Wohn­bau soll Are­al kau­fen

HOU­SING AREA: Stadt­rat be­schließt Ver­hand­lun­gen mit Bun­des­an­stalt

Allgemeine Zeitung, 11. Mai 2018, Ca­ri­na Schmidt, MAINZ.

Viel Kri­tik, Dis­kuss­io­nen über For­mu­lie­run­gen und der Vor­wurf von Stim­mungs­ma­che. Über ei­ne Stun­de strit­ten sich die Am­pel-Frak­ti­on im Stadt­rat mit Ver­tre­tern aus der Op­po­si­ti­on – vor­ran­gig aus der CDU – über das wei­te­re Vor­ge­hen in Sa­chen Hou­sing Area in Gon­sen­heim. Am En­de setz­te sich der ge­mein­sa­me An­trag von SPD, Grü­ne und FDP aber ge­gen Stim­men aus der Op­po­si­ti­on durch. Dem­nach un­ter­stützt der Stadt­rat den Auf­trag des Ober­bürg­er­meis­ters Mi­cha­el Ebling (SPD) an die Main­zer Wohn­bau, das Are­al in der Fint­her Land­stra­ße von der Bun­des­an­stalt für Im­mo­bi­lien­auf­ga­ben (BI­mA) zu kau­fen.

Wie der OB in­for­mier­te, ha­be die Stadt bei der BI­mA zu­nächst In­te­res­se an­ge­mel­det, von ih­rem Vor­kaufs­recht Ge­brauch ma­chen zu wol­len. Da­mit wol­le die Ver­wal­tung ver­hin­dern, dass ein pri­va­ter In­ves­tor das Are­al kauft. Ebling be­ton­te: „Die Hou­sing Area ist ein Pa­ra­dies. Und wir wol­len das schö­ne Fleck­chen er­hal­ten.“ Da­mit setz­te er ein kla­res Sig­nal ge­gen die von der CDU ge­äu­ßer­ten Be­fürch­tun­gen.

CDU-Bot­schaft im Vor­feld: sechs­ge­schos­si­ge Bau­ten

Be­reits vor dem Stadt­rats­be­schluss am Mitt­woch hat­te es näm­lich ein Bürg­er­fo­rum der Gon­sen­hei­mer Christ­de­mo­kra­ten un­ter dem Ti­tel „Zu­kunft der Hou­sing Area – Bürg­er­be­tei­li­gung jetzt, statt Streit der Bürg­er­ini­tia­ti­ven“ ge­ge­ben, an dem laut CDU rund 120 Bür­ger teil­ge­nom­men hat­ten. Die Bot­schaft, die ih­nen mit auf den Weg ge­ge­ben wur­de war, dass in der Hou­sing Area der Bau von Sechs­ge­schoss­ern dro­hen könn­te, wo der­zeit le­dig­lich zwei­ge­schos­si­ge Bau­ten ste­hen, wenn das Are­al von der Wohn­bau ge­kauft wird.

So in­ter­pre­tier­te Land­tags­ab­geord­ne­ter Gerd Schrei­ner (CDU), der bei der Be­ge­hung ei­ner der Wort­füh­rer war, je­den­falls ei­ne Pass­age in dem An­trag der Am­pel-Koa­li­ti­on. Da­rin steht, dass der Be­stand an öf­fent­lich ge­för­der­tem und bar­rie­ref­rei­em Wohn­raum in die­sem Quar­tier „aufs ma­xi­mal mög­li­che er­höht wer­den“ sol­le. Im Ge­spräch mit der AZ sagt Schrei­ner, dass sol­che For­mu­lie­run­gen bis­lang im­mer be­schö­ni­gend für Nach­ver­dich­tung ge­wählt wor­den sei­en. Bei­spiel­haft nennt er die Pla­nung für die GFZ-Ka­ser­ne. Laut dem Rah­men­plan von 2002 war von ein- bis zwei­ge­schos­si­gen Ge­bäu­den die Re­de. In­zwi­schen sei man bei drei- bis vier­ge­schos­si­gen Häus­ern an­ge­langt. Für Schrei­ner sei die Hou­sing Area ein klas­si­scher Fall von: „Nach­ti­gall, ick hör dir trap­sen.“ Denn die CDU ha­be stän­dig schlech­te Er­fah­run­gen mit Nach­ver­dich­tung ge­macht. „Und des­halb sind wir ein­fach sehr miss­trau­isch.“

In das­sel­be Horn blies die Gon­sen­hei­mer Orts­vor­ste­he­rin Sa­bi­ne Fle­gel (CDU) vor der Ab­stim­mung im Stadt­rat. Sie sprach von ei­ner „Mo­gel­pa­ckung“. Vor al­len Din­gen hielt sie mit ih­rer Ent­täu­schung nicht hin­term Berg, dass die Am­pel in ab­ge­wan­del­ter Form ih­re „Idee ge­klaut“ hat­te. Sie und ih­re Par­tei­kol­le­gin Ur­su­la Gro­den-Kra­nich sei­en es näm­lich ge­we­sen, die beim So­zi­al­de­zer­nent Eckart Lensch (SPD) im Früh­jahr auf der Mat­te ge­stan­den hat­ten, um für Fle­gels be­reits 2014 ent­wi­ckel­te Idee zu wer­ben, in der Fint­her Land­stra­ße ei­nen Ge­ne­ra­tio­nen­park zu rea­li­sie­ren. „Kaum hat das Ge­spräch statt­ge­fun­den, in­for­mier­te der OB die Pres­se, dass die Wohn­bau die Hou­sing Area über­neh­men soll“, sag­te sie. Da­bei sei die BI­mA als Ei­gen­tü­me­rin wie­der­um erst drei Wo­chen spä­ter über die­ses Vor­ha­ben in­for­miert wor­den, ob­wohl sie ja schließ­lich noch Ei­gen­tü­me­rin sei.

Auf AZ-An­fra­ge in­for­miert Claus Nie­bel­schütz, bei der Bun­des­an­stalt Lei­ter der Haupt­stel­le Ver­kauf: „Das Schrei­ben vom Main­zer OB ist bei uns ein­ge­gan­gen. Wir wer­den die wei­te­re Nut­zung der Hou­sing Area prü­fen.“ Noch sei un­klar, ob die BI­mA die Im­mo­bi­lie über­haupt ver­äu­ßern wer­de. Und falls ja: wie viel da­von. „Es kann auch sein, dass wir ei­nen Teil für un­se­re ei­ge­nen Be­dienst­eten be­hal­ten. Dass die Stadt In­te­res­se ha­be, sei der Bun­des­an­stalt aber al­ler­dings schon längst be­kannt ge­we­sen, sagt er. Denn die er­sten Ge­sprä­che über das Vor­kaufs­recht hat­ten be­reits 2015 statt­ge­fun­den, be­vor die Im­mo­bi­lie an die Stadt als Flücht­lings­un­ter­kunft ver­mie­tet wor­den war. Nie­bel­schütz be­tont, dass die BI­mA mit ih­rer Ent­schei­dung kei­ne Ei­le ha­be. „Denn der Ver­trag für die Nut­zung als Flücht­lings­un­ter­kunft läuft noch bis Au­gust 2020.“

Dass die Stadt aber früh­zei­tig ei­nen Pflock in die Er­de ge­hau­en ha­be, um sich bei ei­nem mög­li­chen Kauf durch die Wohn­bau den Ver­kaufs­wert si­chern zu kön­nen, lob­te Christ­ine Zim­mer (SPD) im Stadt­rat als „ver­ant­wor­tungs­vol­les Han­deln“. Denn wenn das Ge­län­de an den Meist­bie­ten­den ver­stei­gert wer­den wür­de, wür­den die Woh­nun­gen an­schlie­ßend deut­lich teu­rer wer­den. So auch Da­ni­el Kö­bler (Grü­ne), der be­ton­te: „Wir soll­ten stolz sein, dass die Wohn­bau ih­re Kern­auf­ga­be aus­füh­ren kann.“ Näm­lich Woh­nun­gen für Fa­mi­li­en mit Kin­dern si­chern zu kön­nen.

Är­ger über Ver­brei­tung von „Un­wahr­hei­ten“

Ha­rald Strutz emp­ör­te sich vor al­len Din­gen über die „scho­ckie­ren­den Un­wahr­hei­ten“, die die CDU in Gon­sen­heim ver­brei­tet ha­be. „Wir ha­ben in un­se­rem An­trag nie an Nach­ver­dich­tung ge­dacht“, sag­te er. Syl­via Kö­bler-Gross (Grü­ne) stell­te au­ßer­dem klar: „Sechs­ge­schos­si­ge Bau­ten wä­ren in der Hou­sing Area gar nicht zu­läs­sig.“

Letzt­lich wur­den Pass­agen aus dem Än­de­rungs­an­trag von CDU, FW-G und ÖDP über­nom­men. Die For­de­rung, kei­ne Nach­ver­dich­tung vor­zu­neh­men, wur­de prä­zi­siert. Au­ßer­dem wur­de das An­lie­gen in den An­trag auf­ge­nom­men, die Öf­fent­lich­keit, die städ­ti­schen Aus­schüs­se und den Gon­sen­hei­mer Orts­bei­rat re­gel­mä­ßig in die wei­te­ren Schrit­te ein­zu­be­zie­hen. Da­von lie­ßen sich aber CDU und FW-G nicht ver­söh­nen. Sie stimm­ten ge­gen den Am­pel-An­trag. Die ÖDP ent­hielt sich.

DAS VOR­HA­BEN DER WOHN­BAU

Bei ei­ner Be­ge­hung der Hou­sing Area ini­ti­iert von den Am­pel-Frak­tio­nen am Diens­tag­abend hat­te Wohn­bau­ge­schäfts­füh­rer Tho­mas Will aus­führ­lich er­klärt, was das städ­ti­sche Un­ter­neh­men im Kauf­fall über­haupt plant. Dem­nach sol­len die 44 Woh­nun­gen in den elf Mehr­fa­mi­li­en­häus­ern ent­lang der Fint­her Land­stra­ße sa­niert wer­den. Die Woh­nun­gen sind 102 bis 150 Qua­drat­me­ter groß ver­fü­gen über vier bis fünf Zim­mer.

Bei den fünf Ge­bäu­den an der Max-Planck-Stra­ße , zwei ehe­ma­li­gen Of­fi­ziers­vil­len und drei Rei­hen­häus­ern, fa­vo­ri­siert die Wohn­bau den Neu­bau . „Sie sind in kei­nem gu­ten Zu­stand“, er­klär­te er. Die Neu­bau­ten wür­den aber höch­stens drei­ge­schos­sig wer­den mit neun bis zwölf Woh­nun­gen. „Hö­he­re Häu­ser wä­ren bau­recht­lich gar nicht zu­läs­sig“, be­ton­te Will. Man müs­se sich beim Neu­bau an der Hö­he der näch­sten An­lie­ge­re­be­nen und um­lie­gen­den Stra­ßen­zü­gen orien­tie­ren. Hier könn­te dann ein so­zi­al­raum­orien­tier­tes Kon­zept für al­ters­ge­rech­te Quar­tiers­ent­wi­cklung in­te­griert wer­den. Will denkt et­wa an Pro­jek­te wie Mehr­ge­ne­ra­tio­nen­woh­nen oder das Mo­dell­pro­jekt „Zu­hau­se in Mainz“.

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