Der Riss durch die CDU

BI­BEL­TURM: Rat­haus-Frak­ti­on da­für, vie­le an Ba­sis da­ge­gen / Alts­tadt-CDU und JU sa­gen Nein

Allgemeine Zeitung, 23. März 2018, Ca­ri­na Schmidt, Paul Las­say und Mi­cha­el Ber­mei­tin­ger, MAINZ.

Die Mei­nung der CDU zum Bi­bel­turm scheint klar. Zu­min­dest die der Stadt­rats­frak­ti­on. Sie will, dass er ge­baut wird.

Doch au­ßer­halb der Rat­haus-CDU wa­ckelt die Front: Der Stadt­be­zirk Alts­tadt er­klär­te, dass er den Bau ab­lehnt, und eben­so sagt die Jun­ge Uni­on „Nein“ zum Turm. Auch ei­ne vom Kreis­ver­band mit den Am­pel-Par­tei­en ver­ein­bar­te Fly­er-Ak­ti­on soll an der Ba­sis auf we­nig Ge­gen­lie­be ge­sto­ßen sein, heißt es aus In­si­der-Krei­sen. Auf ei­ne An­fra­ge an die Stadt­be­zir­ke, wer wie vie­le Pro-Bi­bel­turm-Zet­tel in die Brief­käs­ten ste­cken will, ha­be nur Hart­en­berg-Münch­feld ei­ne po­si­ti­ve Rück­mel­dung ge­ge­ben.

Skep­ti­sche Kom­men­ta­re und Bei­fall für die Turm-Geg­ner

Das Bild vom Riss durch die Par­tei wird da­durch ab­ge­run­det, dass CDU-Leu­te in den so­zia­len Netz­wer­ken skep­ti­sche Kom­men­ta­re ab­ge­ben oder den Geg­nern mehr oder min­der of­fen ap­plau­die­ren. Und es sind nicht die Un­wich­tigs­ten.

„Cha­pe­au!“ schrieb et­wa Kreis­vor­sit­zen­de Sa­bi­ne Fle­gel auf der Fa­ce­book-Sei­te der Bi­bel­turm-Geg­ner un­ter ei­nen Film, in dem vie­le Main­zer Po­si­ti­on ge­gen den Turm er­grei­fen. „Cha­pe­au!“, al­so so viel wie „Hut ab!“ – aber da­mit will sie nicht die BI-Po­si­ti­on ge­meint ha­ben, son­dern nur die Ma­chart des Films. „Er ist be­ein­druckend gut ge­macht, ob­wohl Lai­en am Werk wa­ren“, so die CDU-Che­fin, die im Stadt­rat dem Turm ihr „Ja“ ge­ge­ben hat. Zwei­fel am Be­schluss? Kei­nes­falls.

Da­zu, dass nur Hart­en­berg-Münch­feld be­reit ge­we­sen sein soll, Pro-Fly­er zu ver­tei­len, sagt sie: „Das stimmt so nicht“ – oh­ne zu sa­gen, wer mit­ma­chen will. Dass es we­gen der Fly­er-Ak­ti­on Un­mut ge­be, be­stä­tigt sie aber. Zur Alts­tadt-CDU meint Fle­gel: „Die Stadt­tei­le sind au­to­nom zu be­trach­ten.“ Im Ge­gen­satz zur SPD hät­ten die Christ­de­mo­kra­ten kei­nen Par­tei­tags­be­schluss über den Bi­bel­turm ge­fasst. Die Alts­tadt sei in be­son­de­rem Ma­ße be­trof­fen. In­so­fern kön­ne sie mit der Ab­leh­nung le­ben.

Stadt­rats­frak­ti­ons­chef Hanns­georg Schö­nig hebt eben­falls die Au­to­no­mie der Stadt­tei­le her­vor, zeigt sich aber auch zerk­nirscht: „Ich hät­te mir ei­ne brei­ter an­ge­leg­te Dis­kuss­ion ge­wünscht. Die Zu­kunft des Gu­ten­berg-Mu­se­ums be­schäf­tigt ja nicht nur die Alts­tadt.“ Dass es in sei­nen Rei­hen nicht nur Bi­bel­turm-Be­für­wor­ter ge­be, sei kei­ne Neu­ig­keit. „Der Be­schluss in der Frak­ti­on wur­de mehr­heit­lich ge­fasst, nicht ein­stim­mig.“ In­so­fern ha­be es von An­fang an Geg­ner ge­ge­ben, die of­fen Flag­ge ge­zeigt hät­ten.

Ei­ner ist Stadt­rats­mit­glied Tho­mas Gers­ter, Vor­sit­zen­der der Alts­tadt-CDU, die bei nur ei­ner Ge­gen­stim­me „Nein“ ge­sagt hat; eben­so sein Va­ter Jo­han­nes, kämp­fe­ri­sches CDU-Ur­ge­stein mit be­stem Zu­gang zur Ba­sis. Die Frak­ti­on sei „in et­was hin­ein­ge­ris­sen wor­den, das nicht über­schau­bar war“, ver­mu­tet der lang­jäh­ri­ge Bun­des­tags­ab­geord­ne­te und lauts­tar­ke Bi­bel­turm-Geg­ner. Nun wol­le die Frak­ti­on öf­fent­lich nicht mehr da­von ab­rü­cken. Sei­ner Mei­nung nach hiel­ten sich un­ter den CDU-Mit­glie­dern Be­für­wor­ter und Geg­ner in et­wa die Waa­ge.

Auch Fe­lix Lei­de­cker, stell­ver­tre­ten­der CDU-Chef und lang­jäh­ri­ger Vor­sit­zen­der der Jun­gen Uni­on, hält nicht hin­ter dem Berg. Er quit­tiert bei Fa­ce­book auf der Sei­te der Bi­bel­turm­geg­ner den Film-Post mit Zu­stim­mung. Ge­nau­so sein Nach­fol­ger an der JU-Spit­ze, Tors­ten Ro­he. Kein Wun­der al­so, dass sich die Jung­uni­onis­ten nun klar po­si­tio­niert ha­ben. Sie for­dern die Stadt auf, „ei­ne ver­nünf­ti­ge Fi­nan­zie­rung auf­zu­stel­len“, denn „wir se­hen es kom­men, dass die Stadt am En­de für die an­de­ren Bau­ab­schnit­te Geld auf­brin­gen muss, das sie nicht hat.“ Am be­sten wä­re es, wenn das Gu­ten­berg-Mu­se­um Lan­des­mu­se­um wür­de.

Auch Land­tags­ab­geord­ne­ter Gerd Schrei­ner, der bei Twit­ter die Stadt-Bro­schü­re zur Bürg­er­bef­ra­gung (12 Sei­ten, da­von ein­ein­halb für die Geg­ner, we­ni­ge Zei­len zur Fi­nan­zie­rung) iro­nisch als „to­tal neu­tral“ be­zeich­net hat­te, sieht die Geld-Fra­ge kri­tisch. Und da hat die Stim­me des haus­halt­spo­li­ti­schen Spre­chers der Land­tags-CDU Ge­wicht: „Wenn es mein Haus und mein Geld wä­re, hät­te ich ein Ge­samt­kon­zept oh­ne Fra­ge­zei­chen hin­ter der Ge­samt­fi­nan­zie­rung, be­vor ich an­fan­ge …“, twit­tert er. Die Rats­frak­ti­on kri­ti­siert er nicht. „Sie muss­te sich po­si­tio­nie­ren und hat sich po­si­tio­niert.“

Hat die CDU das The­ma schlicht un­ter­schätzt?

Nichts­de­sto­trotz sind sich Be­ob­ach­ter si­cher, dass zu­min­dest Tei­le der Stadt­rats-CDU ins „Ja“ zum Turm mehr hin­ein­ge­schlit­tert sind, denn aus ech­ter Hin­ga­be zu­ge­stimmt ha­ben.

Auf die Fra­ge, wa­rum man mit „Ja“ vo­tiert ha­be, sag­te ein In­si­der ein­mal: „Man woll­te die Leu­te, die in den Aus­schüs­sen da­ran mit­ge­ar­bei­tet ha­ben, nicht im Re­gen ste­hen las­sen.“ Au­ßer­dem füh­le sich die CDU der Stadt­rä­son, dem Wohl der Stadt ver­pflich­tet. Al­ler­dings heißt es auch, man ha­be das The­ma schlicht un­ter­schätzt.

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