CDU will brei­te­re Rad­we­ge

GOLD­GRU­BE: Kon­zept soll Baum­wur­zeln er­hal­ten, aber auch als Park­plät­ze ge­nutzt Flä­chen auf der Stra­ße strei­chen

Allgemeine Zeitung, 29. Mai 2018, Isa­bel Lin­den und Ca­ri­na Schmidt, OBERSTADT.

Die Stadt ist sich si­cher: Ein Schutz­strei­fen ist die be­ste Lö­sung, Rad­fah­rer si­cher über das rund 300 Me­ter lan­ge Stra­ßen­stück an der Gold­gru­be zwi­schen Ebers­hei­mer Weg und Hechts­hei­mer Stra­ße zu füh­ren. Nö­tig wa­ren die Über­le­gun­gen ge­wor­den, nach­dem der al­te Rad­weg durch Baum­wur­zeln ver­kehrs­un­si­cher ge­wor­den war und weil die er­satz­wei­se Pik­to­gramm­ket­te auf der Stra­ße bei Rad- und Au­to­fahr­ern für Ver­wir­rung sorgt (die AZ be­rich­tet mehr­fach).

Die CDU hat ei­ne an­de­re Sicht der Din­ge, die nun Gerd Schrei­ner, fi­nanz­po­li­ti­scher Spre­cher der CDU-Land­tags­frak­ti­on mit der Ober­stadt-CDU vor Ort vor­stell­te. Die­ses Al­ter­na­tiv­kon­zept soll Rad- und Au­to­fahr­ern ein si­che­res Be­nut­zen ga­ran­tie­ren. Und das oh­ne ei­nen Baum zu fäl­len oder die Höch­stgesch­win­dig­keit her­ab­zu­set­zen – al­ler­dings mit we­ni­ger Park­plät­zen.

„Das ak­tu­el­le städ­ti­sche Kon­zept ist nicht si­cher und ver­ur­sacht Stau“, mein­te Schrei­ner. Nach dem von dem Ar­chi­tek­ten mit­ent­wi­ckel­ten Kon­zept wür­den die ehe­ma­li­gen Rad­we­ge in Rich­tung Fahr­bahn er­wei­tert wer­den, so­dass die Baum­wur­zeln um­fah­ren wer­den kön­nen, oh­ne ab­ge­fräst wer­den zu müs­sen. Da­durch ver­blie­be ei­ne Fahr­bahn von sie­ben­ein­halb Me­tern, auf der – rein rech­ne­risch – auch zwei Stadt­bus­se an­ein­an­der vor­bei­fah­ren könn­ten.

Um die Ver­brei­te­rung der Rad­we­ge zu er­mög­li­chen, wür­den je­doch die Flä­chen auf der Stra­ße weg­fal­len, die zwar kei­ne of­fi­ziel­len Park­plät­ze sind aber als sol­che ge­nutzt wer­den. „Bei ver­kehrs­ar­men Zei­ten wie den Sonn­tags­got­tes­diens­ten in Sankt Al­ban könn­ten Aus­nah­me­re­ge­lun­gen ein­ge­führt wer­den“, schlug Schrei­ner vor. Eben­falls weg­fal­len wür­den die Flä­chen zwi­schen den Bäu­men, bei de­nen es sich um kei­ne er­laub­ten Park­plät­ze han­delt. Um das Wild­par­ken an der Stel­le zu ver­hin­dern, sol­le die Bord­stein­kan­te er­höht wer­den. Der CDU-Po­li­ti­ker be­ton­te: „Wir möch­ten so das ge­fähr­li­che Kreu­zen des Rad­wegs ver­mei­den.“

Den Ver­lust von Stell­flä­chen se­hen vie­le An­woh­ner kri­tisch, die beim Vor­ort-Ter­min ih­ren Un­mut äu­ßer­ten. Schon jetzt sei­en Park­plät­ze um die Gold­gru­be he­rum ein knap­pes Gut. An den Nach­mit­tag park­ten al­lein elf Au­tos zwi­schen den Bäu­men. „Wir ha­ben hier in Zu­kunft mit ei­ner er­heb­li­chen Ver­kehrs­ver­meh­rung zu rech­nen“, gab Er­win Stuf­ler (Grü­ne) zu be­den­ken. Zu­dem pla­ne die MVB-Fi­lia­le ih­ren Stand­ort aus­bau­en, die Fir­ma Bi­on­tech eben­falls. Au­ßer­dem ge­be es er­höh­ten Be­darf bei Ver­an­stal­tun­gen des Ten­nis­clubs TSC Mainz. Und: Pend­ler sei­en in dem Vier­tel schon lan­ge ein Pro­blem.

Doch was hält die Ver­wal­tung von der CDU-Va­ri­an­te? Auf AZ-An­fra­ge teil­te Ralf Pe­ter­han­wahr von der städ­ti­schen Pres­ses­tel­le mit, dass sie be­reits ge­prüft wor­den sei, aber nicht durch­führ­bar wä­re. „Die Baum­wur­zeln ra­gen schon heu­te stel­len­wei­se 1 bis 1,50 Me­ter in den be­ste­hen­den Rad­weg hin­ein, so­dass die ent­spre­chen­den Un­eben­hei­ten ent­ste­hen“, führ­te er aus. Beim CDU-Vor­schlag wür­de ein durch­gän­gig be­nutz­ba­rer Rad­weg (oh­ne Sturz­ge­fahr durch Baum­wur­zeln) le­dig­lich 50 Zen­ti­me­ter auf ei­ner Stra­ßen­sei­te und ein Me­ter auf der an­de­ren Stra­ßen­sei­te breit sein. Sol­che Ma­ße sei­en nicht re­gel­kon­form und für Rad­fah­ren­de auch nicht ge­fahr­los nutz­bar.

Nicht un­ter­stüt­zen wol­le die Stadt au­ßer­dem, dass beim Vor­schlag der Christ­de­mo­kra­ten sämt­li­che Stra­ßen­park­plät­ze weg­fal­len wür­den. Der Vor­schlag der Ver­wal­tung war, an ver­schie­de­nen Stel­len des al­ten Rad­wegs Park­ta­schen an­zu­le­gen. Da­durch soll kon­trol­lier­tes Par­ken er­mög­licht und das Wild­par­ken auf Grün­strei­fen ver­hin­dert wer­den. „Zu­dem steht fest, dass die Bäu­me die­sen tie­fen Ein­griff in die Bor­de nicht un­be­scha­det über­ste­hen wür­den“, sag­te Pe­ter­han­wahr.

Auch das Un­fall­ri­si­ko bei Ein- und Aus­fahr­ten der Grund­stü­cke wür­de be­ste­hen blei­ben. Pe­ter­han­wahr: „Die Un­fall­zah­len be­wei­sen im­mer wie­der, dass Rad­fah­ren­de in die­sen Be­rei­chen von Au­to­fah­ren­den über­se­hen wer­den. Bei der Füh­rung auf der Fahr­bahn ist die Sicht­bar­keit ver­bes­sert.“

Die op­ti­sche Ei­nen­gung der Fahr­bahn durch ei­nen Schutz­strei­fen ha­be den Vor­teil, dass es sel­te­ner zu Ge­schwin­dig­keits­über­schrei­tun­gen kom­me, da die Fahr­bahn schma­ler wir­ke, sag­te der städ­ti­sche Mit­ar­bei­ter: „Es sind uns au­ßer­dem kei­ne Er­fah­run­gen be­kannt, nach de­nen Schutz­strei­fen zu Stau füh­ren. Der Ver­kehr kann wei­ter­hin flüs­sig flie­ßen, da Schutz­strei­fen im Be­darfs­fall über­fahr­bar sind, so­dass Bus- und Lkw-Be­geg­nun­gen auch wei­ter­hin pro­blem­los mög­lich sind.“

CDU CON­TRA STADT

Die Stadt strebt ei­nen „Schutz­strei­fen“ auf dem 300 Me­ter lan­gen Stra­ßen-Teils­tück „An der Gold­gru­be“ an, der grund­sätz­lich auch von Pkw als Aus­weich­flä­che ge­nutzt wer­den darf. Um Park­plät­ze zu er­hal­ten, sol­len an ver­schie­de­nen Stel­len des Rad­wegs Park­ta­schen ent­ste­hen .

Die Ober­stadt-CDU hin­ge­gen will den vor­hand­enen ma­ro­den Rad­weg in Rich­tung Fahr­bahn er­wei­tern und die­sen aus­schließ­lich Rad­fahr­ern re­ser­vie­ren. Da­zu müss­ten je­doch al­le Park­plät­ze weg­fal­len .

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