Sü­ßes in Mainz statt Sau­res in Ber­lin

RO­SEN­MON­TAGS­ZUG: Mi­nis­ter­prä­si­den­tin Ma­lu Drey­er und OB Mi­cha­el Ebling neh­men när­ri­sches De­fi­lee ab

Allgemeine Zeitung, 13. Februar 2018, Pe­tra Jung und Mi­cha­el Ber­mei­tin­ger, MAINZ.

Es gibt in die­sen Ta­gen wahr­lich Schlim­me­res für ei­ne stell­ver­tre­ten­de Bun­des­vor­sit­zen­de der SPD, als bei über­wie­gend son­ni­gem Wet­ter auf der Tri­bü­ne vorm Thea­ter zu ste­hen und aus dem He­lau-Ru­fen gar nicht her­aus zu kom­men – die Gro­Ko-Ge­sprä­che in Ber­lin sind dann weit, weit weg.

Hier in Mainz gab es prak­tisch nur fröh­li­che Ge­sich­ter, die Lau­ne war be­stens, und nach­dem am Mor­gen die Wet­ters­tim­mung noch nass-grau war, lach­te ab 13 Uhr die Son­ne über dem 116. Main­zer Ro­sen­mon­tags­zug. Welch ein Se­gen für die 8800 Teil­neh­mer, die sich um 11.11 Uhr in der Neus­tadt auf die 7,2 Ki­lo­me­ter lan­ge Stre­cke ge­macht hat­ten. Hö­he­punkt wie im­mer: der Vor­bei­marsch an der Pro­mi­tri­bü­ne auf dem Gu­ten­berg­latz.

Dort nahm Mi­nis­ter­prä­si­den­tin Ma­lu Drey­er, be­vor sie sich am Diens­tag wie­der ins Wil­ly-Brandt-Haus in der Bun­des­haupt­stadt auf­macht, mit vier­farb­bun­ter Schlei­fe im Haar ge­mein­sam mit Ober­bürg­er­meis­ter Mi­cha­el Ebling das när­ri­sche De­fi­lee ab. Und fei­er­te da­bei lie­ber die deutsch-fran­zö­si­sche Freund­schaft als die neu­er­li­che „Ver­nunf­te­he“ mit der Uni­on.

60 Jah­re währt nun schon die Part­ner­schaft zwi­schen der rhein­land-pfäl­zi­schen Haupt­stadt Mainz und Di­jon, Haupt­stadt der ost­fran­zö­si­schen Re­gi­on Burg­und. Sicht­ba­res Zei­chen die­ser Ver­bun­den­heit war der Be­such der fran­zö­si­schen Bot­schaf­te­rin An­ne-Ma­rie De­scô­tes, die ge­mein­sam mit Ali­ne Os­wald, Di­rekt­orin des In­sti­tut fran­çais in Mainz, zu den zahl­rei­chen Eh­ren­gäs­ten ge­hör­te, die Drey­er (für das Land) und Ebling (für die Stadt) vor dem Zug zum Emp­fang im Foy­er des Staats­thea­ters ein­ge­la­den hat­ten.

Dass der Mo­tiv­wa­gen mit der Zug­num­mer acht, den fran­zö­si­schen Prä­si­den­ten Ma­cron zeigt, der un­ter dem Mot­to „En mar­che“ mit ei­ner lä­dier­ten Ka­ros­se zu kämp­fen hat, spä­ter wäh­rend des Zu­ges be­son­ders lan­ge vor der Eh­ren­tri­bü­ne ver­weil­te und des­we­gen be­son­ders aus­gie­big be­gut­ach­tet wer­den konn­te, war in­des si­cher ein Zu­fall.

Zu den Eh­ren­gäs­ten auf der Tri­bü­ne – dort, wo un­ter den „Au­gen“ der Fern­seh­ka­me­ras die meis­ten Sü­ßig­kei­ten und Gim­micks aufs när­ri­sche Volk nie­der­pras­seln – zähl­ten un­ter an­de­ren die Ge­ne­ral­kon­suln von Chi­na, Ja­pan, Is­ra­el, Kroa­tien und An­ge­hö­ri­ge der ame­ri­ka­ni­schen Streit­kräf­te so­wie Po­li­ti­ker, da­run­ter Fi­nanz­mi­nis­te­rin Do­ris Ah­nen, Bil­dungs­mi­nis­te­rin Ste­fa­nie Hu­big so­wie Kul­tur­mi­nis­ter Kon­rad Wolf (al­le SPD).

De­ren Land­tags­kol­le­gen Ju­lia Klöck­ner und Gerd Schrei­ner (bei­de CDU) mar­schier­ten stram­men Schrit­tes bei der Ran­zen­gar­de mit – und be­ka­men da­für ein „Ex­tra“-He­lau von der Tri­bü­ne. Das konn­ten die­se zur Auf­mun­te­rung gut ge­brau­chen, war es doch bis zum End­punkt des Zu­ges am Schil­ler­platz noch ei­ne or­dent­li­che Stre­cke.

Lo­bes­hym­nen auf die Fern­seh­fast­nacht gab es vom Ober­bürg­er­meis­ter. Als der MCC-Wa­gen mit Flo­ri­an Sit­te ali­as An­ge­la Mer­kel an ihm vor­bei­roll­te, rief Mi­cha­el Ebling den Ak­ti­ven zu: „Ihr habt uns ei­ne wun­der­ba­re Fast­nacht ge­bracht.“ Ein Wunsch des OB er­füll­te sich der­weil nicht. Vor dem Zug hat­te er al­le Eh­ren­gäs­te ein­dring­lich ge­be­ten: „Blei­ben Sie bit­te wäh­rend des gan­zen Zu­ges auf der Tri­bü­ne – sonst be­kom­men wir wie­der Är­ger we­gen der Fern­seh­über­tra­gung …“

IN ZAH­LEN

Es gab 139 Zug­num­mern , Ge­samt­teil­neh­mer-Zahl: 8800 . Es mar­schier­ten 70 Mu­sik­grup­pen (mit ins­ge­samt 2124 Mu­sik­ern ) so­wie 92 Fah­nen- und Schwell­kopp­trä­ger mit. 161 när­ri­sche Wa­gen , Mo­tiv- und Ko­mit­ee­wa­gen, so­wie 113 Trak­to­ren und Zug­ma­schi­nen roll­ten am när­ri­schen Volk vor­bei.

Am­pel­koa­li­ti­on steht zur Sa­nie­rung

RAT­HAUS­UM­BAU: CDU kri­ti­siert Kos­ten / SPD-Frak­ti­ons­che­fin: „Es gibt kei­ne Al­ter­na­ti­ve“

Allgemeine Zeitung, 7. Februar 2018, Michael Er­furth, MAINZ.

Der Be­schluss zur Sa­nie­rung des Rat­hau­ses er­fol­ge durch die Am­pel­koa­li­ti­on nur mit ge­brems­ten Schaum, mein­te der CDU-Po­li­ti­ker Gerd Schrei­ner. Denn ne­ben der Fra­ge, ob die Sa­nie­rungs­kos­ten „von den der­zeit an­ge­ge­be­nen 65 Mil­lio­nen Eu­ro plus X“ nicht aus dem Ru­der lau­fen wer­den, ge­be es zwei wei­te­re, nicht lös­ba­re Pro­ble­me: Bei der Sa­nie­rung der denk­mal­ge­schütz­ten Fass­ade könn­ten die Vor­ga­ben der En­er­gie­ein­spar­ver­ord­nung nicht ein­ge­hal­ten wer­den. Und bei Rhein­hoch­was­ser wer­de wei­ter­hin Was­ser ins Kel­ler­ge­schoss ein­drin­gen, so der CDU-Po­li­ti­ker.

Die Ar­gu­men­te Schrei­ners än­der­ten aber nichts an der Ab­stim­mung. Mit den Stim­men der Ver­tre­ter von SPD, Grü­nen, FDP, Lin­ken und ÖDP gab es ein­deu­ti­ge Mehr­hei­ten bei der ge­mein­sa­men Sit­zung von drei Stadt­rats­aus­schüs­sen und des Ort­bei­ra­tes Alts­tadt: Die Sa­nie­rung soll um­ge­setzt wer­den.

Ober­bürg­er­meis­ter Mi­cha­el Ebling (SPD) ent­geg­ne­te dem CDU-Po­li­ti­ker, es sei zwar rich­tig, dass laut Gut­ach­ten von AGN Nie­der­berg­haus und Part­ner ei­ne Däm­mung hin­ter der zu er­neu­ern­den Na­tur­stein­fass­ade nicht ge­mäß die­ser Ver­ord­nung mög­lich sei. Im Ge­bäu­de in­des wer­de es vie­le Ver­än­de­run­gen ge­ben, die zu ei­ner Ver­bes­se­rung der der­zeit sehr schlech­ten En­er­gie­bi­lanz füh­ren wür­den. Das rei­che von der Kli­ma­ti­sie­rung der Räu­me bis hin zur Be­leuch­tung.

Bei Hoch­was­ser wird der Kel­ler feucht

Ebling be­ton­te zu­dem, AGN emp­feh­le, aus Kos­ten­grün­den da­mit zu le­ben, dass bei star­kem Hoch­was­ser der Kel­ler feucht wer­den könn­te. „Je­der Haus­be­sit­zer am Rhei­nu­fer kennt das.“ Ei­ne Ver­sie­ge­lung kä­me sehr teu­er. „Dann stel­len wir halt nicht die al­ler­wich­tigs­ten Ak­ten in den Kel­ler“, sag­te Ebling süf­fi­sant.

Der OB wi­der­sprach auch dem Vor­wurf von CDU-Frak­ti­ons­chef Hanns­georg Schö­nig, die Ver­wal­tung ha­be Al­ter­na­ti­ven nicht or­dent­lich ge­prüft. Die von der CDU vor­ge­schlag­ene Va­ri­an­te, die re­prä­sen­ta­ti­ven Räu­me ins Schloss zu ver­le­gen und auf dem Are­al des ehe­ma­li­gen All­ianz­hau­ses an der Gro­ßen Blei­che ein Ver­wal­tungs­ge­bäu­de zu er­rich­ten, sei auch aus fi­nanz­iel­len Grün­den nicht sinn­voll. Zu­dem kä­me laut AGN-Gut­ach­ten der Neu­bau ei­nes Rat­hau­ses an ei­ner an­de­ren Stel­le in der In­nens­tadt teu­rer als die Sa­nie­rung des Ar­ne-Ja­cob­sen-Baus. AZ-In­for­ma­tio­nen zu­fol­ge war ein Are­al, das da­für in Fra­ge ge­kom­men wä­re, das Eck­grund­stück der dem­nächst an den Zoll­ha­fen zie­hen­den Lan­des­bank im Be­reich Gro­ße Blei­che/Flachs­markt­stra­ße. Al­lein der Ver­kaufs­preis für die­ses Grund­stück, auf dem nun Woh­nun­gen ent­ste­hen sol­len, hat mit knapp 70 Mil­lio­nen Eu­ro in der Grö­ßen­ord­nung ge­le­gen, die für die Rat­haus­sa­nie­rung ver­an­schlagt ist.

Po­li­ti­ker der Am­pel­koa­li­ti­on, von ÖDP und Lin­ken un­ter­mau­er­ten ih­re Zu­stim­mung zur Ver­wal­tungs­vor­la­ge, mit der jetzt Bau­recht für die Sa­nie­rung ge­schaf­fen wer­den soll. „Es gibt kei­ne Al­ter­na­ti­ve“, sag­te SPD-Frak­ti­ons­che­fin Ale­xan­dra Gill-Gehrs. In Zei­ten nie­dri­ger Zin­sen sei dies mach­bar. Au­ßer­dem kön­ne die Stadt wäh­rend der Bau­pha­se das West-Im­mo-Ge­bäu­de an der Gro­ßen Blei­che als Aus­weich­stät­te an­mie­ten. Für die Mit­ar­bei­ter soll es mo­der­ne Bü­ros ge­ben, für die Bür­ger die Öff­nung des Rat­hau­ses zum Rhei­nu­fer hin und die Be­geh­bar­keit des Da­ches, so Gill-Gehrs.

„Rat­haus ist ei­ne En­er­giesch­leu­der“

Syl­via Kö­bler-Gross (Grü­ne) ver­wies auf die im Er­gän­zungs­an­trag der Am­pel­koa­li­ti­on ge­for­der­te und in der Sit­zung auch be­schloss­ene früh­zei­ti­ge Be­tei­li­gung des Denk­mal­schut­zes an den wei­te­ren Pla­nun­gen. Wal­ter Kop­pi­us (FDP) be­ton­te, sei­ne Frak­ti­on und die Par­tei ste­he nach ei­ni­gen Dis­kuss­io­nen zu dem Sa­nie­rungs­be­schluss. „Das Fi­lets­tück Rat­haus muss in der Hand der Stadt Mainz blei­ben“, so Tu­pac Orel­la­na (Lin­ke). Und Dr. Clau­di­us Mo­se­ler (ÖDP) sag­te: „Das Rat­haus ist der­zeit ei­ne En­er­giesch­leu­der. Jähr­lich fal­len da­für Kos­ten von 1,2 Mil­lio­nen Eu­ro an.“

CDU will Ci­ty-Bahn und neue Brü­cke

MIT­GLIE­DER­DIA­LOG: Main­zer Christ­de­mo­kra­ten su­chen Schul­ter­schluss mit Wies­ba­de­ner Kol­le­gen

Allgemeine Zeitung, 2. Februar 2018, Tor­ben Schrö­der, MAINZ.

Die Main­zer CDU will sich für ei­ne „Ci­ty-Bahn Plus“ ein­set­zen, die mit ei­ner wei­te­ren Rhein­brü­cke ein­her­geht. Ih­re Über­le­gun­gen stell­ten die Par­tei-Vor­de­ren im Rah­men ei­nes Mit­glie­der­dia­logs vor, bei dem es kon­tro­vers und durch­aus auch emo­tio­nal zu­ging. Das Stim­mungs­bild der Ba­sis ist viel­fäl­tig. „Wir ha­ben kei­ne Mehr­heit im Stadt­vor­stand und im Stadt­rat“, be­ton­te Frak­ti­ons­chef Hanns­georg Schö­nig. Des­halb ha­be man sich in den Wies­ba­de­ner Christ­de­mo­kra­ten ei­nen Bünd­ni­spart­ner ge­sucht – und sei nun auf die Mit­glie­der an­ge­wie­sen, die im Rah­men der Bürg­er­be­tei­li­gung die Vor­ha­ben der CDU un­ter­stüt­zen. „Wir soll­ten al­le Kräf­te da­rauf aus­rich­ten, dass wir ei­ne Brü­cke be­kom­men“, for­der­te Schö­nig.

„Die Ci­ty-Bahn ist erst mal ei­ne gu­te Idee“, hielt der ver­kehrs­po­li­ti­sche Spre­cher Tho­mas Gers­ter fest. Da­mit, dass sie über die Theo­dor-Heuss-Brü­cke ver­lau­fen soll, müs­se man sich ab­fin­den. Doch es dür­fe die Stra­ßen­bahn­ver­bin­dung zwi­schen Mainz und Wies­ba­den, wie der Land­tags­ab­geord­ne­te Gerd Schrei­ner be­ton­te, nur in Kom­bi­na­ti­on mit ei­ner zu­sätz­li­chen Rhein­brü­cke ge­ben. Vor­ge­schla­gen wird ei­ne zu­sätz­li­che Tras­sen­füh­rung über die Pe­ter­saue, die auch für Au­tos und Fahr­rä­der zu be­fah­ren sein soll. Da­mit las­se sich ein wei­te­rer Ver­kehrs­ring ent­wi­ckeln, der die In­nens­tadt ent­la­stet. „Meh­re­re Schwach­punk­te“ sieht Gers­ter bei der an­ge­dach­ten Tras­sen­füh­rung ent­lang der Gro­ßen Blei­che. Der In­di­vi­du­al­ver­kehr wür­de lei­den, Park­plät­ze in gro­ßer Zahl weg­fal­len, ei­ne Rei­he Park­häu­ser wä­re kaum noch zu er­rei­chen. Statt­des­sen schlägt Gers­ter ei­ne Stre­cke von der Theo­dor-Heuss-Brü­cke aus Rich­tung Sü­den die Rheins­tra­ße ent­lang vor, bis in die Quin­tinss­tra­ße, Rich­tung Höf­chen und über die Lud­wigss­tra­ße bis zum Schil­ler­platz. An­dern­falls „wird es die Gro­ße Blei­che, wie wir sie ken­nen, nicht mehr ge­ben“, warn­te Schrei­ner: „Es wä­re dann kei­ne In­di­vi­du­al­ver­kehrs­stra­ße mehr, und da­mit hät­ten wir ein Pro­blem.“ Ei­ne „Fuß­gän­ger­zo­ne in der Gro­ßen Blei­che“ fän­de Ver­kehrs­de­zer­nen­tin Ka­trin Eder „wun­der­bar, wir fin­den das furcht­bar“.

Als „Zu­kunfts­pro­jekt“ und „ein­ma­li­ge Chan­ce“ sieht der frü­he­re CDU-Bürg­er­meis­ter Nor­bert Schü­ler die Ci­ty­bahn an – und be­merk­te, oh­ne wei­te­re Brü­cke kön­ne er sich die Um­set­zung nicht vor­stel­len. Auch die Wies­ba­de­ner CDU ste­he hin­ter die­sem Vor­schlag, un­ter­strich Schö­nig. Un­ter den Main­zer Mit­glie­dern herrscht durch­aus Skep­sis ge­gen­über dem Ci­ty-Bahn-Pro­jekt ge­ne­rell. Vor al­lem Bret­zen­hei­mer CDU­ler ver­wei­sen auf Ne­ga­tiv-Er­fah­run­gen mit der Main­zel­bahn.