Gue­ril­la-Ak­ti­on der CDU

GOLD­GRU­BE: Wie die Christ­de­mo­kra­ten früh­mor­gens auf ih­re Sicht in der Rad­weg-De­bat­te auf­merk­sam ma­chen

Allgemeine Zeitung, 6. Juni 2018, Mi­ka En­gel­hardt und Ale­xan­dra Ei­sen, OBERSTADT.

Kurz nach 8 Uhr herrscht am Mon­tag auf der Kreu­zung An der Gold­gru­be/Hechts­hei­mer Stra­ße re­ger Be­rufs­ver­kehr. Au­tos, Bus­se und Rad­ler kämp­fen sich vor­wärts. Und mit­ten­drin ei­ni­ge Män­ner in ne­on-oran­ge­nen Warn­wes­ten mit ei­ner Mis­si­on. Sie schie­ben am Rand der Fahr­bahn ei­nen Krei­de­wa­gen hin und her und zie­hen auf bei­den Sei­ten ih­re ei­ge­nen Li­ni­en.

Es ist ei­ne Gue­ril­la-Ak­ti­on in Sa­chen „Kampf ge­gen den ge­plan­ten Fahr­rad-Schutz­strei­fen“. Mit­glie­der der CDU Ober­stadt wol­len zei­gen, dass die­ser Plan von Ver­kehrs­de­zer­nen­tin Ka­trin Eder (Grü­ne) nicht funk­tio­nie­ren kann und vor al­lem für die Rad­ler ge­fähr­lich ist.

Die Christ­de­mo­kra­ten Gerd Schrei­ner und Lud­wig Hol­le ha­ben die Brei­te des Fahr­rads­trei­fens ex­akt mit dem Zoll­stock ab­ge­mes­sen. 1,5 Me­ter plus 0,5 Me­ter Ab­stand zum Bord­stein. Dann kommt das Krei­de­wä­gel­chen ins Spiel, das ih­nen ein rhein­hes­si­scher Sport­ver­ein zur Ver­fü­gung ge­stellt hat. Knapp 40 Me­ter Rads­trei­fen le­gen sie so zu bei­den Sei­ten der Gold­gru­be zwi­schen Welsch- und Ernst-Neeb-Stra­ße an.

So sehr man den Män­nern auch den Spaß an die­ser un­ge­wöhn­li­chen Ak­ti­on an­merkt, so ernst ist für sie doch der Hin­ter­grund. „Wir hof­fen, dass sich die Stadt noch ein­mal Ge­dan­ken macht über ihr Kon­zept und Al­ter­na­ti­ven prüft, da­mit es si­che­rer wird für die Rad­fah­rer“, sagt Hol­le. Denn die ge­plan­te Ver­le­gung des Rad­ver­kehrs auf die Stra­ße mit­tels Schutz­strei­fen ist für die CDU ei­ne Va­ri­an­te, die Rad­ler ge­fähr­det (die AZ be­rich­te­te mehr­fach).

Der al­te Fahr­rad­weg zwi­schen Ebers­hei­mer Weg und Hechts­hei­mer Stra­ße ist auf­grund von Baum­wur­zeln nicht mehr be­fahr­bar. Vor­schlag der Christ­de­mo­kra­ten: Den al­ten Rad­weg er­hal­ten und ver­brei­tern. Da­mit blie­be für Au­tos und Bus­se auf der Fahr­bahn mehr Platz. Bei dem von der Stadt be­vor­zug­ten Schutz­strei­fen kä­men Au­tos und Bus­se kaum an­ein­an­der vor­bei, so­bald ein Rad­ler den Strei­fen nutzt. Die Fahr­bahn hät­te dann nur noch ein Brei­te von fünf Me­tern. „Be­son­ders die Bus­se müss­ten bei die­sem Plan weit über den Mit­tel­strei­fen fah­ren, um den Rad­fahr­ern nicht in die Que­re zu kom­men – der Ver­kehr wird blo­ckiert“, be­fürch­tet Hol­le.

Der Pra­xis­test am Mor­gen mit dem Krei­de­strich zeigt: Die meis­ten Au­to­fah­rer ig­no­rie­ren ihn. Aber ei­ni­ge Bus­se be­ach­ten den „il­le­ga­len“ Rad­weg und fah­ren tat­säch­lich über den Mit­tel­strei­fen. Die Ak­ti­on hat­te aber noch ein wei­te­res Er­geb­nis: „Uns ist erst heu­te be­wusst ge­wor­den, dass die von der Stadt au­ßer­dem ge­plan­ten Park­ta­schen zwi­schen Bür­gers­teig und Schutz­strei­fen die Sicht be­hin­dern wür­den, wenn Au­tos in die Gold­gru­be ein­fah­ren woll­ten“, sagt Gerd Schrei­ner. Auch dies sei ei­ne Ge­fahr für die Rad­ler.

Die Gue­ril­la-Ak­ti­on, die im Vor­aus nicht bei der Stadt an­ge­mel­det war, hat­te für Schrei­ner und Hol­le den er­wünsch­ten Ef­fekt. Der Krei­de­strich wird spä­tes­tens mit dem näch­sten Re­gen wie­der ver­schwun­den sein. Aber die Dis­kuss­ion in der Ober­stadt wird wei­ter­ge­hen.

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