Der Ek­lat bleibt aus

FALL SU­SAN­NA: In der De­bat­te im Main­zer Land­tag zur Blut­tat von Wies­ba­den geht es an­ge­nehm sach­lich zu

Allgemeine Zeitung, 21. Juni 2018, Mar­kus Lach­mann, MAINZ.

Lan­ge hat­ten sie in der Land­tags­ver­wal­tung am Diens­tag ge­tagt. Die AfD hat­te näm­lich für die Land­tags­sit­zung in Mainz am Mitt­woch ei­ne Schwei­ge­mi­nu­te für die er­mor­de­te Su­san­na be­an­tragt. Das woll­te man ei­gent­lich nicht zu­las­sen, an­de­rer­seits der AfD kei­nen Spiel­raum für ei­nen Ek­lat wie im Bun­des­tag er­mög­li­chen. Dort hat­te ein AfD-Ab­geord­ne­ter ein­fach sei­ne Re­de­zeit für ei­ne Schwei­ge­mi­nu­te her­ge­ge­ben, was für Un­mut im Rest-Par­la­ment sorg­te.

Der Main­zer Par­la­ments­prä­si­dent Hen­drik Her­ing (SPD) nahm am Mitt­woch, vor der Aus­spra­che im Land­tag, der AfD et­was Wind aus den Se­geln, ap­pel­lier­te an die Ver­ant­wor­tung des „Ho­hen Hau­ses“, und be­rich­te­te von ei­nem Te­le­fo­nat mit Su­san­nas Mut­ter vom Vor­tag. „Die Fa­mi­lie lei­det auch da­run­ter, dass von Su­san­na und ih­rer Fa­mi­lie ein ver­zerr­tes Bild in der Öf­fent­lich­keit ge­zeich­net wird.“ Er kön­ne gut ver­ste­hen, wenn die Fa­mi­lie jetzt zur Ru­he kom­men wol­le. Das wer­de das Par­la­ment re­spek­tie­ren.

AfD sieht den Fall wie ein „Brenn­glas“

Klu­ge, wohl ge­wähl­te Wor­te, die auch AfD-Frak­ti­ons­chef Uwe Jun­ge ak­zep­tier­te. Jun­ge skiz­zier­te noch ein­mal den Wer­de­gang des Ira­kers Ali Bas­har, den die AfD ex­em­pla­risch für al­les sieht, was in der deut­schen Asyl­po­li­tik seit 2015 schief ge­gan­gen ist. Il­le­gal ein­ge­reist, Asy­lan­trag ab­ge­lehnt, Kla­ge da­ge­gen und Dul­dung. „Dass die Kla­ge bis zum Mord an Su­san­na an­der­thalb Jah­re spä­ter nicht ein­mal be­ar­bei­tet wur­de, das ist der ei­gent­li­che Skan­dal.“ Das sei der Lauf der Din­ge: Je­der Park­sün­der und je­der GEZ-Ge­büh­ren­ver­wei­ge­rer be­kom­me die vol­le Här­te des Rechts­staats zu spü­ren, aber Kri­mi­nel­le wie Bas­har wür­den mit Sam­thand­schu­hen an­ge­fasst und auch noch Pro­zess­kos­ten­hil­fe be­kom­men.

Jo­han­nes Klo­mann (SPD) er­in­ner­te noch ein­mal da­ran, dass in ei­nem Rechts­staat Straf­ta­ten rechts­staat­lich ver­folgt wür­den. Wie die JA, die Ju­gend­or­ga­ni­sa­ti­on der AfD, mit dem Schi­cksal des er­mor­de­ten Main­zer Mäd­chens um­gin­ge, sei „pie­tät­los und ge­schma­cklos“, so Klo­mann. Er spiel­te auf ein im In­ter­net ver­brei­te­tes Fo­to an, das blut­be­schmier­te Hän­de zeig­te. „Es geht nur noch um die In­stru­men­ta­li­sie­rung, das Schü­ren von Emo­tio­nen und die Gier nach Li­kes.“

Wie Klo­mann er­in­ner­te Da­ni­el Kö­bler (Grü­ne) an die So­li­da­ri­tät der Main­zer mit der Fa­mi­lie der er­mor­de­ten Su­san­na. Und er sei froh, dass der Hass, der seit Wo­chen ge­schürt wer­de, „in Mainz nicht auf frucht­ba­ren Bo­den fällt.“ Wie Kö­bler wei­ter aus­führ­te, ge­be es na­tür­lich Fra­gen: Hät­te die Tat ver­hin­dert wer­den kön­nen, sind die Er­mitt­lun­gen op­ti­mal ge­lau­fen, wie­so konn­te Bas­har zu­nächst in den Irak flüch­ten? „Müs­sen die po­li­ti­schen Rah­men­be­din­gun­gen ge­än­dert wer­den, wie kön­nen wir Ver­fah­ren be­schleu­ni­gen, und: wie kön­nen wir jun­ge Frau­en und Mäd­chen bes­ser vor sol­chen Ta­ten schüt­zen?“ Klar sei aber auch: Schuld ha­be nun­mal zu­erst der Tä­ter. Und da müs­se man die Jus­tiz ar­bei­ten las­sen. Auch Tho­mas Roth (FDP) be­ton­te, man wer­de über Asyl­ver­fah­ren und ih­re Dau­er, über po­li­ti­sche Kon­se­quen­zen spre­chen müs­sen. Aber nicht heu­te.

Schrei­ner for­dert „Kul­tur der Acht­sam­keit“

Gerd Schrei­ner (CDU) for­der­te mehr Res­sour­cen und Zeit für Prä­ven­ti­on, um Kin­der und Schü­ler bes­ser zu schüt­zen; ei­ne „neue Kul­tur der Acht­sam­keit“. Und er leg­te den Fin­ger noch ein­mal in die Wun­de und stell­te die Fra­ge, ob man in Rhein­land-Pfalz mit Hoch­druck je­der schwe­ren Straf­tat nach­ge­hen kön­ne. „Die Ant­wort lau­tet: Nicht in je­dem Fall.“

Auch auf die Fra­ge, ob Ge­fähr­der oh­ne Auf­ent­halts­recht au­ßer Lan­des ge­bracht wür­den, ob das Land ge­nug Po­li­zis­ten ha­be, um ein 14-jäh­ri­ges Kind in je­dem Fall und un­ver­züg­lich zu su­chen, lau­te die Ant­wort: „Lei­der nicht.“

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