„Das Gu­ten­berg-Mu­se­um hat ei­ne De­ad­li­ne“

BÜRG­ER­INI­TIA­TI­VE: Bei Run­dem Tisch dis­ku­tie­ren BI-Ver­tre­ter mit Ober­bürg­er­meis­ter Mi­cha­el Ebling und De­zer­nen­tin Ma­ri­an­ne Gros­se

Allgemeine Zeitung, 30. Mai 2018, Paul Lassay, MAINZ.

Mit et­was Ab­stand se­hen die Din­ge doch ganz an­ders aus. Das gilt vor al­lem zeit­lich, aber manch­mal auch räum­lich. Und so wirkt der Ort des Run­den Tischs der Bürg­er­ini­tia­ti­ve dann doch gar nicht mehr so un­ge­wöhn­lich. In der denk­mal­ge­schütz­ten Vil­la Al­brecht in Bo­den­heim und da­mit weit ent­fernt vom um­käm­pften Lieb­frau­en­platz tra­fen sich die Ver­tre­ter der Bi­bel­turm-Geg­ner Ni­no Haa­se, Tho­mas Mann und Gre­gor Knapp mit Ober­bürg­er­meis­ter Mi­cha­el Ebling (SPD), Bau- und Kul­tur­de­zer­nen­tin Ma­ri­an­ne Gros­se (SPD), der Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten Ur­su­la Gro­den-Kra­nich (CDU), dem Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten Gerd Schrei­ner (CDU) so­wie den Stadt­rats­mit­glie­dern Kurt Meh­ler (FW-G) und Dr. Clau­di­us Mo­se­ler (ÖDP) und dem ehe­ma­li­gen Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten Jo­han­nes Gers­ter (CDU), um über die wei­te­re Ent­wi­cklung des Gu­ten­berg-Mu­se­ums zu dis­ku­tie­ren.

„Das ist ein sehr schö­nes Haus“, be­schreibt Ni­no Haa­se die Vil­la, in der ein BI-Mit­glied Bü­ro-Räu­me mie­tet. „An so ei­nem Ort, an dem sich je­der wohl­fühlt, ist es dann auch ein­fa­cher, ins Ge­spräch zu kom­men.“ Und die Stra­te­gie sei auf­ge­gan­gen, er­zählt der BI-Spre­cher. Es sei at­mo­sphä­risch ein „gu­tes Tref­fen“ ge­we­sen und das For­mat ha­be es er­mög­licht, of­fe­ner mit­ein­an­der zu spre­chen, „oh­ne Par­tei­en­dün­kel“. Ver­tre­ter des Mu­se­ums und der Gu­ten­berg-Stif­tung hät­ten al­ler­dings aus ter­min­li­chen Grün­den ge­fehlt. Grund­sätz­lich sei es bei dem et­wa zweis­tün­di­gen Ge­spräch da­rum ge­gan­gen, ab­zu­klop­fen, in wel­che Rich­tung es wei­ter­ge­he – so­wohl beim Gu­ten­berg-Mu­se­um als auch in Sa­chen Bürg­er­be­tei­li­gung. Ent­schei­dend sei: Durch die Brands­chutz­si­tua­ti­on ha­be das Mu­se­um ei­ne „De­ad­li­ne“, sagt Haa­se. „Ich fin­de das aber ganz gut, denn das er­zeugt Druck und Mo­ti­va­ti­on.“ Nun müs­se ge­klärt sein, wie viel Zeit blei­be, um Kon­zept, Fi­nan­zie­rung und kon­kre­te Ide­en zu ent­wi­ckeln. „Und man muss über­le­gen, wann man mit ei­nem Kon­zept raus­geht – und wie man das tut. Denn so wie es beim letz­ten Mal an­ge­dacht war, hat es nicht funk­tio­niert.“ Hin­sicht­lich der Ent­wi­cklung des Mu­se­ums ha­be die Bürg­er­ini­tia­ti­ve bei dem Tref­fen ge­for­dert, das The­ma Gu­ten­berg auf ei­ne an­de­re Ba­sis zu stel­len und ei­ne Ge­samt­idee zu ent­wi­ckeln, in die auch an­de­re Ak­teu­re in der Stadt ein­ge­bun­den wer­den soll­ten, wie die Jo­han­nes Gu­ten­berg-Uni­ver­si­tät und die Tou­ris­mus-Bran­che.

Er ha­be den Ein­druck ge­won­nen, dass die Bot­schaft aus dem Bürg­er­ent­scheid, dass man die Bür­ger­schaft ein­bin­den müs­se, bei der Stadt­spit­ze an­ge­kom­men sei, sagt der BI-Spre­cher. Die Ar­beits­werks­tatt, die die Stadt nun or­ga­ni­sie­ren will, wer­de der er­ste Test für die­se Be­reit­schaft. Ent­schei­dend wer­de da­bei auch sein, wie bin­dend die Er­geb­nis­se die­ses Gre­mi­ums sei­en. „Wenn der Rat das dann ein­fach nur zur Kennt­nis nimmt, geht das gar nicht“, be­tont Haa­se.

Ober­bürg­er­meis­ter Mi­cha­el Ebling (SPD) be­stä­tigt die at­mo­sphä­ri­sche Wahr­neh­mung des BI-Spre­chers. „Es war sehr an­ge­nehm und kons­truk­tiv.“ Das Tref­fen ha­be ge­zeigt, dass sich die BI ger­ne in Ver­ant­wor­tung neh­men las­se und sich auch zu­künf­tig en­ga­gie­ren wol­le. „Und wenn sie im Be­reich Spon­so­ring und Fun­drai­sing et­was mit­hel­fen wol­len, kön­nen wir das nur be­grü­ßen.“ Gleich­zei­tig müs­se klar sein, dass „die Fe­der­füh­rung nur bei der Stadt lie­gen kann“.

Auch wenn das Tref­fen kei­nen Punk­te­plan her­vor­ge­bracht ha­be, so ha­be man doch die Rol­len klä­ren kön­nen. Als näch­ster kon­kre­ter Schritt ste­he nun die er­ste Sit­zung der ex­tern mo­de­rier­ten Ar­beits­werks­tatt an, die En­de Ju­ni ta­gen soll. Dort müs­se dann die Agen­da ge­klärt und be­spro­chen wer­den, wie die Ar­beit or­ga­ni­siert wer­de, wer wie ein­zu­be­zie­hen sei. Die BI je­den­falls ha­be die Mög­lich­keit, an der wei­te­ren Ent­wi­cklung „an pro­mi­nen­ter Stel­le“ mit­zu­wir­ken.

CDU will brei­te­re Rad­we­ge

GOLD­GRU­BE: Kon­zept soll Baum­wur­zeln er­hal­ten, aber auch als Park­plät­ze ge­nutzt Flä­chen auf der Stra­ße strei­chen

Allgemeine Zeitung, 29. Mai 2018, Isa­bel Lin­den und Ca­ri­na Schmidt, OBERSTADT.

Die Stadt ist sich si­cher: Ein Schutz­strei­fen ist die be­ste Lö­sung, Rad­fah­rer si­cher über das rund 300 Me­ter lan­ge Stra­ßen­stück an der Gold­gru­be zwi­schen Ebers­hei­mer Weg und Hechts­hei­mer Stra­ße zu füh­ren. Nö­tig wa­ren die Über­le­gun­gen ge­wor­den, nach­dem der al­te Rad­weg durch Baum­wur­zeln ver­kehrs­un­si­cher ge­wor­den war und weil die er­satz­wei­se Pik­to­gramm­ket­te auf der Stra­ße bei Rad- und Au­to­fahr­ern für Ver­wir­rung sorgt (die AZ be­rich­tet mehr­fach).

Die CDU hat ei­ne an­de­re Sicht der Din­ge, die nun Gerd Schrei­ner, fi­nanz­po­li­ti­scher Spre­cher der CDU-Land­tags­frak­ti­on mit der Ober­stadt-CDU vor Ort vor­stell­te. Die­ses Al­ter­na­tiv­kon­zept soll Rad- und Au­to­fahr­ern ein si­che­res Be­nut­zen ga­ran­tie­ren. Und das oh­ne ei­nen Baum zu fäl­len oder die Höch­stgesch­win­dig­keit her­ab­zu­set­zen – al­ler­dings mit we­ni­ger Park­plät­zen.

„Das ak­tu­el­le städ­ti­sche Kon­zept ist nicht si­cher und ver­ur­sacht Stau“, mein­te Schrei­ner. Nach dem von dem Ar­chi­tek­ten mit­ent­wi­ckel­ten Kon­zept wür­den die ehe­ma­li­gen Rad­we­ge in Rich­tung Fahr­bahn er­wei­tert wer­den, so­dass die Baum­wur­zeln um­fah­ren wer­den kön­nen, oh­ne ab­ge­fräst wer­den zu müs­sen. Da­durch ver­blie­be ei­ne Fahr­bahn von sie­ben­ein­halb Me­tern, auf der – rein rech­ne­risch – auch zwei Stadt­bus­se an­ein­an­der vor­bei­fah­ren könn­ten.

Um die Ver­brei­te­rung der Rad­we­ge zu er­mög­li­chen, wür­den je­doch die Flä­chen auf der Stra­ße weg­fal­len, die zwar kei­ne of­fi­ziel­len Park­plät­ze sind aber als sol­che ge­nutzt wer­den. „Bei ver­kehrs­ar­men Zei­ten wie den Sonn­tags­got­tes­diens­ten in Sankt Al­ban könn­ten Aus­nah­me­re­ge­lun­gen ein­ge­führt wer­den“, schlug Schrei­ner vor. Eben­falls weg­fal­len wür­den die Flä­chen zwi­schen den Bäu­men, bei de­nen es sich um kei­ne er­laub­ten Park­plät­ze han­delt. Um das Wild­par­ken an der Stel­le zu ver­hin­dern, sol­le die Bord­stein­kan­te er­höht wer­den. Der CDU-Po­li­ti­ker be­ton­te: „Wir möch­ten so das ge­fähr­li­che Kreu­zen des Rad­wegs ver­mei­den.“

Den Ver­lust von Stell­flä­chen se­hen vie­le An­woh­ner kri­tisch, die beim Vor­ort-Ter­min ih­ren Un­mut äu­ßer­ten. Schon jetzt sei­en Park­plät­ze um die Gold­gru­be he­rum ein knap­pes Gut. An den Nach­mit­tag park­ten al­lein elf Au­tos zwi­schen den Bäu­men. „Wir ha­ben hier in Zu­kunft mit ei­ner er­heb­li­chen Ver­kehrs­ver­meh­rung zu rech­nen“, gab Er­win Stuf­ler (Grü­ne) zu be­den­ken. Zu­dem pla­ne die MVB-Fi­lia­le ih­ren Stand­ort aus­bau­en, die Fir­ma Bi­on­tech eben­falls. Au­ßer­dem ge­be es er­höh­ten Be­darf bei Ver­an­stal­tun­gen des Ten­nis­clubs TSC Mainz. Und: Pend­ler sei­en in dem Vier­tel schon lan­ge ein Pro­blem.

Doch was hält die Ver­wal­tung von der CDU-Va­ri­an­te? Auf AZ-An­fra­ge teil­te Ralf Pe­ter­han­wahr von der städ­ti­schen Pres­ses­tel­le mit, dass sie be­reits ge­prüft wor­den sei, aber nicht durch­führ­bar wä­re. „Die Baum­wur­zeln ra­gen schon heu­te stel­len­wei­se 1 bis 1,50 Me­ter in den be­ste­hen­den Rad­weg hin­ein, so­dass die ent­spre­chen­den Un­eben­hei­ten ent­ste­hen“, führ­te er aus. Beim CDU-Vor­schlag wür­de ein durch­gän­gig be­nutz­ba­rer Rad­weg (oh­ne Sturz­ge­fahr durch Baum­wur­zeln) le­dig­lich 50 Zen­ti­me­ter auf ei­ner Stra­ßen­sei­te und ein Me­ter auf der an­de­ren Stra­ßen­sei­te breit sein. Sol­che Ma­ße sei­en nicht re­gel­kon­form und für Rad­fah­ren­de auch nicht ge­fahr­los nutz­bar.

Nicht un­ter­stüt­zen wol­le die Stadt au­ßer­dem, dass beim Vor­schlag der Christ­de­mo­kra­ten sämt­li­che Stra­ßen­park­plät­ze weg­fal­len wür­den. Der Vor­schlag der Ver­wal­tung war, an ver­schie­de­nen Stel­len des al­ten Rad­wegs Park­ta­schen an­zu­le­gen. Da­durch soll kon­trol­lier­tes Par­ken er­mög­licht und das Wild­par­ken auf Grün­strei­fen ver­hin­dert wer­den. „Zu­dem steht fest, dass die Bäu­me die­sen tie­fen Ein­griff in die Bor­de nicht un­be­scha­det über­ste­hen wür­den“, sag­te Pe­ter­han­wahr.

Auch das Un­fall­ri­si­ko bei Ein- und Aus­fahr­ten der Grund­stü­cke wür­de be­ste­hen blei­ben. Pe­ter­han­wahr: „Die Un­fall­zah­len be­wei­sen im­mer wie­der, dass Rad­fah­ren­de in die­sen Be­rei­chen von Au­to­fah­ren­den über­se­hen wer­den. Bei der Füh­rung auf der Fahr­bahn ist die Sicht­bar­keit ver­bes­sert.“

Die op­ti­sche Ei­nen­gung der Fahr­bahn durch ei­nen Schutz­strei­fen ha­be den Vor­teil, dass es sel­te­ner zu Ge­schwin­dig­keits­über­schrei­tun­gen kom­me, da die Fahr­bahn schma­ler wir­ke, sag­te der städ­ti­sche Mit­ar­bei­ter: „Es sind uns au­ßer­dem kei­ne Er­fah­run­gen be­kannt, nach de­nen Schutz­strei­fen zu Stau füh­ren. Der Ver­kehr kann wei­ter­hin flüs­sig flie­ßen, da Schutz­strei­fen im Be­darfs­fall über­fahr­bar sind, so­dass Bus- und Lkw-Be­geg­nun­gen auch wei­ter­hin pro­blem­los mög­lich sind.“

CDU CON­TRA STADT

Die Stadt strebt ei­nen „Schutz­strei­fen“ auf dem 300 Me­ter lan­gen Stra­ßen-Teils­tück „An der Gold­gru­be“ an, der grund­sätz­lich auch von Pkw als Aus­weich­flä­che ge­nutzt wer­den darf. Um Park­plät­ze zu er­hal­ten, sol­len an ver­schie­de­nen Stel­len des Rad­wegs Park­ta­schen ent­ste­hen .

Die Ober­stadt-CDU hin­ge­gen will den vor­hand­enen ma­ro­den Rad­weg in Rich­tung Fahr­bahn er­wei­tern und die­sen aus­schließ­lich Rad­fahr­ern re­ser­vie­ren. Da­zu müss­ten je­doch al­le Park­plät­ze weg­fal­len .

Wohn­bau soll Are­al kau­fen

HOU­SING AREA: Stadt­rat be­schließt Ver­hand­lun­gen mit Bun­des­an­stalt

Allgemeine Zeitung, 11. Mai 2018, Ca­ri­na Schmidt, MAINZ.

Viel Kri­tik, Dis­kuss­io­nen über For­mu­lie­run­gen und der Vor­wurf von Stim­mungs­ma­che. Über ei­ne Stun­de strit­ten sich die Am­pel-Frak­ti­on im Stadt­rat mit Ver­tre­tern aus der Op­po­si­ti­on – vor­ran­gig aus der CDU – über das wei­te­re Vor­ge­hen in Sa­chen Hou­sing Area in Gon­sen­heim. Am En­de setz­te sich der ge­mein­sa­me An­trag von SPD, Grü­ne und FDP aber ge­gen Stim­men aus der Op­po­si­ti­on durch. Dem­nach un­ter­stützt der Stadt­rat den Auf­trag des Ober­bürg­er­meis­ters Mi­cha­el Ebling (SPD) an die Main­zer Wohn­bau, das Are­al in der Fint­her Land­stra­ße von der Bun­des­an­stalt für Im­mo­bi­lien­auf­ga­ben (BI­mA) zu kau­fen.

Wie der OB in­for­mier­te, ha­be die Stadt bei der BI­mA zu­nächst In­te­res­se an­ge­mel­det, von ih­rem Vor­kaufs­recht Ge­brauch ma­chen zu wol­len. Da­mit wol­le die Ver­wal­tung ver­hin­dern, dass ein pri­va­ter In­ves­tor das Are­al kauft. Ebling be­ton­te: „Die Hou­sing Area ist ein Pa­ra­dies. Und wir wol­len das schö­ne Fleck­chen er­hal­ten.“ Da­mit setz­te er ein kla­res Sig­nal ge­gen die von der CDU ge­äu­ßer­ten Be­fürch­tun­gen.

CDU-Bot­schaft im Vor­feld: sechs­ge­schos­si­ge Bau­ten

Be­reits vor dem Stadt­rats­be­schluss am Mitt­woch hat­te es näm­lich ein Bürg­er­fo­rum der Gon­sen­hei­mer Christ­de­mo­kra­ten un­ter dem Ti­tel „Zu­kunft der Hou­sing Area – Bürg­er­be­tei­li­gung jetzt, statt Streit der Bürg­er­ini­tia­ti­ven“ ge­ge­ben, an dem laut CDU rund 120 Bür­ger teil­ge­nom­men hat­ten. Die Bot­schaft, die ih­nen mit auf den Weg ge­ge­ben wur­de war, dass in der Hou­sing Area der Bau von Sechs­ge­schoss­ern dro­hen könn­te, wo der­zeit le­dig­lich zwei­ge­schos­si­ge Bau­ten ste­hen, wenn das Are­al von der Wohn­bau ge­kauft wird.

So in­ter­pre­tier­te Land­tags­ab­geord­ne­ter Gerd Schrei­ner (CDU), der bei der Be­ge­hung ei­ner der Wort­füh­rer war, je­den­falls ei­ne Pass­age in dem An­trag der Am­pel-Koa­li­ti­on. Da­rin steht, dass der Be­stand an öf­fent­lich ge­för­der­tem und bar­rie­ref­rei­em Wohn­raum in die­sem Quar­tier „aufs ma­xi­mal mög­li­che er­höht wer­den“ sol­le. Im Ge­spräch mit der AZ sagt Schrei­ner, dass sol­che For­mu­lie­run­gen bis­lang im­mer be­schö­ni­gend für Nach­ver­dich­tung ge­wählt wor­den sei­en. Bei­spiel­haft nennt er die Pla­nung für die GFZ-Ka­ser­ne. Laut dem Rah­men­plan von 2002 war von ein- bis zwei­ge­schos­si­gen Ge­bäu­den die Re­de. In­zwi­schen sei man bei drei- bis vier­ge­schos­si­gen Häus­ern an­ge­langt. Für Schrei­ner sei die Hou­sing Area ein klas­si­scher Fall von: „Nach­ti­gall, ick hör dir trap­sen.“ Denn die CDU ha­be stän­dig schlech­te Er­fah­run­gen mit Nach­ver­dich­tung ge­macht. „Und des­halb sind wir ein­fach sehr miss­trau­isch.“

In das­sel­be Horn blies die Gon­sen­hei­mer Orts­vor­ste­he­rin Sa­bi­ne Fle­gel (CDU) vor der Ab­stim­mung im Stadt­rat. Sie sprach von ei­ner „Mo­gel­pa­ckung“. Vor al­len Din­gen hielt sie mit ih­rer Ent­täu­schung nicht hin­term Berg, dass die Am­pel in ab­ge­wan­del­ter Form ih­re „Idee ge­klaut“ hat­te. Sie und ih­re Par­tei­kol­le­gin Ur­su­la Gro­den-Kra­nich sei­en es näm­lich ge­we­sen, die beim So­zi­al­de­zer­nent Eckart Lensch (SPD) im Früh­jahr auf der Mat­te ge­stan­den hat­ten, um für Fle­gels be­reits 2014 ent­wi­ckel­te Idee zu wer­ben, in der Fint­her Land­stra­ße ei­nen Ge­ne­ra­tio­nen­park zu rea­li­sie­ren. „Kaum hat das Ge­spräch statt­ge­fun­den, in­for­mier­te der OB die Pres­se, dass die Wohn­bau die Hou­sing Area über­neh­men soll“, sag­te sie. Da­bei sei die BI­mA als Ei­gen­tü­me­rin wie­der­um erst drei Wo­chen spä­ter über die­ses Vor­ha­ben in­for­miert wor­den, ob­wohl sie ja schließ­lich noch Ei­gen­tü­me­rin sei.

Auf AZ-An­fra­ge in­for­miert Claus Nie­bel­schütz, bei der Bun­des­an­stalt Lei­ter der Haupt­stel­le Ver­kauf: „Das Schrei­ben vom Main­zer OB ist bei uns ein­ge­gan­gen. Wir wer­den die wei­te­re Nut­zung der Hou­sing Area prü­fen.“ Noch sei un­klar, ob die BI­mA die Im­mo­bi­lie über­haupt ver­äu­ßern wer­de. Und falls ja: wie viel da­von. „Es kann auch sein, dass wir ei­nen Teil für un­se­re ei­ge­nen Be­dienst­eten be­hal­ten. Dass die Stadt In­te­res­se ha­be, sei der Bun­des­an­stalt aber al­ler­dings schon längst be­kannt ge­we­sen, sagt er. Denn die er­sten Ge­sprä­che über das Vor­kaufs­recht hat­ten be­reits 2015 statt­ge­fun­den, be­vor die Im­mo­bi­lie an die Stadt als Flücht­lings­un­ter­kunft ver­mie­tet wor­den war. Nie­bel­schütz be­tont, dass die BI­mA mit ih­rer Ent­schei­dung kei­ne Ei­le ha­be. „Denn der Ver­trag für die Nut­zung als Flücht­lings­un­ter­kunft läuft noch bis Au­gust 2020.“

Dass die Stadt aber früh­zei­tig ei­nen Pflock in die Er­de ge­hau­en ha­be, um sich bei ei­nem mög­li­chen Kauf durch die Wohn­bau den Ver­kaufs­wert si­chern zu kön­nen, lob­te Christ­ine Zim­mer (SPD) im Stadt­rat als „ver­ant­wor­tungs­vol­les Han­deln“. Denn wenn das Ge­län­de an den Meist­bie­ten­den ver­stei­gert wer­den wür­de, wür­den die Woh­nun­gen an­schlie­ßend deut­lich teu­rer wer­den. So auch Da­ni­el Kö­bler (Grü­ne), der be­ton­te: „Wir soll­ten stolz sein, dass die Wohn­bau ih­re Kern­auf­ga­be aus­füh­ren kann.“ Näm­lich Woh­nun­gen für Fa­mi­li­en mit Kin­dern si­chern zu kön­nen.

Är­ger über Ver­brei­tung von „Un­wahr­hei­ten“

Ha­rald Strutz emp­ör­te sich vor al­len Din­gen über die „scho­ckie­ren­den Un­wahr­hei­ten“, die die CDU in Gon­sen­heim ver­brei­tet ha­be. „Wir ha­ben in un­se­rem An­trag nie an Nach­ver­dich­tung ge­dacht“, sag­te er. Syl­via Kö­bler-Gross (Grü­ne) stell­te au­ßer­dem klar: „Sechs­ge­schos­si­ge Bau­ten wä­ren in der Hou­sing Area gar nicht zu­läs­sig.“

Letzt­lich wur­den Pass­agen aus dem Än­de­rungs­an­trag von CDU, FW-G und ÖDP über­nom­men. Die For­de­rung, kei­ne Nach­ver­dich­tung vor­zu­neh­men, wur­de prä­zi­siert. Au­ßer­dem wur­de das An­lie­gen in den An­trag auf­ge­nom­men, die Öf­fent­lich­keit, die städ­ti­schen Aus­schüs­se und den Gon­sen­hei­mer Orts­bei­rat re­gel­mä­ßig in die wei­te­ren Schrit­te ein­zu­be­zie­hen. Da­von lie­ßen sich aber CDU und FW-G nicht ver­söh­nen. Sie stimm­ten ge­gen den Am­pel-An­trag. Die ÖDP ent­hielt sich.

DAS VOR­HA­BEN DER WOHN­BAU

Bei ei­ner Be­ge­hung der Hou­sing Area ini­ti­iert von den Am­pel-Frak­tio­nen am Diens­tag­abend hat­te Wohn­bau­ge­schäfts­füh­rer Tho­mas Will aus­führ­lich er­klärt, was das städ­ti­sche Un­ter­neh­men im Kauf­fall über­haupt plant. Dem­nach sol­len die 44 Woh­nun­gen in den elf Mehr­fa­mi­li­en­häus­ern ent­lang der Fint­her Land­stra­ße sa­niert wer­den. Die Woh­nun­gen sind 102 bis 150 Qua­drat­me­ter groß ver­fü­gen über vier bis fünf Zim­mer.

Bei den fünf Ge­bäu­den an der Max-Planck-Stra­ße , zwei ehe­ma­li­gen Of­fi­ziers­vil­len und drei Rei­hen­häus­ern, fa­vo­ri­siert die Wohn­bau den Neu­bau . „Sie sind in kei­nem gu­ten Zu­stand“, er­klär­te er. Die Neu­bau­ten wür­den aber höch­stens drei­ge­schos­sig wer­den mit neun bis zwölf Woh­nun­gen. „Hö­he­re Häu­ser wä­ren bau­recht­lich gar nicht zu­läs­sig“, be­ton­te Will. Man müs­se sich beim Neu­bau an der Hö­he der näch­sten An­lie­ge­re­be­nen und um­lie­gen­den Stra­ßen­zü­gen orien­tie­ren. Hier könn­te dann ein so­zi­al­raum­orien­tier­tes Kon­zept für al­ters­ge­rech­te Quar­tiers­ent­wi­cklung in­te­griert wer­den. Will denkt et­wa an Pro­jek­te wie Mehr­ge­ne­ra­tio­nen­woh­nen oder das Mo­dell­pro­jekt „Zu­hau­se in Mainz“.