Erster Haushalt mit Schuldenprobleme

FINANZEN: Dank hoher Steu­er­ein­nah­men und Aus­ga­ben­dis­zi­plin erneut ein Überschuss

Allgemeine Zeitung, 21. Dezember 2017, Peter Zschun­ke, MAINZ

Die Ab­schluss­rech­nung für das al­te Jahr ist noch nicht fer­tig, da be­gin­nen im Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um von Rhein­land-Pfalz be­reits die er­sten tech­ni­schen Ar­bei­ten für den künf­ti­gen Dop­pel­haus­halt 2019/20. „Das wird für uns ein ziem­lich span­nen­der Haus­halt“, sagt Fi­nanz­mi­nis­te­rin Do­ris Ah­nen (SPD). „Für das Haus­halts­jahr 2020 ha­ben wir zum er­sten Mal die ver­fas­sungs­recht­li­che Vor­ga­be, die Schul­den­brem­se ein­zu­hal­ten und ei­nen struk­tu­rell aus­ge­gli­che­nen Haus­halt vor­zu­le­gen.“

In dem noch lau­fen­den Zah­len­werk für die Ein­nah­men und Aus­ga­ben des Lan­des ist das noch nicht der Fall. Für das jetzt aus­klin­gen­de Jahr war die Auf­nah­me neu­er Kre­di­te von net­to 272,7 Mil­lio­nen Eu­ro ein­ge­plant, im näch­sten Jahr liegt die Net­to­kre­dit­auf­nah­me bei 54 Mil­lio­nen Eu­ro. Das struk­tu­rel­le De­fi­zit, al­so die Sche­re zwi­schen Aus­ga­ben und Ein­nah­men, be­rei­nigt um Kon­junk­tu­rein­flüs­se, ist aber noch hö­her: 352 Mil­lio­nen in die­sem und 198 Mil­lio­nen im näch­sten Jahr.

Ah­nen: Nicht auf gu­ten Zah­len aus­ru­hen

Trotz die­ser Pla­nung hat das Land im ver­gan­ge­nen Jahr im tat­säch­li­chen Voll­zug der Ein­nah­men und Aus­ga­ben ei­nen Über­schuss er­zielt. Dies wird nach An­ga­ben des Fi­nanz­mi­nis­te­ri­ums vor­aus­sicht­lich auch 2017 der Fall sein. Wie hoch der Über­schuss ge­nau sein wird, steht erst An­fang 2018 fest. Be­reits 2016 hat­te das Bun­des­land 322 Mil­lio­nen Eu­ro mehr ein­ge­nom­men als aus­ge­ge­ben – erst­mals seit 1969.

Struk­tu­rell aus­ge­gli­chen be­deu­tet, dass der Haus­halt ab 2020 so auf­ge­stellt sein muss, dass auch in ei­ner schlech­te­ren Kon­junk­tur kein De­fi­zit ent­steht. „Man darf sich nicht auf gu­ten Zah­len aus­ru­hen, weil man im­mer Pha­sen über­ste­hen soll­te, die schlech­ter sind als jetzt“, sagt Ah­nen mit Blick auf das nun schon un­ge­wöhn­lich lan­ge an­dau­ern­de Wirt­schafts­wachs­tum.

Im Mai 2018 will die Lan­des­re­gie­rung die Eck­wer­te für den Dop­pel­haus­halt 2019/20 be­schlie­ßen. Da­nach be­gin­nen die ei­gent­li­chen Haus­halts­ver­hand­lun­gen mit den Staats­se­kre­tä­ren al­ler Res­sorts. Nach der Som­mer­pau­se – so der jet­zi­ge Plan – könn­te das Haus­halts­ge­setz dann im Mi­nis­ter­rat be­schlos­sen und dem Land­tag vor­ge­legt wer­den. Als Ziel nennt Ah­nen ei­ne Ver­ab­schie­dung des Haus­halts bis En­de 2018.

Dank spru­deln­der Steu­er­ein­nah­men konn­te das Land zu­letzt mit ho­hen Ein­nah­men von 16,4 Mil­li­ar­den (2017) und 17,0 Mil­li­ar­den Eu­ro pla­nen. Die künf­ti­ge Aus­stat­tung hängt auch da­von ab, ob sich die künf­ti­ge Bun­des­re­gie­rung zu ei­ner Steu­er­re­form durch­ringt und wie die­se aus­se­hen wird. „Je nach Aus­ge­stal­tung ei­ner Steu­er­re­form wä­ren von mög­li­chen Steu­er­ent­la­stun­gen auch die Län­der be­trof­fen, was sich auf die Ein­nah­men von Rhein­land-Pfalz aus­wir­ken wür­de“, er­klärt Ah­nen. Und auf der Sei­te der Aus­ga­ben gibt es für das Land ho­he An­for­de­run­gen beim Stra­ßen­bau, der in­ne­ren Si­cher­heit, der Bil­dung und Di­gi­ta­li­sie­rung.

Das wird auch von der Op­po­si­ti­on an­ge­mahnt: „Was fehlt, sind wich­ti­ge Zu­kunfts­in­ves­ti­tio­nen, vor al­lem in die In­fras­truk­tur“, sagt der haus­halts- und fi­nanz­po­li­ti­sche Spre­cher der CDU-Frak­ti­on, Gerd Schrei­ner. „Die Am­pel-Re­gie­rung im Land in­ves­tiert das Geld nicht sinn­voll, son­dern ver­früh­stückt es für Zins­zah­lun­gen we­gen der ho­hen Haus­halts­schul­den oder Staats­hil­fen an den Käu­fer des Flug­ha­fen Hahn“.

Auch wenn der Haus­halt 2020 aus­ge­gli­chen ist, hat das Land noch ei­ne ho­he Schul­den­last von mehr als 32 Mil­li­ar­den Eu­ro an den Fi­nanz­märk­ten. Auch des­we­gen ist das Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um we­nig ge­neigt, als ei­ne Art „Bad Bank“ zu­sätz­li­che Mil­li­ar­den von den Kom­mu­nen zu über­neh­men, wie es der Städ­te­tag Rhein­land-Pfalz mit Un­ter­stüt­zung der CDU for­dert.