„Das Ding ist nicht ent­schei­dungs­reif“

BI­BEL­TURM: Bei In­fo-Ver­an­stal­tung der Turm-Geg­ner nimmt Fi­nanz­po­li­ti­ker Gerd Schrei­ner das Fi­nanz­kon­zept ins Vi­sier

Allgemeine Zeitung, 31. März 2018, Paul Las­say, MAINZ.

Am An­fang ver­zieht Gerd Schrei­ner ein­mal das Ge­sicht. Als ei­ner der „Stars“ des Abends wird er von Mo­de­ra­tor Vol­ker An­gres an­ge­kün­digt. Das scheint ihm dann doch et­was viel. Aber mit sei­nem Auf­tritt als Ex­per­te wird der CDU-Land­tags­ab­geord­ne­te zu ei­ner wich­ti­gen Stim­me in den letz­ten Wo­chen vor der Bi­bel­turm-Ab­stim­mung. Bis­her eher am Rand der De­bat­te, drängt er nun ins Zen­trum.

Als Ar­chi­tekt kann Schrei­ner dem Turm et­was ab­ge­win­nen

Da­bei ist Schrei­ners Ab­leh­nung des Turms nicht so ab­so­lut, wie die der an­de­ren Ex­per­ten auf dem Po­di­um. Ne­ben ihm sit­zen dort CDU-Ur­ge­stein Jo­han­nes Gers­ter, Clau­di­us Mo­se­ler von der ÖDP und Hart­mut Fi­scher vom Rhei­ni­schen Ver­ein für Denk­mal­pfle­ge und Land­schafts­schutz. Wäh­rend die drei den Turm mehr oder we­ni­ger kom­plett ab­leh­nen, hat Schrei­ner als Ar­chi­tekt durch­aus et­was für ihn üb­rig. „Das kann man schon so ma­chen, wenn man das Mu­se­um aus sei­ner E­cke ho­len möch­te“, kom­men­tiert er ein Bild des Bi­bel­turm-Ent­wurfs aus dem Wett­be­werb. Doch sei nun ja nicht mehr ein Bü­cher­turm aus dem Wett­be­werb ge­plant, son­dern der ge­schloss­ene Bi­bel­turm. Und über­haupt be­zweif­le er, dass es ne­ben dem Rö­mi­schen Kai­ser ei­nen „Eye Cat­cher“, wie es im Aus­schrei­bungs­text heißt, eben ei­nen Blick­fang brau­che. Rich­tig in Fahrt kommt der haus­halt­spo­li­ti­sche Spre­cher der CDU-Land­tags­frak­ti­on aber erst, wenn es um Zah­len geht, um Kos­ten­rech­nun­gen – oder ge­nau­er: das Feh­len der­sel­ben. Ei­ne de­tail­lier­te Auf­stel­lung der Kos­ten ha­be er noch nicht ge­se­hen. „Als Ar­chi­tekt spre­che ich nur von durch­fi­nan­ziert, wenn ich Kos­ten­be­rech­nun­gen ha­be für die ein­zel­nen Bau­tei­le und Maß­nah­men.“ Al­les, was es beim Bi­bel­turm ge­be, sei die Ga­ran­tie der Ar­chi­tek­ten, dass sie ih­ren Ent­wurf für das zur Ver­fü­gung ste­hen­de Geld rea­li­sie­ren könn­ten. Dies hät­ten sie im Rah­men des Wett­be­werbs mit ih­rer Un­ter­schrift ver­si­chert. „Aber sie ha­ben die Kos­ten für et­was ga­ran­tiert, das gar nicht ge­baut wird“, kri­ti­siert Schrei­ner. Schließ­lich ha­be sich der Ent­wurf deut­lich ver­än­dert. Au­ßer­dem spre­che man beim Bi­bel­turm von et­wa 5000 Ku­bik­me­tern um­bau­tem Raum mit ei­ner so­ge­nann­ten wei­ßen Wan­ne, al­so ei­ner was­ser­un­durch­läs­si­gen un­ter­ir­di­schen Kons­truk­ti­on, und ei­ner be­son­de­ren Fass­ade. Neh­me man an, es stün­den fünf Mil­lio­nen Eu­ro für den rei­nen Bi­bel­turm zur Ver­fü­gung, hät­te man 1000 Eu­ro pro Ku­bik­me­ter. „Da­für kön­nen Sie ein Ein­fa­mi­li­en­haus bau­en – aber nicht un­ter­ir­disch und nicht mit hoch­wer­ti­ger Fass­ade.“ Ins­be­son­de­re bei letz­te­rer sei voll­kom­men un­klar, aus wel­chem Ma­te­ri­al und zu wel­chen Kos­ten sie ge­stal­tet wer­den soll­te.

Zu­dem sei es nicht so, dass das Land nur da­rauf war­te, der Stadt Mainz wei­te­res Geld für ein Mu­se­um zu be­wil­li­gen, wäh­rend ge­ra­de für 44 Mil­lio­nen das Ar­chäo­lo­gi­sche Zen­trum ge­baut wer­de. Part­ner wie den Bund oder das Land müs­se man ein­bin­den, be­vor man an­fan­ge zu bau­en, nicht hin­ter­her. Auch das Ar­chäo­lo­gi­sche Zen­trum se­he nach der Ein­bin­dung des Lan­des deut­lich an­ders aus, als zu­nächst ge­plant. „Das Ding ist ein­fach nicht ent­schei­dungs­reif. Be­vor man nicht die Fi­nan­zie­rung hat, kann man nicht bau­en“, schließt Schrei­ner sei­nen Vor­trag ab.

„Jetzt müs­sen wir erst­mal durch­at­men“, sagt Mo­de­ra­tor An­gres. Und das gilt auch für die Bi­bel­turm-Be­für­wor­ter, die mit ih­ren But­tons gut er­kenn­bar auch zahl­reich im Haus am Dom ver­tre­ten sind. Im­mer wie­der stel­len sie kri­ti­sche Zwi­schen­fra­gen. Wa­rum sind kei­ne Ex­per­ten der Be­für­wor­ter-Sei­te ge­la­den wor­den? Macht der Turm nicht nur ei­nen klei­nen Teil des Lieb­frau­en­plat­zes aus? Funk­tio­niert mo­der­ne Ar­chi­tek­tur an an­de­ren Stel­len nicht auch ganz wun­der­bar ne­ben al­ten Bau­wer­ken? Zwi­schen­zeit­lich kocht die Dis­kuss­ion da­durch ziem­lich hoch, wo­bei mit Jo­han­nes Stru­gal­la auch ein Spre­cher der BI für den Bi­bel­turm die In­for­ma­ti­ons­po­li­tik der Stadt kri­ti­siert. Das Kon­zept des ZDF-Mo­de­ra­tors, die Be­su­cher mit vier The­sen zu den un­ter­schied­li­chen The­men­blö­cken „raus in die Wein­stu­ben“ zu schi­cken, geht nicht auf. Der Ver­such, für den Punkt Ar­chi­tek­tur das Stich­wort „Zu­sam­men­spiel“ all­ge­mein fest­zu­hal­ten, geht mehr oder we­ni­ger un­ter – in Ge­grum­mel und un­zu­frie­de­nen Wort­mel­dun­gen.

Der Riss durch die CDU

BI­BEL­TURM: Rat­haus-Frak­ti­on da­für, vie­le an Ba­sis da­ge­gen / Alts­tadt-CDU und JU sa­gen Nein

Allgemeine Zeitung, 23. März 2018, Ca­ri­na Schmidt, Paul Las­say und Mi­cha­el Ber­mei­tin­ger, MAINZ.

Die Mei­nung der CDU zum Bi­bel­turm scheint klar. Zu­min­dest die der Stadt­rats­frak­ti­on. Sie will, dass er ge­baut wird.

Doch au­ßer­halb der Rat­haus-CDU wa­ckelt die Front: Der Stadt­be­zirk Alts­tadt er­klär­te, dass er den Bau ab­lehnt, und eben­so sagt die Jun­ge Uni­on „Nein“ zum Turm. Auch ei­ne vom Kreis­ver­band mit den Am­pel-Par­tei­en ver­ein­bar­te Fly­er-Ak­ti­on soll an der Ba­sis auf we­nig Ge­gen­lie­be ge­sto­ßen sein, heißt es aus In­si­der-Krei­sen. Auf ei­ne An­fra­ge an die Stadt­be­zir­ke, wer wie vie­le Pro-Bi­bel­turm-Zet­tel in die Brief­käs­ten ste­cken will, ha­be nur Hart­en­berg-Münch­feld ei­ne po­si­ti­ve Rück­mel­dung ge­ge­ben.

Skep­ti­sche Kom­men­ta­re und Bei­fall für die Turm-Geg­ner

Das Bild vom Riss durch die Par­tei wird da­durch ab­ge­run­det, dass CDU-Leu­te in den so­zia­len Netz­wer­ken skep­ti­sche Kom­men­ta­re ab­ge­ben oder den Geg­nern mehr oder min­der of­fen ap­plau­die­ren. Und es sind nicht die Un­wich­tigs­ten.

„Cha­pe­au!“ schrieb et­wa Kreis­vor­sit­zen­de Sa­bi­ne Fle­gel auf der Fa­ce­book-Sei­te der Bi­bel­turm-Geg­ner un­ter ei­nen Film, in dem vie­le Main­zer Po­si­ti­on ge­gen den Turm er­grei­fen. „Cha­pe­au!“, al­so so viel wie „Hut ab!“ – aber da­mit will sie nicht die BI-Po­si­ti­on ge­meint ha­ben, son­dern nur die Ma­chart des Films. „Er ist be­ein­druckend gut ge­macht, ob­wohl Lai­en am Werk wa­ren“, so die CDU-Che­fin, die im Stadt­rat dem Turm ihr „Ja“ ge­ge­ben hat. Zwei­fel am Be­schluss? Kei­nes­falls.

Da­zu, dass nur Hart­en­berg-Münch­feld be­reit ge­we­sen sein soll, Pro-Fly­er zu ver­tei­len, sagt sie: „Das stimmt so nicht“ – oh­ne zu sa­gen, wer mit­ma­chen will. Dass es we­gen der Fly­er-Ak­ti­on Un­mut ge­be, be­stä­tigt sie aber. Zur Alts­tadt-CDU meint Fle­gel: „Die Stadt­tei­le sind au­to­nom zu be­trach­ten.“ Im Ge­gen­satz zur SPD hät­ten die Christ­de­mo­kra­ten kei­nen Par­tei­tags­be­schluss über den Bi­bel­turm ge­fasst. Die Alts­tadt sei in be­son­de­rem Ma­ße be­trof­fen. In­so­fern kön­ne sie mit der Ab­leh­nung le­ben.

Stadt­rats­frak­ti­ons­chef Hanns­georg Schö­nig hebt eben­falls die Au­to­no­mie der Stadt­tei­le her­vor, zeigt sich aber auch zerk­nirscht: „Ich hät­te mir ei­ne brei­ter an­ge­leg­te Dis­kuss­ion ge­wünscht. Die Zu­kunft des Gu­ten­berg-Mu­se­ums be­schäf­tigt ja nicht nur die Alts­tadt.“ Dass es in sei­nen Rei­hen nicht nur Bi­bel­turm-Be­für­wor­ter ge­be, sei kei­ne Neu­ig­keit. „Der Be­schluss in der Frak­ti­on wur­de mehr­heit­lich ge­fasst, nicht ein­stim­mig.“ In­so­fern ha­be es von An­fang an Geg­ner ge­ge­ben, die of­fen Flag­ge ge­zeigt hät­ten.

Ei­ner ist Stadt­rats­mit­glied Tho­mas Gers­ter, Vor­sit­zen­der der Alts­tadt-CDU, die bei nur ei­ner Ge­gen­stim­me „Nein“ ge­sagt hat; eben­so sein Va­ter Jo­han­nes, kämp­fe­ri­sches CDU-Ur­ge­stein mit be­stem Zu­gang zur Ba­sis. Die Frak­ti­on sei „in et­was hin­ein­ge­ris­sen wor­den, das nicht über­schau­bar war“, ver­mu­tet der lang­jäh­ri­ge Bun­des­tags­ab­geord­ne­te und lauts­tar­ke Bi­bel­turm-Geg­ner. Nun wol­le die Frak­ti­on öf­fent­lich nicht mehr da­von ab­rü­cken. Sei­ner Mei­nung nach hiel­ten sich un­ter den CDU-Mit­glie­dern Be­für­wor­ter und Geg­ner in et­wa die Waa­ge.

Auch Fe­lix Lei­de­cker, stell­ver­tre­ten­der CDU-Chef und lang­jäh­ri­ger Vor­sit­zen­der der Jun­gen Uni­on, hält nicht hin­ter dem Berg. Er quit­tiert bei Fa­ce­book auf der Sei­te der Bi­bel­turm­geg­ner den Film-Post mit Zu­stim­mung. Ge­nau­so sein Nach­fol­ger an der JU-Spit­ze, Tors­ten Ro­he. Kein Wun­der al­so, dass sich die Jung­uni­onis­ten nun klar po­si­tio­niert ha­ben. Sie for­dern die Stadt auf, „ei­ne ver­nünf­ti­ge Fi­nan­zie­rung auf­zu­stel­len“, denn „wir se­hen es kom­men, dass die Stadt am En­de für die an­de­ren Bau­ab­schnit­te Geld auf­brin­gen muss, das sie nicht hat.“ Am be­sten wä­re es, wenn das Gu­ten­berg-Mu­se­um Lan­des­mu­se­um wür­de.

Auch Land­tags­ab­geord­ne­ter Gerd Schrei­ner, der bei Twit­ter die Stadt-Bro­schü­re zur Bürg­er­bef­ra­gung (12 Sei­ten, da­von ein­ein­halb für die Geg­ner, we­ni­ge Zei­len zur Fi­nan­zie­rung) iro­nisch als „to­tal neu­tral“ be­zeich­net hat­te, sieht die Geld-Fra­ge kri­tisch. Und da hat die Stim­me des haus­halt­spo­li­ti­schen Spre­chers der Land­tags-CDU Ge­wicht: „Wenn es mein Haus und mein Geld wä­re, hät­te ich ein Ge­samt­kon­zept oh­ne Fra­ge­zei­chen hin­ter der Ge­samt­fi­nan­zie­rung, be­vor ich an­fan­ge …“, twit­tert er. Die Rats­frak­ti­on kri­ti­siert er nicht. „Sie muss­te sich po­si­tio­nie­ren und hat sich po­si­tio­niert.“

Hat die CDU das The­ma schlicht un­ter­schätzt?

Nichts­de­sto­trotz sind sich Be­ob­ach­ter si­cher, dass zu­min­dest Tei­le der Stadt­rats-CDU ins „Ja“ zum Turm mehr hin­ein­ge­schlit­tert sind, denn aus ech­ter Hin­ga­be zu­ge­stimmt ha­ben.

Auf die Fra­ge, wa­rum man mit „Ja“ vo­tiert ha­be, sag­te ein In­si­der ein­mal: „Man woll­te die Leu­te, die in den Aus­schüs­sen da­ran mit­ge­ar­bei­tet ha­ben, nicht im Re­gen ste­hen las­sen.“ Au­ßer­dem füh­le sich die CDU der Stadt­rä­son, dem Wohl der Stadt ver­pflich­tet. Al­ler­dings heißt es auch, man ha­be das The­ma schlicht un­ter­schätzt.

CDU kri­ti­siert Wett­be­werb

GFZ-KA­SER­NE: Bau- und Sa­nie­rungs­aus­schuss dis­ku­tiert über neu­es Wohn­ge­biet

Allgemeine Zeitung, 3. März 2018, Tor­ben Schrö­der, MAINZ.

Wie wird das neue Wohn­ge­biet auf dem Ge­län­de der GFZ-Ka­ser­ne in der Ober­stadt ein­mal aus­se­hen? Das ist noch im­mer un­klar und hat im städ­ti­schen Bau- und Sa­nie­rungs­aus­schuss für Dis­kuss­io­nen ge­sorgt.

In ei­nem Wett­be­werb soll die städ­te­bau­li­che Struk­tur des Are­als an der Frei­lig­raths­tra­ße ent­wi­ckelt wer­den. „Wir hof­fen auf ei­ne Ju­ry­sit­zung im Som­mer“, kün­dig­te der Ab­tei­lungs­lei­ter Stadt­pla­nung, Axel Stro­bach, an. Ide­al­er­wei­se könn­ten, so Bau­de­zer­nen­tin Ma­ri­an­ne Gros­se (SPD), die Ar­bei­ten di­rekt im An­schluss an die für 2019 ge­plan­te Räu­mung des Ge­län­des be­gin­nen, das die Bun­des­wehr im Zu­ge ih­rer Um­struk­tu­rie­rung ver­las­sen wird. Ak­tu­ell sind noch das Lan­des­kom­man­do Rhein­land-Pfalz, ein Feld­jä­ger­re­gi­ment so­wie das Sa­ni­täts­ver­sor­gungs­zen­trum Mainz mit rund 200 Sol­da­ten und zi­vi­len Mit­ar­bei­tern sta­tio­niert.

Mög­lichst viel so­zia­ler Woh­nungs­bau

Die CDU kri­ti­sier­te das Vor­ge­hen. „Gro­ßen Ein­fluss ha­ben wir durch die Ju­ry nicht mehr“, sah Tho­mas Gers­ter die Mit­wir­kungs­mög­lich­kei­ten des Aus­schus­ses ein­ge­schränkt, „der Wett­be­werb setzt den Zug aufs Gleis“. Gerd Schrei­ner kri­ti­sier­te, dass durch die en­gen Rah­men­be­din­gun­gen die Krea­ti­vi­tät im Wett­be­werb ein­ge­schränkt wer­de.

Aber ge­nau das, näm­lich die Re­geln vor­ge­ben, sei Auf­ga­be von De­zer­nat und Aus­schuss, hielt Gros­se ent­ge­gen. „Die Wett­be­wer­be brin­gen gu­te Er­geb­nis­se“, sag­te Dr. Bri­an Huck (Grü­ne), Orts­vor­ste­her der Alts­tadt. Für Hen­ning Franz (SPD) tau­ge die von der CDU an­ge­sto­ße­ne Dis­kuss­ion nur da­zu, das Er­geb­nis zu dis­kre­di­tie­ren. Christ­ine Zim­mer (SPD) ge­stand die „Krux“ ein, auf ei­nem „Fi­lets­tück“ mög­lichst viel so­zia­len Woh­nungs­bau un­ter­zu­brin­gen. Doch der Rah­men­plan, der dem Wett­be­werb zu­grun­de liegt, sei mit de­mo­kra­ti­scher Mehr­heit be­schlos­sen wor­den. Am Ziel des So­zi­al­baus wol­le un­ter­des­sen auch die CDU nicht rüt­teln. Schrei­ner kri­ti­sier­te aber die aus sei­ner Sicht zu ho­he Ver­dich­tung des Are­als.

Um den wer­be­ge­stal­te­ri­schen Wild­wuchs im Be­reich der Rö­mer­pass­age und der Lot­hars­tra­ße ein­zu­däm­men, hat die Stadt Mainz vor drei Jah­ren ei­ne Wer­be­an­la­gen­sat­zung er­las­sen – die­se soll nun un­be­fri­stet gel­ten.

Groß­flä­chi­ge Wer­be­an­la­gen und voll be­kleb­te Schau­fens­ter soll­ten mit der Sat­zung ver­mie­den wer­den, um die­sen Be­reich der In­nens­tadt at­trak­ti­ver zu ma­chen. Und das hat funk­tio­niert. So lau­tet zu­min­dest das Fa­zit, das Axel Stro­bach im Aus­schuss zog. Bis­lang war die Sat­zung auf drei Jah­re be­fri­stet, um ih­re Wirk­sam­keit zu tes­ten. „Aus dem Be­reich der Ein­zel­händ­ler kam kei­ne Kri­tik“, hielt Stro­bach fest. Das be­stä­tigt auch Orts­vor­ste­her Bri­an Huck. Die ent­spre­chen­de Be­schluss­emp­feh­lung des Aus­schus­ses an den Stadt­rat für ei­ne un­be­fri­ste­te Gül­tig­keit er­ging ein­stim­mig.

Als Re­gi­on auf Ge­samt­kon­zept ei­ni­gen

RHEIN­HES­SENS­TRAS­SE: Land­rä­tin Do­ro­thea Schä­fer dis­ku­tiert mit CDU-Ver­bän­den ak­tu­el­le Ver­kehrs­si­tua­ti­on auf L 425

Allgemeine Zeitung, 2. März 2018, Mi­cha­el Hein­ze, NIEDER-OLM.

„Ein Dia­log und ei­ne ge­mein­sa­me Stra­te­gie sind drin­gend not­wen­dig“, be­ton­te Land­rä­tin und CDU-Kreis­vor­sit­zen­de Do­ro­thea Schä­fer bei der In­for­ma­ti­ons­ver­an­stal­tung „Quo Va­dis Rhein­hes­sens­tra­ße“ zur ak­tu­el­len und künf­ti­gen Si­tua­ti­on der wich­ti­gen Ver­kehrs­ader zwi­schen Kön­gern­heim und Hechts­heim, zu der der CDU-Ge­mein­de­ver­band Nie­der-Olm und die CDU-Stadt­be­zir­ke Ebers­heim und Hechts­heim in die Lud­wig-Eckes-Hal­le ge­la­den hat­ten. „Wir müs­sen uns als kom­plet­te Re­gi­on auf klu­ge Lö­sun­gen und ein Ge­samt­kon­zept ei­ni­gen.“ Das größ­te Pro­blem sei, „dass der In­di­vi­du­al­ver­kehr mit dem Bus­ver­kehr gleich­er­ma­ßen hin­ter­ein­an­der im Stau seht“, sag­te Schä­fer den 80 Zu­hö­rern. „Ich bin schon vor 35 Jah­ren zwei Bus­se frü­her in die Stadt ge­fah­ren, da­mit ich pünkt­lich in der Schu­le war“, är­ger­te sich VG-Bürg­er­meis­ter­kan­di­dat Ste­fan Kneib.

Stra­ße „ele­men­tar wich­tig“ für VG Nie­der-Olm

Für die VG Nie­der-Olm sei die Rhein­hes­sens­tra­ße „ele­men­tar wich­tig“. Für die Main­zer Stadt­rä­tin An­et­te Oden­wel­ler aus Ebers­heim („Die Ka­pa­zi­tä­ten sind schon lan­ge aus­ge­schöpft“) ist es ein Un­ding, dass nie­mand an die Be­rufs­pend­ler den­ke. „Die Pla­nun­gen hät­ten schon vor zehn Jah­ren um­ge­setzt wer­den müs­sen“, ap­pel­lier­te sie für „groß­flä­chi­ges Den­ken“. Ge­nau­so wie der Hechts­hei­mer Orts­vor­ste­her Franz Jung: „Wir dis­ku­tie­ren und dis­ku­tie­ren – und die Si­tua­ti­on wird im­mer schlim­mer.“ Das Ge­fühl lässt sich mit den Zah­len des Lan­des­be­triebs Mo­bi­li­tät be­le­gen. Je nä­her man dem Au­to­bahn­ring kommt, um­so grö­ßer sei die Be­la­stung – 22 000 Au­tos in 24 Stun­den zwi­schen Ebers­heim und Hechts­heim. „Ein Rie­sen­pro­blem“ sei dies auch für die Orts­ker­ne. Span­nend sei die Prog­no­se, wo­nach zwi­schen Wirt­schafts­park Süd und A 60 bis 2030 das Ver­kehrs­auf­kom­men um 206 Pro­zent stei­gen wer­de. In Ebers­heim, Harx­heim und Gau-Bi­schofs­heim wür­den sechs bis 20 Pro­zent mehr er­war­tet.

Von den dis­ku­tier­ten Va­ri­an­ten sei ein­zig der vier­spu­ri­ge Aus­bau plus Wirt­schafts­weg mit ei­ner Stra­ßen­brei­te von 21 Me­tern sinn­voll. Kos­ten­punkt: 7,3 Mil­lio­nen Eu­ro. „Wo­bei das teu­rer wer­den wird“, weiß der Land­tags­ab­geord­ne­te Gerd Schrei­ner. Doch das Geld sei gut in­ves­tiert. Bei der güns­tigs­ten Lö­sung spa­re man ein paar Mil­lio­nen. „Aber das bringt nicht die Leis­tungs­fä­hig­keit, die man braucht. Wäh­rend der Bau­zeit gä­be es ein Cha­os, da­nach wä­re die Si­tua­ti­on ge­nau­so wie bis­her.“ Fa­zit des Ar­chi­tek­ten: „Wenn wir et­was ma­chen, müs­sen wir es rich­tig ma­chen und Platz schaf­fen für ei­nen Kor­ri­dor der In­fras­truk­tur. Die­se Stra­ße ist das Rück­grat für ei­ne ge­sun­de Ent­wi­cklung ins Rhein­hes­si­sche hin­ein.“ In der Dis­kuss­ion mit den Po­li­ti­kern nann­te es ein Mann ei­nen „Schild­bür­gers­treich er­ster Sor­te, auf ei­nem Ki­lo­me­ter drei Am­peln zu in­stal­lie­ren“. Die Lö­sung sei ein in­tel­li­gen­ter Kreis­ver­kehr. „Da wird der Ver­kehr lang­sa­mer – aber er fließt.“ An­de­re sag­ten, dass auch Krei­sel kei­ne Pa­tent­lö­sung sei­en. In den Au­gen der Klein-Win­tern­hei­mer Orts­bürg­er­meis­te­rin Ute Gra­nold kann „nur der Druck von der Ba­sis hel­fen“, um den Ent­schei­dungs­trä­gern „Dampf zu ma­chen“. Der Land­tags­ab­geord­ne­te Tho­mas Barth be­kräf­tig­te zu­dem: „Der Auf­ruf zum Auf­ruhr ist ab­so­lut nach­voll­zieh­bar.“ Land­kreis und Stadt Mainz müss­ten sich end­lich ei­ni­gen. Der Ebers­hei­mer CDU-Vor­sit­zen­de Karl-Heinz Fried­rich kün­dig­te ei­ne „Bürg­er­ini­tia­ti­ve Rhein­hes­sens­tra­ße“ an, von der „ein Im­puls an die Po­li­tik“ aus­ge­hen sol­le.