma­li­gen Zu­füh­rungs­be­trag ist nicht mög­lich, denn da gab es noch ei­ne an­de­re Struk­tur mit ei­nem Fach­be­reich Me­di­zin und ei­nem ge­trenn­ten Kli­ni­kum.“ Seit Ein­rich­tung der ei­gen­stän­di­gen Uni­me­di­zin sei die Zu­wei­sung von 85,7 Mil­lio­nen Eu­ro in 2009 auf 95,6 Mil­li­on in 2017 ge­stie­gen.

Zu­sätz­lich ziel­ge­rich­te­te Mit­tel für Pro­jek­te

Wo­bei die Pau­schal­sum­me für die Uni­me­di­zin in der Tat un­we­sent­lich ge­stie­gen sei, al­ler­dings ha­be es zu­sätz­lich ziel­ge­rich­te­te Mit­tel ge­ge­ben. Et­wa durch „Wis­sen schafft Zu­kunft“ oder die For­schungs­ini­tia­ti­ve. „Ei­ne ge­ziel­te Schwer­punkt­för­de­rung“, so Bar­ba­ro. So sei das neue Helm­holtz-In­sti­tut „HI-TRON“, ei­ne Ko­ope­ra­ti­on des Deut­sche Krebs­for­schungs­zen­trums (DKFZ) mit dem For­schungs­in­sti­tut für Trans­la­tio­na­le On­ko­lo­gie an der Uni­me­di­zin (TRON), und das Deut­sche Re­si­lienz­zen­trum mit Lan­des­mit­teln ge­för­dert wor­den.

Als „et­was un­fair“ emp­fin­det Bar­ba­ro die Vor­wür­fe, das Land en­ga­gie­re sich nicht ge­nug. Und was die Strei­chung des Be­trags von ei­ner Mil­li­on Eu­ro für ho­heit­li­che Auf­ga­ben an­ge­he, so sei die­se Zu­wei­sung im re­gu­lä­ren Zu­füh­rungs­ti­tel ver­ste­tigt wor­den. „Na­tür­lich könn­te es im­mer mehr Geld sein“, sagt der Staats­se­kre­tär. Al­ler­dings ha­be das Land in den ver­gan­ge­nen Jah­ren rund 250 Mil­lio­nen Eu­ro in Neu­bau­ten in­ves­tiert. Da­zu er­hal­te die Uni­me­di­zin ak­tu­ell 70 Mil­lio­nen Eu­ro, die zur Hälf­te in neue Ge­rä­te zur Bild­ge­bung flie­ßen, aber auch in den Bau­un­ter­halt.

Dass die Uni­me­di­zin mitt­ler­wei­le auf ei­nem über 100 Mil­lio­nen ho­hen Schul­den­berg sitzt, ist für CDU-Mann Schrei­ner nicht un­ab­wend­bar. Zwar sei es der öf­fent­li­chen Hand ver­bo­ten, ei­nem ein­zel­nen Kli­ni­kum Bei­hil­fe zu ge­wäh­ren, „al­ler­dings hat das Land Hes­sen ei­nen Weg ge­fun­den, der Uni­kli­nik Frank­furt zu hel­fen – und das mit Er­laub­nis der EU.“ So ha­be sich Hes­sen ei­nen Zu­schuss zur wirt­schaft­li­chen Sa­nie­rung ge­neh­mi­gen las­sen, zah­le für die Ent­schul­dung 15 Mil­lio­nen Eu­ro im Jahr, „und Rhein­land-Pfalz zahlt der Uni­me­di­zin nichts“.

Bei­hil­fe­an­trag mit an­de­ren Bun­des­län­dern bei der EU

Für Bar­ba­ro ein Weg, den Rhein­land-Pfalz nicht ge­hen kön­ne, denn Hes­sen ha­be eben kei­nen An­trag bei der EU ge­stellt, son­dern ge­wäh­re oh­ne Er­laub­nis der Kom­mis­si­on die Bei­hil­fe. „Das kann man ma­chen, ist aber ris­kant“, so Bar­ba­ro. Kla­ge ein an­de­res Kli­ni­kum bei der EU ge­gen die Hil­fe, müss­ten wäh­rend der Prüf­zeit von min­des­tens ein­ein­halb Jah­ren ei­ner­seits die Zu­schüs­se ein­ge­fro­ren wer­den, an­de­rer­seits sei­en in die­ser Zeit auch an­de­re Maß­nah­men ver­bo­ten. Wä­re die Kla­ge er­folg­reich, müss­te zu­dem das be­reits ge­zahl­te Geld wie­der zu­rück­über­wie­sen wer­den.

Nach ent­spre­chen­den Er­fah­run­gen des Lan­des in Sa­chen Nür­burg­ring sei klar, dass es kei­ne Bei­hil­fen oh­ne EU-No­ti­fi­zie­rung ge­be. „Da­rauf hat auch im­mer die CDU be­stan­den.“

Statt­des­sen sei man im Dia­log mit den an­de­ren Bun­des­län­dern, wer­de im Herbst auch mit dem Ver­band der Uni­ver­si­täts­kli­ni­ka spre­chen, um dann ge­mein­sam bei der EU ei­nen An­trag auf Hil­fen für die ver­schul­de­ten Uni­kli­ni­ken zu stel­len

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