Am­pel­koa­li­ti­on steht zur Sa­nie­rung

RAT­HAUS­UM­BAU: CDU kri­ti­siert Kos­ten / SPD-Frak­ti­ons­che­fin: „Es gibt kei­ne Al­ter­na­ti­ve“

Allgemeine Zeitung, 7. Februar 2018, Michael Er­furth, MAINZ.

Der Be­schluss zur Sa­nie­rung des Rat­hau­ses er­fol­ge durch die Am­pel­koa­li­ti­on nur mit ge­brems­ten Schaum, mein­te der CDU-Po­li­ti­ker Gerd Schrei­ner. Denn ne­ben der Fra­ge, ob die Sa­nie­rungs­kos­ten „von den der­zeit an­ge­ge­be­nen 65 Mil­lio­nen Eu­ro plus X“ nicht aus dem Ru­der lau­fen wer­den, ge­be es zwei wei­te­re, nicht lös­ba­re Pro­ble­me: Bei der Sa­nie­rung der denk­mal­ge­schütz­ten Fass­ade könn­ten die Vor­ga­ben der En­er­gie­ein­spar­ver­ord­nung nicht ein­ge­hal­ten wer­den. Und bei Rhein­hoch­was­ser wer­de wei­ter­hin Was­ser ins Kel­ler­ge­schoss ein­drin­gen, so der CDU-Po­li­ti­ker.

Die Ar­gu­men­te Schrei­ners än­der­ten aber nichts an der Ab­stim­mung. Mit den Stim­men der Ver­tre­ter von SPD, Grü­nen, FDP, Lin­ken und ÖDP gab es ein­deu­ti­ge Mehr­hei­ten bei der ge­mein­sa­men Sit­zung von drei Stadt­rats­aus­schüs­sen und des Ort­bei­ra­tes Alts­tadt: Die Sa­nie­rung soll um­ge­setzt wer­den.

Ober­bürg­er­meis­ter Mi­cha­el Ebling (SPD) ent­geg­ne­te dem CDU-Po­li­ti­ker, es sei zwar rich­tig, dass laut Gut­ach­ten von AGN Nie­der­berg­haus und Part­ner ei­ne Däm­mung hin­ter der zu er­neu­ern­den Na­tur­stein­fass­ade nicht ge­mäß die­ser Ver­ord­nung mög­lich sei. Im Ge­bäu­de in­des wer­de es vie­le Ver­än­de­run­gen ge­ben, die zu ei­ner Ver­bes­se­rung der der­zeit sehr schlech­ten En­er­gie­bi­lanz füh­ren wür­den. Das rei­che von der Kli­ma­ti­sie­rung der Räu­me bis hin zur Be­leuch­tung.

Bei Hoch­was­ser wird der Kel­ler feucht

Ebling be­ton­te zu­dem, AGN emp­feh­le, aus Kos­ten­grün­den da­mit zu le­ben, dass bei star­kem Hoch­was­ser der Kel­ler feucht wer­den könn­te. „Je­der Haus­be­sit­zer am Rhei­nu­fer kennt das.“ Ei­ne Ver­sie­ge­lung kä­me sehr teu­er. „Dann stel­len wir halt nicht die al­ler­wich­tigs­ten Ak­ten in den Kel­ler“, sag­te Ebling süf­fi­sant.

Der OB wi­der­sprach auch dem Vor­wurf von CDU-Frak­ti­ons­chef Hanns­georg Schö­nig, die Ver­wal­tung ha­be Al­ter­na­ti­ven nicht or­dent­lich ge­prüft. Die von der CDU vor­ge­schlag­ene Va­ri­an­te, die re­prä­sen­ta­ti­ven Räu­me ins Schloss zu ver­le­gen und auf dem Are­al des ehe­ma­li­gen All­ianz­hau­ses an der Gro­ßen Blei­che ein Ver­wal­tungs­ge­bäu­de zu er­rich­ten, sei auch aus fi­nanz­iel­len Grün­den nicht sinn­voll. Zu­dem kä­me laut AGN-Gut­ach­ten der Neu­bau ei­nes Rat­hau­ses an ei­ner an­de­ren Stel­le in der In­nens­tadt teu­rer als die Sa­nie­rung des Ar­ne-Ja­cob­sen-Baus. AZ-In­for­ma­tio­nen zu­fol­ge war ein Are­al, das da­für in Fra­ge ge­kom­men wä­re, das Eck­grund­stück der dem­nächst an den Zoll­ha­fen zie­hen­den Lan­des­bank im Be­reich Gro­ße Blei­che/Flachs­markt­stra­ße. Al­lein der Ver­kaufs­preis für die­ses Grund­stück, auf dem nun Woh­nun­gen ent­ste­hen sol­len, hat mit knapp 70 Mil­lio­nen Eu­ro in der Grö­ßen­ord­nung ge­le­gen, die für die Rat­haus­sa­nie­rung ver­an­schlagt ist.

Po­li­ti­ker der Am­pel­koa­li­ti­on, von ÖDP und Lin­ken un­ter­mau­er­ten ih­re Zu­stim­mung zur Ver­wal­tungs­vor­la­ge, mit der jetzt Bau­recht für die Sa­nie­rung ge­schaf­fen wer­den soll. „Es gibt kei­ne Al­ter­na­ti­ve“, sag­te SPD-Frak­ti­ons­che­fin Ale­xan­dra Gill-Gehrs. In Zei­ten nie­dri­ger Zin­sen sei dies mach­bar. Au­ßer­dem kön­ne die Stadt wäh­rend der Bau­pha­se das West-Im­mo-Ge­bäu­de an der Gro­ßen Blei­che als Aus­weich­stät­te an­mie­ten. Für die Mit­ar­bei­ter soll es mo­der­ne Bü­ros ge­ben, für die Bür­ger die Öff­nung des Rat­hau­ses zum Rhei­nu­fer hin und die Be­geh­bar­keit des Da­ches, so Gill-Gehrs.

„Rat­haus ist ei­ne En­er­giesch­leu­der“

Syl­via Kö­bler-Gross (Grü­ne) ver­wies auf die im Er­gän­zungs­an­trag der Am­pel­koa­li­ti­on ge­for­der­te und in der Sit­zung auch be­schloss­ene früh­zei­ti­ge Be­tei­li­gung des Denk­mal­schut­zes an den wei­te­ren Pla­nun­gen. Wal­ter Kop­pi­us (FDP) be­ton­te, sei­ne Frak­ti­on und die Par­tei ste­he nach ei­ni­gen Dis­kuss­io­nen zu dem Sa­nie­rungs­be­schluss. „Das Fi­lets­tück Rat­haus muss in der Hand der Stadt Mainz blei­ben“, so Tu­pac Orel­la­na (Lin­ke). Und Dr. Clau­di­us Mo­se­ler (ÖDP) sag­te: „Das Rat­haus ist der­zeit ei­ne En­er­giesch­leu­der. Jähr­lich fal­len da­für Kos­ten von 1,2 Mil­lio­nen Eu­ro an.“

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