„Um je­de Stim­me kämp­fen“

BI­BEL­TURM: Be­für­wor­ter-BI läu­tet End­spurt ein / Neue Pla­ka­te und Turm-Slam

Allgemeine Zeitung, 5. April, 2018, Paul Lassay, MAINZ.

Hoff­nung. Das Wort schwebt über der Pres­se­kon­fe­renz des Freun­des­krei­ses für Gu­ten­berg. Hoff­nung da­rauf, dass das Kon­zept des Bi­bel­turms auf­geht, sich Spen­den, För­der­gel­der und ei­ne neue Trä­ger­schaft für das Gu­ten­berg-Mu­se­um fin­den las­sen. Hoff­nung da­rauf, dass die Ar­gu­men­te ver­fan­gen und Hoff­nung, dass es am 15. April reicht. Dass ge­nug Main­zer mit „Ja“ stim­men. Sie­ges­ge­wiss­heit sucht man da­ge­gen ver­ge­bens. „Es ist klar, dass wir um je­de Stim­me kämp­fen müs­sen“, sagt Hen­ning von Vier­eg­ge, der Spre­cher der Bürg­er­ini­tia­ti­ve für den Bi­bel­turm. „Es wird sehr eng.“

Ar­gu­men­te in 15 Fak­ten­checks ge­bün­delt

Ein gro­ßes Pro­blem des Bau­pro­jekts sei, dass „je­de Sün­de der Stadt Mainz“ an den Turm ge­hängt wer­de – und dies von den Geg­nern „gna­den­los aus­ge­nutzt“ wer­de. „Da gibt es ei­nen Auf­marsch des Po­pu­lis­mus“, sagt von Vier­eg­ge. Die Be­für­wor­ter hät­ten die bes­se­ren Ar­gu­men­te, ge­wän­nen an den Stän­den an Zu­stim­mung, aber es sei nicht klar, wie vie­le Men­schen sie da­mit er­reich­ten. Ne­ben den Sach­ar­gu­men­ten, die sie in Fak­ten­checks zu 15 The­men von „Bäu­men“ über „Platz­ge­stal­tung“ bis „Fi­nan­zie­rung“ und „Fass­ade“ ge­bün­delt ha­ben, wol­len die Turm­freun­de im End­spurt aber auch auf der emo­tio­na­len Ebe­ne im Stadt­bild wer­ben. Pla­ka­te mit Fo­tos be­kann­ter und we­ni­ger be­kann­ter Main­zer, die ein Mo­dell des Bi­bel­turms in die Ka­me­ra hal­ten, sol­len der Turm-Un­ter­stüt­zung Ge­sich­ter ge­ben. 150 Por­träts hat Mar­kus Kohz da­für seit Ja­nu­ar be­reits an­ge­fer­tigt, die zu­nächst nur für die Kam­pag­ne im In­ter­net ge­dacht wa­ren. Nun ha­be man sich aber ent­schlos­sen, sie auch auf der Stra­ße zu prä­sen­tie­ren. Für den Wahl­kampf im Netz gibt es der­weil ei­nen neu­en Er­klär­film, der die Grund­zü­ge des Bi­bel­turm-Pro­jekts dar­le­gen soll.

Die Hoff­nungs­lo­sig­keit, wie sie von den Geg­nern kom­mu­ni­ziert wer­de, sei kei­ne Per­spek­ti­ve, sagt von Vier­eg­ge. „Wir set­zen auf Hoff­nung und ei­ne Po­li­tik, die ih­ren Job macht.“ Dass es ih­nen von­sei­ten der Geg­ner zum Vor­wurf ge­macht wür­de, dass sie Kom­pe­tenz und Ex­per­ten in ih­ren Rei­hen hät­ten, fin­de er hoch­pro­ble­ma­tisch.

Die Bürg­er­ini­tia­ti­ve ge­hö­re zur Zi­vil­ge­sell­schaft und müs­se sich auf die Zu­sa­gen der Po­li­tik ver­las­sen. Und doch wer­de man auch nach dem 15. April „nicht in Tief­schlaf fal­len. Wenn der Turm ge­baut wird, wer­den wir wei­ter Druck ma­chen.“

Deut­li­che Kri­tik an Kos­ten­rech­nung der Geg­ner

Ein Pro­blem in der Aus­ein­an­der­set­zung sei, dass „al­les, was das Mu­se­um oder die Stadt sa­gen, an­ge­zwei­felt wird“, kri­ti­siert Tho­mas Dang. Im­mer wie­der wür­den die Kos­ten des er­sten Bi­bel­turms an­ge­zwei­felt, ob­wohl es ei­ne Kos­ten­auf­stel­lung ge­be, wie es an die­sem Punkt in ei­nem Bau­ver­fah­ren üb­lich sei. „Ich weiß nicht, was die Stadt noch ma­chen soll.“ Den Schät­zun­gen des Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten Gerd Schrei­ner (CDU), der die Fi­nan­zie­rung jüngst deut­lich in Zwei­fel ge­zo­gen hat­te, wi­der­spricht der Ar­chi­tekt ent­schie­den. Die Bau­kos­ten, die der fi­nanz­po­li­ti­sche Spre­cher der CDU-Frak­ti­on ge­nannt ha­be, sei­en mehr als dop­pelt so hoch wie üb­lich. Aus sei­ner ei­ge­nen Er­fah­rung, un­ter an­de­rem mit dem Bau der Kunst­hal­le am Zoll­ha­fen, hal­te er die Kos­ten­be­rech­nung sei­ner Ham­bur­ger Kol­le­gen für rea­lis­tisch. „Man kann sich von der Ver­wal­tung nicht je­den Fe­ders­trich vor­le­gen las­sen“, er­gänzt An­net­te Mül­ler. Die­je­ni­gen, die das Pro­jekt ge­tra­gen hät­ten, müss­ten sich am En­de auch po­li­tisch da­für ver­ant­wor­ten. An­ge­sichts der Ge­rüch­te von stän­dig stei­gen­den Bau­kos­ten bei öf­fent­li­chen Pro­jek­ten ge­he zu­dem un­ter, dass die Stadt zu­letzt Ki­tas und Schu­len für 240 Mil­lio­nen Eu­ro ge­baut ha­be und da­bei voll im Kos­ten- und Ter­min­rah­men ge­blie­ben sei.

In den letz­ten Ta­gen vor dem Bürg­er­ent­scheid ge­he es nun da­rum, ei­ne Bla­ma­ge für die Stadt zu ver­hin­dern, fasst Jo­han­nes Stru­gal­la, ei­ner der Spre­cher der BI, die Ge­fühls­la­ge zu­sam­men. „Wenn die­se Chan­ce ver­passt wird, wird das Mu­se­um um Jahr­zehn­te zu­rück­ge­wor­fen.“

BI­BEL­TURM-SLAM

Am Mon­tag, 9. April, lädt die Bürg­er­ini­tia­ti­ve Mainz für Gu­ten­berg um 19 Uhr zu ei­nem Bi­bel­turm-Slam in den Frank­fur­ter Hof. Nach ei­ner Ein­füh­rung des Ka­bar­et­tis­ten Lars Rei­chow und ei­nem kur­zen Vor­trag des Main­zer Ar­chi­tek­tur-Pro­fes­sors Mat­thi­as Mül­ler wer­den die Di­rekt­orin des Gu­ten­berg-Mu­se­ums, Dr. An­net­te Lud­wig, De­zer­nen­tin Ma­ri­an­ne Gros­se, der Ar­chi­tekt des Bi­bel­turm-Ent­wurfs Ste­phen Kausch und Hans-Pe­ter Betz in sechs­mi­nü­ti­gen Slams er­klä­ren, wa­rum der Bi­bel­turm aus ih­rer Sicht ge­baut wer­den soll­te. Ein­lass ist be­reits ab 17.45 Uhr.

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