Nach der De­cke ge­streckt

KOM­MU­NEN: Vor al­lem die Städ­te im Land sind hoch ver­schul­det / Land will künf­tig stär­ker hel­fen

Allgemeine Zeitung, 11. Januar 2018, MAINZ.

Die rhein­land-pfäl­zi­schen Kom­mu­nen sind laut Lan­des­rech­nungs­hof mit 6,6 Mil­li­ar­den Eu­ro ver­schul­det. Da­bei han­delt es sich um „Li­qui­di­täts­kre­di­te“. Das heißt: Das Geld wur­de nicht für In­ves­ti­tio­nen in Schu­len, Stra­ßen oder Bau­ge­bie­te aus­ge­ge­ben, son­dern weil die Städ­te und Ge­mein­den Ge­häl­ter und an­de­re Pflicht­aus­ga­ben nicht be­zah­len konn­ten.

Das Land tue ei­ni­ges, um die­se Si­tua­ti­on in den Griff zu krie­gen, sagt Fi­nanz­mi­nis­te­rin Do­ris Ah­nen (SPD). „Das reicht nicht“, hält der haus­halt­spo­li­ti­sche Spre­cher der CDU, Gerd Schrei­ner, im Fi­nanz­aus­schuss des Land­tags ge­gen. In die­sem hat­te sei­ne Frak­ti­on ei­nen Be­richt der Lan­des­re­gie­rung zu den Kom­mu­nal­fi­nan­zen be­an­tragt.

2,93 Mil­li­ar­den Eu­ro im Jahr ver­teilt das Land laut Ah­nen im Fi­nanz­aus­gleich an die Kom­mu­nen. Das sei­en 17 Pro­zent der Ge­samt­aus­ga­ben des Lan­des und ei­ne Mil­li­ar­de mehr als noch 2013. In kei­nem an­de­ren Haus­halt­spos­ten des Lan­des ge­be es ei­nen solch star­ken An­stieg. Der Zu­wachs lie­ge noch über der In­fla­ti­on. „Das Land hat sich in der Ver­gan­gen­heit nach der De­cke ge­streckt“, sagt Ah­nen. In den näch­sten drei Jah­ren wol­le das Land den Pos­ten um zu­sätz­li­che 425 Mil­lio­nen Eu­ro auf­sto­cken.

Hof­fen auf hö­he­re Steu­er­ein­nah­men

Die Kom­mu­nen pro­fi­tie­ren laut Ah­nen von wei­te­ren Ef­fek­ten: So ha­be das Land ih­nen 1,4 Mil­li­ar­den Eu­ro über den Ent­schul­dungs­fonds zu­kom­men las­sen. Zu­dem wür­den hö­he­re Steu­er­ein­nah­men vor­her­ge­sagt: Dem­nach näh­me das Land die­ses Jahr 192 Mil­lio­nen Eu­ro mehr ein, 2019 noch­mal wei­te­re 84 Mil­lio­nen Eu­ro zu­sätz­lich. Au­ßer­dem ent­la­ste das Land die Kom­mu­nen in der Ge­wer­be­steu­er. Al­les in al­lem sei­en al­so bis 2021 mit 1,9 Mil­li­ar­den zu­sätz­li­chen Ein­nah­men für die Kom­mu­nen zu rech­nen: „Das ist echt ein Wort.“

Schrei­ner aber warnt: „Die zu­sätz­li­chen Ein­nah­men und die stark stei­gen­den Aus­ga­ben he­ben sich ge­gen­sei­tig auf.“ Vom Land for­dert der CDU-Mann, dass es die Kom­mu­nen fi­nanz­iell so aus­stat­te, dass sie ih­re Auf­ga­ben er­fül­len kön­nen und von ih­rem ho­hen Schul­den­berg run­ter­kä­men. Und ei­ne Fra­ge müs­se Ah­nen ihm be­ant­wor­ten: „Wo kom­men die über sechs Mil­li­ar­den Eu­ro an Über­zie­hungs­schul­den her?“

Ei­ne Mit­schuld der Kom­mu­nen

Die­se Fra­ge be­ant­wort­ete Ah­nen in­des nicht. Sie sel­ber ist seit 2014 im Amt und ver­weist da­rauf, dass seit­dem das Land ver­su­che, die Fi­nan­zen der Kom­mu­nen zu ver­bes­sern. Da­zu zäh­le ein Zins­si­che­rungs­schirm, über den sie dem­nächst mit den Ver­tre­tun­gen der Kom­mu­nen ver­han­deln will. Die­ser soll den Kom­mu­nen dann hel­fen, wenn die Pha­se der all­ge­mein nie­dri­gen Zin­sen en­det – und die über­schul­de­ten Haus­hal­te durch hö­he­re Zin­sen ent­spre­chend be­la­stet wer­den.

Die SPD-Ab­geord­ne­te An­na Köb­ber­ling weist da­rauf hin, dass die He­be­sät­ze der Kom­mu­nen oft zu ge­ring sei­en, die­se al­so Steu­ern et­wa auf Grund­be­sitz noch an­he­ben könn­ten. Au­ßer­dem sei die Kom­mu­nals­truk­tur zu klein­tei­lig. Sprich: Es ge­be zu vie­le klei­ne Kom­mu­nen, was die Kos­ten für die Ver­wal­tung in die Hö­he treibt.

Auch der grü­ne Ab­geord­ne­te Da­ni­el Kö­bler er­in­nert an ei­ne Mit­schuld der Kom­mu­nen: So leis­te sich die Stadt Kai­sers­lau­tern, die laut Stu­di­en zu Deutsch­lands zehn am stärk­sten ver­schul­de­ten Kom­mu­nen ge­hört, un­sin­nig ho­he Aus­ga­ben für das Fritz-Wal­ter-Sta­di­on. Zu­dem ha­be das Land in der Ver­gan­gen­heit die Land­krei­se zu stark aus­ge­stat­tet – und die Städ­te ver­nach­läs­sigt. Wes­halb es vor al­lem die rhein­land-pfäl­zi­schen Städ­te sei­en, die in Fi­nanz­not ge­ra­ten sind. Zum künf­ti­gen Fi­nanz­aus­gleich ge­hört, wie Ah­nen an­kün­digt, dass die Pro­ble­me der Städ­te, vor al­lem ih­re über­durch­schnitt­lich ho­hen So­zi­al­aus­ga­ben, be­rück­sich­tigt wür­den – und sie al­so ei­nen grö­ße­ren An­teil des Gel­des er­hal­ten als bis­her.

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