„Das Ding ist nicht ent­schei­dungs­reif“

BI­BEL­TURM: Bei In­fo-Ver­an­stal­tung der Turm-Geg­ner nimmt Fi­nanz­po­li­ti­ker Gerd Schrei­ner das Fi­nanz­kon­zept ins Vi­sier

Allgemeine Zeitung, 31. März 2018, Paul Las­say, MAINZ.

Am An­fang ver­zieht Gerd Schrei­ner ein­mal das Ge­sicht. Als ei­ner der „Stars“ des Abends wird er von Mo­de­ra­tor Vol­ker An­gres an­ge­kün­digt. Das scheint ihm dann doch et­was viel. Aber mit sei­nem Auf­tritt als Ex­per­te wird der CDU-Land­tags­ab­geord­ne­te zu ei­ner wich­ti­gen Stim­me in den letz­ten Wo­chen vor der Bi­bel­turm-Ab­stim­mung. Bis­her eher am Rand der De­bat­te, drängt er nun ins Zen­trum.

Als Ar­chi­tekt kann Schrei­ner dem Turm et­was ab­ge­win­nen

Da­bei ist Schrei­ners Ab­leh­nung des Turms nicht so ab­so­lut, wie die der an­de­ren Ex­per­ten auf dem Po­di­um. Ne­ben ihm sit­zen dort CDU-Ur­ge­stein Jo­han­nes Gers­ter, Clau­di­us Mo­se­ler von der ÖDP und Hart­mut Fi­scher vom Rhei­ni­schen Ver­ein für Denk­mal­pfle­ge und Land­schafts­schutz. Wäh­rend die drei den Turm mehr oder we­ni­ger kom­plett ab­leh­nen, hat Schrei­ner als Ar­chi­tekt durch­aus et­was für ihn üb­rig. „Das kann man schon so ma­chen, wenn man das Mu­se­um aus sei­ner E­cke ho­len möch­te“, kom­men­tiert er ein Bild des Bi­bel­turm-Ent­wurfs aus dem Wett­be­werb. Doch sei nun ja nicht mehr ein Bü­cher­turm aus dem Wett­be­werb ge­plant, son­dern der ge­schloss­ene Bi­bel­turm. Und über­haupt be­zweif­le er, dass es ne­ben dem Rö­mi­schen Kai­ser ei­nen „Eye Cat­cher“, wie es im Aus­schrei­bungs­text heißt, eben ei­nen Blick­fang brau­che. Rich­tig in Fahrt kommt der haus­halt­spo­li­ti­sche Spre­cher der CDU-Land­tags­frak­ti­on aber erst, wenn es um Zah­len geht, um Kos­ten­rech­nun­gen – oder ge­nau­er: das Feh­len der­sel­ben. Ei­ne de­tail­lier­te Auf­stel­lung der Kos­ten ha­be er noch nicht ge­se­hen. „Als Ar­chi­tekt spre­che ich nur von durch­fi­nan­ziert, wenn ich Kos­ten­be­rech­nun­gen ha­be für die ein­zel­nen Bau­tei­le und Maß­nah­men.“ Al­les, was es beim Bi­bel­turm ge­be, sei die Ga­ran­tie der Ar­chi­tek­ten, dass sie ih­ren Ent­wurf für das zur Ver­fü­gung ste­hen­de Geld rea­li­sie­ren könn­ten. Dies hät­ten sie im Rah­men des Wett­be­werbs mit ih­rer Un­ter­schrift ver­si­chert. „Aber sie ha­ben die Kos­ten für et­was ga­ran­tiert, das gar nicht ge­baut wird“, kri­ti­siert Schrei­ner. Schließ­lich ha­be sich der Ent­wurf deut­lich ver­än­dert. Au­ßer­dem spre­che man beim Bi­bel­turm von et­wa 5000 Ku­bik­me­tern um­bau­tem Raum mit ei­ner so­ge­nann­ten wei­ßen Wan­ne, al­so ei­ner was­ser­un­durch­läs­si­gen un­ter­ir­di­schen Kons­truk­ti­on, und ei­ner be­son­de­ren Fass­ade. Neh­me man an, es stün­den fünf Mil­lio­nen Eu­ro für den rei­nen Bi­bel­turm zur Ver­fü­gung, hät­te man 1000 Eu­ro pro Ku­bik­me­ter. „Da­für kön­nen Sie ein Ein­fa­mi­li­en­haus bau­en – aber nicht un­ter­ir­disch und nicht mit hoch­wer­ti­ger Fass­ade.“ Ins­be­son­de­re bei letz­te­rer sei voll­kom­men un­klar, aus wel­chem Ma­te­ri­al und zu wel­chen Kos­ten sie ge­stal­tet wer­den soll­te.

Zu­dem sei es nicht so, dass das Land nur da­rauf war­te, der Stadt Mainz wei­te­res Geld für ein Mu­se­um zu be­wil­li­gen, wäh­rend ge­ra­de für 44 Mil­lio­nen das Ar­chäo­lo­gi­sche Zen­trum ge­baut wer­de. Part­ner wie den Bund oder das Land müs­se man ein­bin­den, be­vor man an­fan­ge zu bau­en, nicht hin­ter­her. Auch das Ar­chäo­lo­gi­sche Zen­trum se­he nach der Ein­bin­dung des Lan­des deut­lich an­ders aus, als zu­nächst ge­plant. „Das Ding ist ein­fach nicht ent­schei­dungs­reif. Be­vor man nicht die Fi­nan­zie­rung hat, kann man nicht bau­en“, schließt Schrei­ner sei­nen Vor­trag ab.

„Jetzt müs­sen wir erst­mal durch­at­men“, sagt Mo­de­ra­tor An­gres. Und das gilt auch für die Bi­bel­turm-Be­für­wor­ter, die mit ih­ren But­tons gut er­kenn­bar auch zahl­reich im Haus am Dom ver­tre­ten sind. Im­mer wie­der stel­len sie kri­ti­sche Zwi­schen­fra­gen. Wa­rum sind kei­ne Ex­per­ten der Be­für­wor­ter-Sei­te ge­la­den wor­den? Macht der Turm nicht nur ei­nen klei­nen Teil des Lieb­frau­en­plat­zes aus? Funk­tio­niert mo­der­ne Ar­chi­tek­tur an an­de­ren Stel­len nicht auch ganz wun­der­bar ne­ben al­ten Bau­wer­ken? Zwi­schen­zeit­lich kocht die Dis­kuss­ion da­durch ziem­lich hoch, wo­bei mit Jo­han­nes Stru­gal­la auch ein Spre­cher der BI für den Bi­bel­turm die In­for­ma­ti­ons­po­li­tik der Stadt kri­ti­siert. Das Kon­zept des ZDF-Mo­de­ra­tors, die Be­su­cher mit vier The­sen zu den un­ter­schied­li­chen The­men­blö­cken „raus in die Wein­stu­ben“ zu schi­cken, geht nicht auf. Der Ver­such, für den Punkt Ar­chi­tek­tur das Stich­wort „Zu­sam­men­spiel“ all­ge­mein fest­zu­hal­ten, geht mehr oder we­ni­ger un­ter – in Ge­grum­mel und un­zu­frie­de­nen Wort­mel­dun­gen.

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.